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Aufführungen / Varieté Friedrichsbau Varieté Stuttgart, Friedrichstraße 24
Aufführungen | Theater

Black Box Phantom­theater für 1 Person

Schauspiel Stuttgart

Monatelang standen die Theater leer. Aufführungen vor gefüllten Sälen waren bis auf Weiteres nicht möglich. Ausstellungsbesuche durch Einzelpersonen waren dagegen erlaubt. Folgerichtig wird die Black Box Theater zum White Cube Museum und stellt sich selber aus: das Phänomen, dass hier Menschen zusammenkamen, um Kunst zu sehen. In den leeren Räumen hallt nach, was die Menschen hier verband – Gefühlsstürme, Lacher, Tränen und Applaus. Aber was bleibt von einer flüchtigen Theateraufführung überhaupt zurück? Aufzeichnungen, Kritiken und selbst Regiebücher bilden nur einen Teil der Aufführung ab. Hormone, Gerüche, Textur haben andere Spuren hinterlassen. In ihrer Leere entwickeln Zuschauerraum, Bühne, Garderoben und Lichtbrücken den Charme von Ruinen: Post-Spektakel. Die Bühne und ihre Umgebung als temporäre Ruine einer rituellen Versammlungsstätte. Eine Archäologie der Repräsentation von Gesellschaft. Schicht für Schicht abgetragen gibt das Gebäude den Blick frei auf das, was Theater war, ist, sein kann. Wie viel davon ist technisch simulierbar, reproduzierbar, synchronisierbar? Was ist, wenn sich die Weltsimulationsmaschine Theater von selbst in Bewegung setzt und das Publikum ins Zentrum des Geschehens rutscht? Covid-19 macht möglich, was sich sonst kein Schauspielhaus erlauben könnte: Ein ganzes Haus spielt für eine Person. Wie Tarkowskis Stalker gehen die Zuschauer:innen vorsichtig durch die Flure, mit Kopfhörern und Handschuhen treten sie durch die leeren Reihen im Zuschauerraum auf die Hinterbühne und betreten das Labyrinth der Fiktionsmaschine. Die Black Box öffnet sich den rekonstruierenden Forscher:innen und stellt die Frage: Wo sind die anderen? In Zeiten von sozialer Distanz und Isolation gilt es hier zu entdecken was Gemeinschaft bedeutet. Erinnerung funktioniert wie ein Palimpsest aus vielen Schichten. Stefan Kaegi von Rimini Protokoll nimmt Expert:innen für politische Gemeinschaft, Simulation und Erinnerung auf; Menschen, deren Leben mit diesen Räumen und der Idee von Theater verbunden sind: Maskenbildnerinnen und Souffleure, Ensemblemitglieder und Philosophinnen… Zwischen ihren binaural im Raum inszenierten Stimmen und ortsspezifischen Klängen entsteht eine Fährte durch den Körper des Theaters, die en passant zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft werden könnte. Konzept, Skript und Inszenierung: Stefan Kaegi / Rimini Protokoll Sounddesign: Nikolas Neecke Ton: Marian Hepp Dramaturgie: Carolin Losch, Aljoscha Begrich Dauer – ca. 1:35 Std, keine Pause Für unseren Audiowalk ist ein gutes Verständnis der deutschen Sprache Voraussetzung. Die Veranstaltung ist nicht barrierefrei. Bitte beachten Sie, dass nur zum Teil Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen.
Aufführungen | Schauspiel

Krawall & Katharsis

Schauspiel Stuttgart

Krawall & Katharsis – eine große Behauptung, aber mit genau dieser Wucht wollen wir auch in der kommenden Spielzeit wieder szenische Ideen der Regieassistent:innen und des Ensembles auf die Bühne bringen! Das Format ist ein Sprung ins kalte Wasser, jedes Mal neu und anders, egal ob lange konzipiert oder ohne Proben nach oben – alles ist erlaubt. Weiterhin gilt: Dieses Format entzieht sich aus Prinzip jeglicher Erwartungshaltung und zelebriert in jeder Ausgabe auf andere Art und Weise Spieltrieb und künstlerische Freiheit.
Aufführungen | Schauspiel

Sonne / Luft

Schauspiel Stuttgart

Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang und kämpft ihren unaufhörlichen Kampf von Glut und Glanz. Alle Tränen, die sie verdrücken will, verdampfen zu Rauch und Staub. Und so also lacht sie den brennenden Wäldern und verdorrenden Landstrichen in die rat- wie rastlosen Visagen. Doch auch wenn es das Letzte ist, was sie tut, sie will erzählen von dem, was sich im goldenen Schein des Tages, über dessen Anfang und Ende allein sie bestimmt, ihrem Blick eröffnet, zumindest auf der einen Seite der Kugel. Ein Drache hebt ab in die Untiefen des Himmels, mäandert nach Luft und Laune zwischen den Wolken hindurch. Wer lässt die Winde wehen, wer trägt die Last des Flugzeugs und treibt die Leichtigkeit des Segels in rasender Geschwindigkeit und träger Trauer? Erde, Feuer, Wasser, was? Die scheinheilige Kontrolle des Menschenwesens über die Elemente scheint gesichert. Doch urplötzlich sind da zwei Fenster geöffnet – schwupps! Ein feiner gezielter Stoß – „endlich einmal durchatmen“, sagt die Luft, und es fliegen die Teile des Schreibtischs quer durch das Büro, dahin ist sie, die Steuererklärung. Aus der Sicht von Sonne und Luft untersucht Elfriede Jelinek die (Ver-)Irrungen und (Ver-)Wirrungen des Menschen im Umgang mit seiner Umwelt, ohne dass das Wort Klimawandel auch nur ansatzweise in die Nähe ihrer polyfonen Textfläche gelangt. Gnadenlos gelassen und herzlich hart erzählt der Text die Geschichte vom Menschen und vom Scheusal im Mikrokosmos Erde zwischen Sonnenschein und Luftgestoße. Inszenierung: FX Mayr Bühne / Kostüme: Korbinian Schmidt Musik: Matija Schellander Licht: David Sazinger Dramaturgie: Ingoh Brux, Lennart Göbel Dauer – ca. 1:30 Std., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Amerika

Schauspiel Stuttgart

Kafkas unvollendet gebliebener Roman, der auch den Titel Der Verschollene trägt, beginnt mit einer Verheißung: „Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht.“ In New York wird Karl von einem reichen Onkel aufgenommen und später unter fadenscheiniger Begründung verstoßen. Auf der Suche nach Arbeit begegnet er zwei Landstreichern, die ihn ausnutzen, findet unter der Obhut der Oberköchin des Hotel Occidental einen Job als Liftboy und landet als Diener bei der ehemaligen Sängerin Brunelda. Schließlich bekommt er eine Anstellung als Techniker beim Naturtheater von Oklahoma. Amerika ist eine Auswanderergeschichte und zugleich ein Anti-Bildungsroman: Jemand sucht in der Neuen Welt sein Glück und wird ein Niemand. In aberwitzigen Abenteuern schildert Kafka den sozialen Abstieg seines Helden und seziert humorvoll und sarkastisch den amerikanischen Traum. Er erzählt von Fremdsein und Weltverlust und von der existenziellen Suche eines Heimatlosen in der modernen Welt. Inszenierung: Viktor Bodó Bühne: Zita Schnábel Kostüme: Dóra Pattantyús Musik: Klaus von Heydenaber Licht: Jörg Schuchardt Mediengestaltung: Bors Ujvari Dramaturgie: Ingoh Brux, Anna Veress In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln Dauer – ca. 2 Std., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Liebe / Eine argumentative Übung

Schauspiel Stuttgart

Premiere: 7.6.2024 Aus dem Englischen von Maren Kames Er ist muskulös, künstlerisch interessiert und Star seiner eigenen Serie – einen besseren Fang als ihren spinatversessenen Seemann Popeye hätte sich Olivia Öl eigentlich kaum wünschen können. Die beiden lernen sich im Sprachkurs kennen, sie feiert als aufstrebende Romanautorin erste Erfolge, er träumt vom Studium der Filmregie. Wenngleich sie sehr bedacht auf ihre Eigenständigkeit ist, sich nie ein Konto teilen, geschweige denn Kinder haben wollte, lässt sie sich auf die Beziehung ein. Doch schnell hat sie das Gefühl, jedes Treffen mit diesem flüchtigen Liebhaber könnte das letzte sein. Auch kostet es Kraft, sich ständig an der Ex messen zu müssen und das gekränkte Ego eines verkannten Künstlers zu tätscheln, dessen Drehbuch nie länger als zwei Seiten wurde – zumal er ihre Romane gar nicht erst gelesen hat. Doch Verletzlichkeit und gekränkter Stolz können auch etwas Attraktives an sich haben. Und es ist schön, Teil eines Paares zu sein, sich endlich mit den anderen messen zu können, die Blicke derer zu spüren, die sich nach Popeye umdrehen. Und wer würde schließlich behaupten, dass eine Beziehung nicht auch Arbeit und Verzicht bedeutet? Ein ganzes Jahrzehnt war Olivia Öl Hauptfigur von E. C. Segars weltberühmten Comic, bevor 1929 Popeye den Streifen kaperte, und sie in die Nebenrolle drängte. Sivan Ben Yishai lässt uns mit ihrem Text hinter die vermeintlich zweidimensionalen Oberflächen dieser popkulturellen Ikonen blicken. Dabei durchleuchtet sie reflektiert feministisch und mit scharfer Direktheit die Ungleichheiten, die sich bis heute in scheinbar emanzipierte Paarbeziehungen einschleichen und beschreibt den inneren Konflikt zwischen feministischem Selbstanspruch und der Annehmlichkeit tradierter Muster. Inszenierung: Tom-Henry Löwenstrom Bühne: Klara Kollmar Kostüm: Katharina Weis Licht: David Sazinger Dramaturgie: Philipp Schulze
Aufführungen | Musiktheater

Dein Oxy

Oper Stuttgart

Ich bin eine Mutter. Ich bin keine Mutter. Ich stille. Ich bin still. Ich bin laut. Und in meinem Universum fliegen Brüste herum...Warum werden Menschen auf eine „ursprüngliche“ Rolle als Mutter oder Vater festgelegt? Und warum behaupten manche, der Zweck einer Person wäre eben erst erfüllt, wenn sie diese festgelegte Rolle erfüllt? Zwischen aktueller Kammermusik und fragilem Chor verhandelt das 12-köpfige Team um Lisa Florentine Schmalz die Frage, wer darüber entscheidet, welche Rollen Menschen als (Nicht-)Mütter in der Gesellschaft einnehmen und was das wirklich mit Jägern und Sammlerinnen zu tun hat. Welchen Einfluss auf unsere Körper und unser Miteinander hat dabei das Bindungshormon Oxytocin? Lenkt diese beeindruckende chemische Verbindung unser Verhalten? Oder sind wir es, die die Hormone steuern? Diesen großen Fragen nähern sich die Performerinnen mit klassischer Gesangsstimme und ausufernden Monologen, an Klavier und mit Klarinette. Dabei sei verraten: Ob mit Brüsten oder ohne — Kuscheln hilft, deinem Oxytocin und der Gesellschaft! Dauer: 75 Minuten ohne Pause von und mit: Lisa Florentine Schmalz, Kerstin Steeb, Pauline Jacob, Leonora Scheib, Cymin Samawatie, Sina Dotzert, Lisa Heinrici, Mona Matbou-Riahi, Marie Gimpel, Hanna Naske, Filo Krause und Martha Luise Schmalz
Aufführungen | Oper

La sonnambula

Oper Stuttgart

Oper in zwei Akten Libretto von Felice Romani Dort Sinn zu finden, wo andere nur Schönklang wähnen, ist das erklärte Ziel der hermeneutischen Tiefenbohrungen des Regieduos Jossi Wieler und Sergio Morabito. Und so legten sie auch bei ihrer zweiten Inszenierung einer Bellini-Oper 2012 durch genaue Textanalyse die tieferen Schichten der vermeintlich so oberflächlichen Figuren frei. Wielers und Morabitos Erfolgsinszenierung von Bellinis „Nachtwandlerin“ kehrt nach einem Gastspiel an der Deutschen Oper Berlin zurück auf den Spielplan der Staatsoper Stuttgart und wird hier erneut zum Leben erweckt von einem Belcanto-Traum-Ensemble um Helene Schneiderman und Catriona Smith sowie Charles Sy und Claudia Muschio. in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Altersempfehlung: ab Klasse 8 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im Foyer I. Rang statt.
Aufführungen | Oper

Fundbüro

Oper Stuttgart

Mit Musik von Franz Schubert, Antonio Vivaldi, Arca, John Dowland, Ralph Vaughan Williams, Samuel Barber, SOPHIE u.v.a. Ein merkwürdiger Ort, an dem Verlorenes aufbewahrt wird. Und der Glaube lebendig gehalten, dass alles Verlorene wiedergefunden werden kann. Aber wie steht es um das Unwiederbringliche? Mit Fundbüro präsentieren sich erstmals die neuen Mitglieder des Opernstudios in einem eigenen Stück, ihre Stimmen und Muttersprachen beleben eine Zwischenwelt, in der hinter jedem Gegenstand eine Geschichte lauert. Arien, Pop-Balladen und Folk-Songs, Tragisches und Banales, Humor und Gefühl mischen sich: Ein merkwürdiger, ein magischer Ort. Kollektiv MEMBRA Regie & Texte: Martin Mutschler Bühne und Kostüme: Thilo Ullrich, Amanda Ziemele Mit Mitgliedern des Internationalen Opernstudios Altersempfehlung: ab 12 Jahren Dauer: ca. 1 Std. 30 Min. (ohne Pause)
Aufführungen | Oper

Il trovatore (Der Troubadour)

Oper Stuttgart

Premiere: 9.6.2024 Dramma lirico in vier Teilen Libretto von Salvatore Cammarano und Leone Emanuele Bardare nach El trovador von Antonio García Gutiérrez Wirklichkeit nachbilden sei schön und gut, so Verdi, „aber Wirklichkeit erfinden ist besser, weit besser.“ Und was für eine Wirklichkeit da erfunden wird: Vertauschte Kinder, gerächte Mütter, geopferte Geliebte… Eine fast mythische Erzählung voll unglaublicher Wendungen, die die Figuren immer wieder in Ausnahmezustände versetzen. Verdi ging es um die Glaubwürdigkeit der Emotionen, nicht um die der Handlung. Gesang als Utopie, als Öffnung eines Raumes, den es in der nachgebildeten Wirklichkeit nicht gibt. In seiner Inszenierung von Verdis Troubadour-Oper begibt sich Paul-Georg Dittrich auf die Suche nach diesem Moment. In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln Altersempfehlung: ab Klasse 9 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im Foyer I. Rang statt.
Aufführungen | Oper

Die Schöne Müllerin

Oper Stuttgart

Premiere: 30.6.2024 Ein junger Müllergeselle glaubt, die Liebe gefunden zu haben. Doch aus seinen Monologen geht hervor, dass die Erwiderung seiner Gefühle letztlich nur Projektion war. Der einzige Dialogpartner in Franz Schuberts Liederzyklus Die schöne Müllerin ist der Bach, den der junge Mann entlang gegangen ist und in dem er am Ende Ruhe vom eigenen Liebesschmerz finden wird. Der Bildkünstler Norbert Bisky beschäftigt sich in seinen Gemälden mit dem explosiven Ausdruck innerer Prozesse in Zeiten kollektiver Anspannung. Zusammen mit Mingjie Lei bespielt er das Juwel des barocken Schlosstheaters in Ludwigsburg mit seiner jahrhundertealten Kulissentechnik. Eine Koproduktion mit den Schlossfestspielen Ludwigsburg und Staatliche Schlösser & Gärten Baden-Württemberg In deutscher Sprache
Aufführungen | Oper

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Oper Stuttgart

Oper in drei Akten Libretto von Bertolt Brecht 1930 schufen Kurt Weill und Bertolt Brecht einen neuen Typus der großen Oper, radikal in Unterhaltsamkeit wie auch Kritik. Mit dem Witz des epischen Theaters, dem musikalischen Esprit von schrammeligen Kneipensongs und Musik der Avantgarde bauten sie die Fabel einer an den eigenen Utopien zugrunde gehenden Paradiesstadt, in der es nur noch eine Todsünde gibt – die Zahlungsunfähigkeit. Regisseurin Ulrike Schwab untersucht mit einem jungen Ensemble, wer es heute überhaupt noch wagen würde, von einer besseren Zukunft zu träumen. Regie: Ulrike Schwab Bühne: Lena Schmid, Pia Dederichs Kostüme: Rebekka Dornhege Reyes Licht: Jakob Flebus Dramaturgie: Franz-Erdmann Meyer-Herder, Julia Schmitt in deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln Altersempfehlung: ab Klasse 8 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Einführung im Foyer I. Rang statt.
Aufführungen | Schauspiel

Farm der Tiere

Schauspiel Stuttgart

Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach In einer Bearbeitung von Oliver Frljić Sie werden eingesperrt und ausgebeutet, ihre Körper geschunden. Die Tiere auf dem Gutshof von Mister Jones haben die Schnauze voll. Gemeinsam leisten sie Widerstand gegen die bestehenden Verhältnisse und revoltieren. Nachdem sie ihren Peiniger vom Hof vertrieben haben, steht der Umsetzung ihrer Vision theoretisch nichts mehr im Wege: Alle Tiere sind gleich. Doch bald schon kristallisiert sich eine neue Elite heraus. Korrumpiert von der Macht stellen sich die Schweine an die Spitze der neuen Ordnung. Unter dem Vorwand, im Sinne der gesellschaftlichen Transformation zu handeln, lassen sie die anderen Tiere schuften, während sie selbst in das Haus von Mister Jones einziehen. Sie stellen neue Regeln auf und räumen sich Privilegien ein. Das einstige Ideal einer gerechten und freien Gesellschaft erodiert zusehends und bleibt unvollendete Utopie. Die Fabel des britischen Schriftstellers und Journalisten George Orwell kommt so harmlos wie ein Märchen daher, umso schlagkräftiger wirkt das Ende der Geschichte. Orwells Meisterwerk aus dem Jahre 1945 ist längst nicht mehr nur als Kritik an der ehemaligen Sowjetunion zu lesen, sondern verdeutlicht, wie Gesellschaftsentwürfe zu Dystopien verkommen, wenn die ursprünglichen Ideale von einigen wenigen aus Egoismus verraten und ins Gegenteil verkehrt werden: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“ Inszenierung: Oliver Frljić Bühne: Igor Pauška Kostüme: Pia Maria Mackert Choreografie: Andrea Krolo Licht: Jörg Schuchardt Dramaturgie: Sabrina Hofer
Aufführungen | Schauspiel

Der Bau

Schauspiel Stuttgart

Kafkas Erzählung Der Bau ist das Protokoll einer unterirdischen Welt, in der Glück und Paranoia eng verschwistert sind. Er beschreibt eine Art Menschentier, eben ein kafkaeskes, denkendes Tier. Das Wesen lebt in einem gedanklichen Kreuzzug, im permanenten Ausnahmezustand, gerichtet gegen die Außenwelt, gegen mögliche Eindringlinge, gegen das Fremde. Das kleinste Geräusch ist Maximal-Stress für den Erschaffer. Der Bau ist eine Parabel über die Gesellschaft, die permanent Risiken schafft, indem sie diese zu verhindern sucht. Wie in allen Erzählungen Kafkas treiben die Konsequenzen ihres Handelns und Denkens die Wesen, Tiere, Menschen, Männer unerbittlich vor sich her, meist verlassen von jeglichem Realitätssinn. Regie und Einrichtung: Max Simonischek Bühne: Besim Morina Kostüme: Modedesign Basman & Joel Basman Beratung Sound: Daniel Freitag Beratung Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger Gefördert durch die Reinhold Otto Mayer Stiftung Dauer – ca. 1 Std., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Der große Wind der Zeit

Schauspiel Stuttgart

Libby hat gerade ihren Militärdienst beendet und arbeitet als Verhörspezialistin für die israelische Armee. Aber sie hat den Teufelskreis von Gewalt und Repressalien statt. Als sie dem palästinensi­schen Studenten Adib begegnet und ihm näher kommt, nimmt sie sich eine Auszeit. Sie besucht ihren Großvater Dave in seinem Kibbuz in der Wüste. Dort stößt sie auf die Tagebücher ihrer Urgroßmutter Eva, die Anfang des 20. Jahrhun­derts nach Palästina kam. Hier gründete sie mit anderen jungen Leuten einen Kibbuz, in dem ihr Sohn Dave als Einziger immer noch lebt. Mit Evas Tagebüchern begibt Libby sich in die Vergangen­heit einer mutigen Frau, die Mann und Kind zu­rücklässt, um in Deutschland Tänzerin zu wer­den. Im Berlin der 1930er-Jahre lernt sie die Theaterszene um Bertolt Brecht kennen und wird mit dem aufkommenden Nationalsozialismus konfrontiert. Der große Wind der Zeit erzählt eine Familiengeschichte über vier Generationen, ver­woben mit den dramatischen Ereignissen der letz­ten 100 Jahre. Die Vergangenheit spiegelt sich in der Gegenwart und prägt schließlich die Zukunft. Inszenierung: Stephan Kimmig Bühne: Katja Haß Kostüme: Anja Rabes Musik: Max Braun Choreografie: Michèle Seydoux Licht: Sebastian Isbert Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger Dauer – ca. 2:30 Std., eine Pause In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Aufführungen | Schauspiel

John Gabriel Borkman

Schauspiel Stuttgart

Aus dem Norwegischen von Heiner Gimmler In einer Bearbeitung von Daniela Löffner Der ehemalige Bankdirektor John Gabriel Borkman ist tief gefallen. Für ein privates Investment hat er Kundengelder veruntreut und sich dabei verspekuliert. Das Gericht verurteilt Borkman zu einer mehrjährigen Haftstrafe, während sich seine Ehefrau Gunhild und der gemeinsame Sohn Erhart mit dem finanziellen Ruin und der gesellschaftlichen Ächtung abfinden müssen. Nach seiner Entlassung lebt er beinahe vollständig isoliert zusammen mit seiner Frau auf dem Gut, das seine Schwägerin Ella Rentheim ihnen großzügig zur Verfügung stellt. Seit acht Jahren haben sich die Eheleute weder gesprochen noch gesehen. In einer kalten Winternacht kommt die mittlerweile totkranke Ella unerwartet zu Besuch. Zwischen den Schwestern bricht ein unerbittlicher Kampf um Erhart den einzigen Erben der Familie aus. Gleichzeitig rechnen die Frauen mit John Gabriel Borkman ab – beide auf ihre Weise. Während vergangene Komplotte ans Licht gezerrt werden, bricht der Sohn gemeinsam mit seiner um einige Jahre älteren Liebhaberin Fanny Wilton sowie der hochbegabten Musikstudentin Frida Foldal in eine unbelastete Zukunft auf, in der Hoffnung ihr Glück gemeinsam zu finden. Die Regisseurin Daniela Löffner holt das Spätwerk des norwegischen Dichters aus dem Jahre 1896 in die Gegenwart. Sie zeigt, wie ein Finanzskandal eine Familie in den Abgrund reißt und fragt nach dem Schuldbewusstsein, wenn Selbstlügen entlarvt werden. Inszenierung: Daniela Löffner Bühne: Fabian Wendling Kostüme: Daniela Selig Musik: Matthias Erhard Licht: Felix Dreyer Dramaturgie: Sabrina Hofer Dauer – ca. 2:05 Std., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Jeeps

Schauspiel Stuttgart

Deutschland im Herbst in einer nahen (?) Zukunft, das Bürgergeld heißt wieder Hartz IV, die Jobcenter existieren noch, das System des Nummer-Ziehens bewährt sich nach wie vor. Doch der Aufgabenbereich der Sachbearbeiter hat sich ausgedehnt. Gabor und Armin sind mittlerweile die Hüter der Erbschaftslotterie, denn das natürliche, altbekannte Erbrecht wurde reformiert, und Hinterlassenschaften werden nun per Losentscheid verteilt. Somit haben alle die Chance, etwas von den jährlich in Deutschland vererbten 400 Milliarden Euro zu bekommen. Silke revoltiert; ist es fair, dass das Vermögen ihres Vaters, für das er ein Leben lang schuften musste, verlost wird und nicht in ihr Start-up fließen kann? Maude dagegen frustrieren als Hartz IV-Betroffene ganz andere Umstände. In den heiligen Hallen der Agentur für Arbeit treffen diese vier Menschen aufeinander und liefern sich einen rasant pointierten Schlagabtausch um das große Los. Nora Abdel-Maksoud stellt in ihrer zugespitzten Gesellschaftssatire das Privileg der Geburt in Frage. An ein tiefes soziales Sicherheitsbedürfnis anknüpfend, verhandelt sie präzise die strukturellen Bedingungen einer Gesellschaft, in der Klassenunterschiede gleichzeitig wirken und negiert werden. Provokant und raffiniert seziert Abdel-Maksoud das volatile Selbstverständnis jenes Wohlstandsbürgertums, dass sich partout nicht oberhalb des Mittelstands verorten will, im Verhältnis zu ihrem Kapital. Inszenierung: Sebastian Kieẞer Bühne / Kostüme: Ariane Königshof Licht: Walter Bühler Dramaturgie: Lennart Göbel Dauer – ca. 1:30 Std, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Ein dunk­les, dunk­les, dunk­les Blau

Schauspiel Stuttgart

Stuttgart im Treibhausklima: Christof ist Anfang zwanzig und unheilbar krank. Noch ein letztes Mal möchte seine Freundin Nicola mit ihm einen Tag verbringen – ganz so wie früher, als er noch gesund war. Sie nimmt ihn mit auf eine imaginäre Reise an jene Orte, die ihnen etwas bedeutet haben: ihre alte Schule, das Schwimmbad, den Fernsehturm … Die Intensität ihrer Erlebnisse ist eine letzte Feier tiefer Verbundenheit aus voller Lebensfreude. Schließlich verabschiedet sich Christof mit sarkastischem Humor: Er ist froh, den Planeten zu verlassen, weil er dessen Untergang nicht länger erträgt. Auf dieser Reise durch die Stadt begegnen wir auch Christofs Vater, einem erfolgreichen Automobilverkäufer, der gezeichnet von Schicksalsschlägen in Schwermut versinkt, und seinem Onkel, der im Gefängnis saß. Der liebeskranken Karolina, die sich der Hoffnung hingibt, dass das neugeborene Kind ihres Bruders die Welt retten wird, und Marie, einer Deutschlehrerin, die in dem 18-jährigen Studenten Tomas ihren verstorbenen Sohn erkennt. In seinem psychologischen Beziehungsdrama erzählt Simon Stephens von familiären Tragödien vor dem Hintergrund des Klimawandels und generationsübergreifender Konflikte. Während die Jugend sich von ihren Eltern im Stich gelassen fühlt und in ihrem Suchen und Sehnen ins Leere läuft, zieht sich die Vätergeneration, zerrissen von ihren missglückten Lebensentwürfen und ihren veralteten Skripten, zurück in die Einsamkeit und verstummt. Sie alle erfahren sich als heimatlose Ausgesetzte in einer Welt, die ihnen fremd geworden ist. Inszenierung: Elmar Goerden Bühne: Silvia Merlo & Ulf Stengl Kostüme: Lydia Kirchleitner Video: Ulf Stengl Licht: Sebastian Isbert Dramaturgie: Ingoh Brux Dauer – ca. 2:10 Std., keine Pause
Aufführungen | Szenische Lesung

Die ungeheure Welt in meinem Kopf

Schauspiel Stuttgart

Sascha Konjovic, ein psychisch angeschlagener Taxifahrer wartet vor dem Wiener Westbahnhof auf Kundschaft, hört Jazz­ Musik und schmökert in Kafkas gesammelten Tagebuchnotizen. Bis die Tänzerin Eduardowa mit ihrem Liebhaber zusteigt und eine zweitägige atemberaubende Fahrt beginnt, die alle Beteilig­ten weiter fortträgt, als sie es für möglich gehalten hätten. „Ich kann nicht schlafen. Nur Träume, kein Schlaf." Franz Kafka, Tagebuchnotiz, 21.7.1913 Mitten in das Leben eines Wiener Taxifahrers wird eine Figur aus Kafkas Träumen katapultiert. Ein irrer Trip beginnt, in dem Grenzen überschritten und Schleusen geöffnet werden, Lebende mit Toten sprechen und sogar Kafka selbst zu Wort kommt. Hans Platzgumer erzählt in seinem Roman von Randexistenzen, die Kafka nicht aus dem Kopf bekommen und ihren Überlebensstrategien im heutigen Wien.
Aufführungen | Schauspiel

Zertretung

Schauspiel Stuttgart

Wie mit einem System umgehen, das weibliche Stimmen lautstark übertönt? Das sie unentwegt instrumentalisiert, objektifiziert und degradiert? Das sich selbst konstant reproduziert und zum Naturgesetz stilisiert? Wer ist dieses System überhaupt? Dieser eine Mann in der U-Bahn? Andreas Gabalier oder der heilige Herrgott selbst? Gegen wen die Wut richten? Warum nicht Gewalt mit Gewalt erwidern, anstatt den Frieden zu wahren? Also dann: alles Männliche abschlachten! Doch um die patriarchale Unterdrückung endgültig zu stürzen, muss die Sprache selbst, das zentrale Instrument ihrer Machtausübung ebenfalls zerstört werden. Doch wie bringt man eigentlich die Sprache um? Zwei Spielerinnen verlieren sich in ihrem Rausch, es entsteht ein Duell um und mit der Sprache selbst. Es folgen Sätze, die kein Ende finden, die in andere übergehen und abbrechen. Sätze, die sie hinwerfen, hinscheißen, herausreißen, herausdrücken müssen wie ein Kind. Kann es gelingen, die Sprache umzubringen, ohne den eigenen Körper, das einzige Mittel zur Ausübung der Sprache zu zerstören? Lydia Haiders Text ist eine sprachgewaltige, ultimative Abrechnung, die sintflutartig in den Raum stürzt. Das Team um Glen Hawkins zeigt einen gewaltvollen Ausbruch, getrieben von der Sehnsucht nach einem befreiten Körper und dessen eigener Sprache. Zertretung ist eine Zusammenführung der beiden Stücke Zertretung - 1. Kreuz brechen. Also alle Arschlöcher abschlachten und Zertretung - 2. Sprache essen Abgott auf oder: Du arme Drecksfut Metzger von Lydia Haider. Inszenierung: Glen Hawkins Bühne und Lichtkonzept: Kanade Hamawaki Kostüm: Paula Lindenmann Sounddesign: Constantin Rinke Licht: Michael Frank Dramaturgie: Amelie Hermann Dramaturgische Beratung: Philipp Schulze Dauer – ca. 1:25 Std., keine Pause Eine Kooperation mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
Aufführungen | Musical

Cabaret

Schauspiel Stuttgart

nach den „Berlin Stories“ von Christopher Isherwood Willkommen, bienvenue, welcome / Fremder, étranger, stranger / Schön, dass ihr da seid / Je suis enchanté! / Happy to see you … – singt der Conférencier und verführt seine Gäste in die zwielichtige Unterwelt des Kit Kat Clubs. Es sind die 1920er Jahre in Berlin. Eine Zeit, geprägt von extremer Armut und hemmungslosem Genuss, in der man den eigenen Körper für ein bisschen Lebenslust verkauft. Hier verliebt sich der amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw in die Sängerin Sally Bowles. Sie ist der gefeierte Star der Show und träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Clifford schlägt sich als Englischlehrer durch und schreibt an einem Roman. Als Sally arbeitslos wird, zieht sie zu dem jungen Schriftsteller. Sie werden ein Paar und planen eine gemeinsame Zukunft. Auch Cliffords Pensionswirtin, das Fräulein Schneider, ist frisch verliebt. Sie möchte den jüdischen Gemüsehändler Schulz heiraten. Doch der beginnende faschistische Terror lässt die privaten Träume schnell zerplatzen. Nazischergen zerstören das Gemüsegeschäft. Fräulein Schneider nimmt von ihren Heiratsabsichten Abstand. Cliffords Freund, der Devisenschmuggler Ernst Ludwig, entpuppt sich als Handlanger der braunen Gewalt. Die politische Gefahr vor Augen, will Clifford Deutschland zusammen mit Sally verlassen. Doch sie entscheidet sich für ihre Karriere und bleibt in Berlin. Das Musical Cabaret erzählt von der Liebe in den Wilden Zwanzigern und von ihrem Scheitern angesichts der nationalsozialistischen Machtergreifung. Cabaret basiert auf den autobiografischen Erzählungen des britisch-amerikanischen Schriftstellers Christopher Isherwood (1904–1986). Angezogen von dem Ruf und der sexuellen Freizügigkeit der Stadt Berlin, war Isherwood nach einem abgebrochenen Medizinstudium 1929 nach Deutschland gekommen, um einen großen Berlin-Roman zu schreiben. Seine Erlebnisse aus dieser Zeit veröffentlichte er in dem Buch Good bye to Berlin (1939). 1933 emigrierte er nach Kalifornien, wo er als Drehbuchautor arbeitete. In den 1950er Jahren wurde er zu einer Ikone der Schwulen- und Lesbenbewegung, weil er sich als einer der ersten prominenten Autor:innen zu seiner Homosexualität bekannte. Regie: Calixto Bieito Musikalische Leitung: Nicholas Kok Musikalische Einstudierung: Marcos Padotzke Bühne: Calixto Bieito, Helen Stichlmeir Kostüm: Paula Klein Licht: Rüdiger Benz Choreographie: Juanjo Arqués Gesangscoach: Philipp Büttner Choreographische Assistenz: Daura Hernández García Musikalische Assistenz: Antonio Palesano Dauer – ca. 2:45 Std., eine Pause In deutscher und englischer Sprache mit Übertiteln

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