Das Schauspiel Hannover setzt unter der Intendanz von Sonja Anders auf gesellschaftspolitisch relevante Themen und fahndet in über 30 Premieren pro Spielzeit nach neuen Utopien. Neben Klassikern prägen eine Vielzahl an Uraufführungen den Spielplan. Gespielt wird im Schauspielhaus, Cumberland, im Ballhof Eins und Zwei, aber auch an Orten jenseits der Theaterbühne.
Das Schauspielhaus mit 630 Plätzen wurde 1992 eröffnet. Dem Haus eng verbunden sind unter anderem die Regisseure Stephan Kimmig, Julia Wissert und Laura Linnenbaum. Hinzu kommen Regiehandschriften u. a. von Lilja Rupprecht, Friederike Heller, Kevin Rittberger, Anne Lenk und anderen.
Das Junge Schauspiel weitet seinen Spiel- und Wirkungsraum aus. Junge Lebenswelten sind, neben dem Ballhof, der sich in Hannovers Altstadt mit den Spielstätten Ballhof Eins und Zwei als Ort für junge Themen etabliert hat, in allen Spielstätten zu sehen, so dass sich Generationen treffen und mischen können.
Die Cumberlandsche Galerie, die bereits 1883 entstand, wird zu einem Ort der Öffnung für Künstler und Künstlerinnen aus Hannover und der Welt. Clubs, Gespräche, Partys, Lesungen, Kooperationen mit der Stadtgesellschaft finden hier Platz. Als zentrales Format lädt die künstlerische Workshop-Reihe „Universen“ Hannovers Bürger und Bürgerinnen zu einer Weiterentwicklung ihrer persönlichen Ausdrucksformen, Künsten und Sprachen ein.
„Die rote Zora fürchtet sich vor nichts und niemandem!“
Mutig, schlau und mit einem unerschütterlichen Gerechtigkeitssinn ausgestattet: Das ist die rote Zora! Mit Nicola, Pax und Dex bildet sie eine Bande, die in der ganzen Stadt bekannt ist und von Erwachsenen gefürchtet wird. Die Kinder trotzen allen Widrigkeiten: Sie leben ohne Eltern, ohne festes Zuhause – aber mit uneingeschränktem Zusammenhalt, tiefem Freundschaftssinn und dem festen Glauben daran, dass niemand ihnen helfen wird, wenn sie es nicht selbst tun.
Eines Tages trifft die Bande auf Bran. Er ist nach dem Tod seiner Mutter unschuldig in Schwierigkeiten geraten. Zora und ihre Bande nehmen Bran bei sich auf. Gemeinsam stellen sie sich Ungerechtigkeiten entgegen und beweisen, dass Zusammenhalt stärker ist als jede Macht von außen. Auf der Suche nach einem Zuhause treffen sie auf die unterschiedlichsten Menschen: die Reichen und Mächtigen, die sie vertreiben wollen, aber auch die, die versuchen, ihnen zu helfen.
Das Schauspiel Hannover erzählt die Geschichte der roten Zora als mitreißendes Familienstück voller Eigensinn, Fantasie und Herz. Mit Musik, Bewegung und Abenteuerlust begleiten wir die Bande, die sich in ihrer eigenen Welt behaupten muss. Eine Aufführung über Mut, Freundschaft, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung, die alle mit auf die Reise nimmt.
Über Liesbeth Coltof:
Liesbeth Coltof hat 30 Jahre Theatererfahrung, sie hat tolle Stücke gemacht. Aber hier eine kleine Warnung. Ihr solltet nicht in „Die rote Zora“ kommen, wenn ihr:
• nicht gerne mit euren Eltern und Großeltern ins Theater geht. Es könnte ihnen sehr gut gefallen, und dann wollen sie stundenlang darüber reden.
• es nicht leiden könnt, wenn Geschichten neu erzählt werden. Das kann Liesbeth nämlich besonders gut.
• absolut keine Lust auf spannende, liebenswerte Figuren habt. Sie könnten euch mitreißen in ihre Welt und so bald nicht wieder loslassen.
• keine Musik mögt, nicht gerne zum Beat mitwippt. Ihre Inszenierungen sind voller Musik. Ohrwürmer garantiert!
für Menschen ab 7 Jahren
Termine
Sa 7.11.2026, 16:00 | Voraufführung
So 8.11.2026, 15:00 | Premiere
Mo 9.11.2026, 10:30 | für Schulenund weitere Termine
Di 10.11.2026, 10:30 | für Schulen
Mi 11.11.2026, 10:30 | für Schulen
Fr 13.11.2026, 10:30 | für Schulen
Mo 16.11.2026, 10:30 | für Schulen
Di 17.11.2026, 10:30 | für Schulen
Mi 18.11.2026, 10:30 | für Schulen
Do 19.11.2026, 10:30 | für Schulen
So 22.11.2026, 16:00
Fr 27.11.2026, 10:30 | für Schulen
So 29.11.2026, 14:00
So 29.11.2026, 17:00
So 6.12.2026, 14:00
So 6.12.2026, 17:00
So 13.12.2026, 16:00
Mo 14.12.2026, 10:30 | für Schulen
Mo 14.12.2026, 12:30 | für Schulen
Di 15.12.2026, 10:30 | für Schulen
Mi 16.12.2026, 10:30 | für Schulen
Do 17.12.2026, 10:30 | für Schulen
So 20.12.2026, 14:00
So 20.12.2026, 17:00
Mo 21.12.2026, 10:30 | für Schulen
Di 22.12.2026, 10:30 | für Schulen
Fr 25.12.2026, 16:00
Sa 26.12.2026, 17:00
Eine Behind-the-Scenes-Satire über die Verfilmung eines Weltbestsellers von Nora Abdel-Maksoud
Premiere 20.11.2026
„Jetzt gibt’s hier ein Wendepunkt-Inferno, Kollegen.“
Ob Autokraten von Trump über Putin bis Erdoğan oder rechte Parteien von AfD über SVP bis FN: Sie alle setzen auf den Kulturkampf statt auf konkrete politische Lösungen. In Nora Abdel-Maksouds neuestem Theaterstück nimmt sich die fiktive Filmregisseurin Gordon ein Beispiel an der realen rechten Politik und überträgt das Konzept des vermeintlichen Tugendterrors sogenannter woker Minderheiten auf einen Klassiker: auf George Orwells dystopischen Weltbestseller „1984“.
In der Geschichte über eine totalitäre Gesellschaft kämpft ein Held gegen Denk- und Sprechverbote – nur, dass Gordon den Totalitarismus Orwells als „Wokeismus“ übersetzt. Denn was politisch verfängt, muss die Leute doch auch in Scharen ins Kino locken! Aber es geht so einiges schief, und der Filmdreh scheitert. Um wenigstens einen Teil der Ausgaben einzuspielen, entscheidet sich Gordon, ein Making-of davon zu produzieren – mit Live-Publikum im Studio.
Nora Abdel-Maksoud war selbst lange Schauspielerin und schreibt ihre Stücke immer mit klarem Blick auf die Umsetzung auf der Bühne. Voller überraschender Wendungen und mit spitzen Dialogen rast sie durch die Diskurse unserer Gegenwart. Sie wurde bereits mehrfach zum Festival „Radikal jung“ eingeladen und für den Mülheimer Dramatikpreis nominiert.
Inszenierung: Aysima Ergün
Bühne: Marco Michelle
Kostüm: Lia Hossain
Musik: Shiwa Ghanbari
Licht: Uwe Wegner
Dramaturgie: Mira Gebhardt
Termine
Fr 20.11.2026, 19:30 | Premiere
Mi 25.11.2026, 19:30
Sa 12.12.2026, 19:30und weitere Termine
Wann haben Sie das letzte Mal gelacht? So richtig mit dem ganzen Körper, bis der Bauch schmerzt, bis Tränen die Wangen herunterlaufen? Vermutlich ist es viel zu lange her, die Zeiten geben ja auch nicht besonders viel Anlass dazu. Dabei ist das Lachen, laut Umberto Eco, die „Kunst der Vernichtung von Angst“. Und was wäre aktuell wichtiger, als Mittel und Wege durchzuspielen, um der Angst zu begegnen? Die Regisseurin Katharina Birch widmet sich in ihrem neuen Projekt für das Schauspiel Hannover den verschlungenen Pfaden des Lachens, des Humors, der Komik und damit untrennbar verbunden auch der Tragik. Gemeinsam mit dem Ensemble und der Band wird gelacht, wenn’s nicht zum Weinen reicht.
Über Katharina Birch:
Geboren in Berlin, zog es Katharina Birch früh ins Theater – erst zum Studium, dann direkt hinter die Bühne. Nach Jahren als Regieassistentin u. a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg folgten eigene Inszenierungen, Einladungen zu Festivals und ein längerer Abstecher nach London, wo sie für Theater- und Opernkompanien arbeitete. Heute inszeniert sie frei an verschiedenen Bühnen, initiiert Kulturprojekte und engagiert sich politisch. 25/26 brachte Katharina Birch „Wanja“ und den Knef-Abend „Ich will alles – oder nichts!“ in Hannover auf die Bühne.
Konzept und Inszenierung: Katharina Birch
Komposition und musikalische Leitung: Elia Rediger
Bühne und Kostüm: Anke Grot
Licht: Hendrik Möschler, Tobias Reichstein
Dramaturgie: Fabian Schmidtlein
Termine
Sa 12.12.2026, 19:30 | Premiere
Do 17.12.2026, 19:30
Do 31.12.2026, 17:00und weitere Termine
Do 31.12.2026, 21:00
Di 19.1.2027, 19:30
Do 18.2.2027, 19:30
So 7.3.2027, 17:00
Fr 16.4.2027, 19:30
Do 29.4.2027, 19:30
Kein anderes Kulturgut ragt so tief und verstörend in die DNA der deutschen Seele wie Wagners „Ring“. Sagenumwoben und angstbesetzt – vergöttert von den einen, verteufelt von den anderen. Die Nibelungensage lastet schwer auf der deutschen Leitkultur, bezeugt sie doch die beunruhigende Verbindung, die Kunst und Ideologie eingehen können.
Der Dramatiker Necati Öziri zerschreddert diesen urdeutschen Mythos in seine Einzelteile und setzt ihn neu zusammen. Denn wovon erzählt dieses Jahrhundertwerk eigentlich? Damals wie heute? Welche Geschichten unterschlägt es? Wer steht im Zentrum des wagnerschen Heldenepos, und wer ist nur Statist*in in der Drachenhöhle oder am Grund des Rheins? Und wer sind die Riesen und Zwerge und Walküren im Hier und Jetzt?
Öziri gleist Wagners Werk neu auf, indem er dessen Koordinaten rekalibriert: weg mit dem Antisemitismus, weg mit der Misogynie, weg mit der Deutschtümelei! Seine Gegenerzählung sucht nach einem neuen Wir, einem Anti-Wagner-Wir, das die bisherigen Modelle der Reproduktion, der Verwandtschaft, der Heroik, der Arbeit und des Zusammenlebens radikal auf den Prüfstand stellt. Neue Gesamtkunstwerke jetzt!
Der Regisseur Murat Dikenci bringt „Der Ring des Nibelungen“ mit einem Ensemble aus Profi-Schauspieler*innen und Menschen aus der Hannoveraner Stadtgesellschaft auf die Bühne.
Inszenierung: Murat Dikenci
Bühne und Kostüm: Marilena Büld
Musik: Nazanin Noori
Licht: Erik Sonnenfeld
Dramaturgie: Tobias Kluge
Termine
Fr 18.12.2026, 19:30 | Premiere
Mo 28.12.2026, 19:30
Ein Dorf nach einem Feuer: Fünf Menschen suchen nach Überresten, Erinnerungen, nach Halt, Wahrheit und einer Sprache für das, was gerade mit ihnen geschieht — und fragen sich, was von uns bleibt, wenn plötzlich alles anders ist. Doch je tiefer sie graben, desto größer werden die Fragen: Was ist hier eigentlich passiert? Wer erzählt uns die Welt? Und was trägt noch, wenn Gewissheiten ins Rutschen geraten? Yael Ronens neues Stück nimmt einen alles verändernden Moment zum Ausgangspunkt und macht daraus einen klugen und abgründig komischen Theaterabend über Verlust, Verschwörung, Wut, Liebe und die Möglichkeit, neu anzufangen.
„Burn, Baby, Burn!“ schlägt einen lustvollen Bogen von einem fiktiven Comic über Feuergöttinnen bis in die Antike, ins alte Rom und zu Kaiser Nero, dem vielleicht berühmtesten Brandstifter der Geschichte. Die antiken Bilder werden zum funkelnden Spiegel der Gegenwart: für Krisen, Machtinszenierungen und die uralte Faszination des Menschen für Feuer, Untergang und Erneuerung. Mit scharfem Witz, großer Spielfreude und live performten Songs — inspiriert von PJ Harvey bis The Tiger Lillies — entsteht ein vielstimmiger Theaterabend zwischen Mythos und Gegenwart, zwischen bitterer Komik und zarter Melancholie. Ein Abend über das, was brennt — und darüber, was daraus entstehen kann.
Über Yael Ronen
Yael Ronen, in Jerusalem geboren, ist eine der erfolgreichsten und prägendsten Regisseurinnen und Theaterautorinnen ihrer Generation. Wie kaum jemand sonst versteht sie es, mit den Mitteln der Komödie die Krisen unserer Gegenwart zu beschreiben und mit humorvoller Direktheit Komplexitäten begreifbar zu machen. Der internationale Durchbruch gelang Yael Ronen 2009 mit der Produktion „Dritte Generation“, in der deutsche, israelische und palästinensische Schauspieler*innen den historischen Verwebungen ihrer Biografien auf den Grund gingen. Sie wurde mit ihren Arbeiten bisher vier Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Des Weiteren ist sie zweifache Nestroy-Preisträgerin und wurde mit dem Europe Prize for Theatrical Realities ausgezeichnet, sowie mit dem BZ Kulturpreis und kürzlich mit dem Peter-Weiss-Preis. In der Spielzeit 25/26 inszeniert Yael Ronen zum ersten Mal am Schauspiel Hannover.
Inszenierung: Yael Ronen
Bühne: Evi Bauer
Kostüm: Amit Epstein
Musik: Ofer Shabi, Yaniv Fridel
Video: Stefano Di Buduo
Licht: Oliver Hisecke
Dramaturgie: Yunus Ersoy, Irina Szodruch
Dauer: 1 Std., 30 Min., keine Pause
Termine
Sa 21.11.2026, 19:30
Fr 11.12.2026, 19:30
Mi 30.12.2026, 19:30
Ein Theaterstück von Zombies, die einen Film drehen wollen | von Toshiki Okada
Uraufführung von Toshiki Okada
Deutsch von Andreas Regelsberger
In apokalyptischen Zeiten florieren Monster. Sie werden zum Sinnbild der Krise und tanzen uns den Sound des Untergangs. Zombies zum Beispiel — zum Leben erweckte Untote, die zu Hauf Städte und Dörfer überfallen oder verschreckte Unschuldige in Autos einkesseln. Von Viren oder Bakterien mutierte, menschenähnliche, aber doch seelenlose Wesen, die mit abschreckendem Horror das Menschliche als bedrohte Norm konstruieren. Serien wie „The Last of Us“ oder „The Walking Dead“ geben eindrücklich Zeugnis von unserer anhaltenden Faszination für das untote Leben.
Der japanische Autor und Regisseur Toshiki Okada dreht den Spieß in seinem neuen Stück nun um: Was, wenn nicht die Zombies das Problem sind, sondern wir — die Menschen? Denn wer entscheidet, was normal und existenzberechtigt ist? Und haben Zombies wirklich keine Seele? Fünf Zombies rütteln am Korsett ihrer Zuschreibungen und arbeiten an einem Gegen-Narrativ mit dem Ziel, das menschengemachte Außenbild zu korrigieren. Und wie ginge das besser als mit einem eigenen Zombiefilm? Einem Film „mit Zombies, von Zombies, für Zombies“! Am Set dieses Drehs, der nicht so recht in Gang kommen will, entspinnt sich ein doppelbödiger, absurder und kluger Dialog über Repräsentation und (Un-)Menschlichkeit, der das Potential zur Zombie-Komödie hat.
Toshiki Okada wird „Sliding Away“ in Hannover und Tokio zur Aufführung bringen.
Regie:
1973 in Yokohama geboren, erschafft er mit seiner Kompanie Chelfitsch seit 1997 Inszenierungen, die sich durch eine eigenwillige und zarte Formsprache auszeichnen und die Position des Menschen in einer Welt der radikalen Umbrüche untersuchen. Toshiki erschafft in seinen Arbeiten oft Szenarien und Bildsprachen einer durchkapitalisierten Welt, mit denen er die menschliche Existenz und ihre Widersprüche im Spätkapitalismus erforscht. Seine Arbeiten stoßen weit über Japan hinaus auf große Resonanz und sind auf internationalen Theaterfestivals zu erleben. Seine Inszenierungen „The Vacuum Cleaner“ für die Münchner Kammerspiele und „Doughnuts“ für das Thalia Theater Hamburg wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
„Welche schmutzigen Tricks bin ich bereit, im politischen Kampf für die eigenen Interessen einzusetzen?“
Drei deiner Best Friends sagen, dass „Propadanga“ das beste Theaterstück ist, das sie je gesehen haben. Sie waren letzte Woche drin und wollen es unbedingt noch einmal sehen. Die Pullis und der ganze Merch sind auch der Hammer. Eigentlich hatten sie gar keine Lust, die Show zu sehen. Weil irgendwelche Forschungen ergeben haben, dass „Propadanga“ einen nachweisbaren positiven Effekt hat auf blablabla und so weiter ... Die Forschung kann bitte mal das Maul halten, wir können schon selber denken. Die Politik wollte die Show verbieten. Die drei auf der Bühne lassen sich aber nicht einschüchtern, die machen einfach weiter. Diese Show ist eine Waffe. Danach kann dir die Welt da draußen nichts mehr anhaben. Sagen die Friends. Was sagst du?
„Propadanga“ ist ein absurdes Spiel von drei Performer*innen mit dem Publikum. Weit, weit weg von der globalen politischen Realität und allen Social-Media-Kanälen, untersucht es die einfachste Form der menschlichen Kommunikation – die Sprache und den Körper im Raum – und stellt dabei die ganz großen Fragen: Warum ist eine Lüge manchmal schöner als die Wahrheit? Können Megafone tanzen? Und welche schmutzigen Tricks bin ich bereit, im politischen Kampf für die richtige Sache einzusetzen?
Über Nils Zapfe:
Nils Zapfe macht alles: Theater für Erwachsene und junges Publikum, Romanadaptionen und Stückentwicklungen, Musik- und Figurentheater, Monologe und Ensemblestücke. Am besten sind seine Inszenierungen, wenn er sich nicht entscheiden muss, welches Genre er bedient. Studiert hat er Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste, es ist aber schon ein paar Jahre her, dass er selbst auf der Bühne stand. Am Theater Junge Generation in Dresden war Nils Oberspielleiter und Hausregisseur. In Hannover war er Teil der Kulturfiliale – eines freien Kollektivs, das den Stadtraum als Kunstraum mit Installationen und theatralen Walks erforscht und bespielt hat.
Inszenierung: Nils Zapfe
Bühne und Kostüm: Ramona Rauchbach
Musik: Christoph M. Hamann
Choreografie: Reut Shemesh
Licht: Mario Waldowski
Dramaturgie: Cathrin Rose
für Menschen ab 13 Jahren
Dauer: 1 Std. 30 Min., keine Pause
Termine
Do 5.11.2026, 18:30
Fr 6.11.2026, 10:00 | für Schulen
Do 26.11.2026, 18:30und weitere Termine
Mi 9.12.2026, 18:30
Mo 14.12.2026, 18:30
Di 15.12.2026, 10:00 | für Schulen
„Seltsamer und wunderlicher kann nichts erfunden werden, als was sich mit mir zugetragen.“
Der Sandmann ist ein schreckliches Wesen, das Kindern, die nicht schlafen wollen, die Augen klaut. Diese Geschichte hört Nathanael als Kind, und er weiß: Der Sandmann kommt in Gestalt des Advokaten Coppelius jede Nacht ins Haus der Familie. Im Zimmer des Vaters gehen geheimnisvolle Dinge vor sich. Und eines Tages ist der Vater tot. Der Sandmann hat ihn geholt.
Jahre später steht ein Mann namens Coppola vor Nathanaels Tür. Er traut seinen Augen kaum. Aber es ist derselbe Mann. Egal, wie er sich nennt. Und egal, was die anderen sagen. Die Einzige, die ihn wirklich zu verstehen scheint, ist die rätselhafte Olimpia mit ihren irgendwie leblosen Augen.
E. T. A. Hoffmann beschreibt in seiner berühmten Erzählung, wie ein Mensch den festen Boden der Wirklichkeit unter seinen Füßen verliert. Nathanael entgleiten die Dinge. Was eben noch verlässliche Wahrheit war, löst sich auf. Nichts ist, wie es scheint. In seiner Inszenierung macht Tom Schneider diesen Zustand der Haltlosigkeit auf besondere Art für das Publikum erfahrbar: einen Zustand, der in Zeiten von alternativen Fakten und KI-generierten Bildern auch ein heutiges Lebensgefühl beschreibt.
Über Tom Schneider:
Tom Schneider war zunächst Theatermusiker, dann Regieassistent und wurde schließlich Regisseur. Seine Inszenierungen denkt er darum musikalisch. Da sind die Worte nicht wichtiger als die Stille dazwischen. Und wo ein Text etwas sinnhaft vermittelt, schafft er Bild- und Klangwelten, die das Publikum das gleiche erfahren und empfinden lassen. Tom Schneider inszenierte unter anderem an den Münchner Kammerspielen, am Theater Neumarkt in Zürich, am Schauspiel Leipzig und am Schauspielhaus Bochum. Gemeinsam mit u. a. Sandra Hüller ist Tom Schneider im FARN Kollektiv aktiv.
Inszenierung: Tom Schneider
Bühne und Video: Florian Schaumberger
Kostüm: Annika Lu
Musik: Daniel Nerlich
Licht: Erik Sonnenfeld
Dramaturgie: Fabian Schmidtlein
Dauer: 1 Std. 30 Min., keine Pause
Termine
Sa 7.11.2026, 19:30
So 15.11.2026, 19:00
Do 26.11.2026, 19:30und weitere Termine
Ein musikalischer Abend zu 100 Jahren Hildegard Knef
„Mir sollten sämtliche Wunder begegnen“
Ella Fitzgerald sagte über Hildegard Knef, sie sei „the greatest singer without a voice“, die größte Sängerin ohne Stimme. Es reichte zu einer Weltkarriere: als Schauspielerin, als Sängerin und als Schriftstellerin. Im Dezember 2025 wäre die Knef einhundert Jahre alt geworden. Eine Ikone bis heute.
Hildegard Knef war mindestens anderthalb Frauen. Der einzige weibliche Weltstar, den Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hervorvorbrachte. In Hollywood teilte sie mit Marilyn Monroe eine Garderobe, Marlene Dietrich stattete sie mit Mänteln und Kleidern aus. Sie trat zwei Jahre lang ausverkauft am Broadway auf und ruinierte fast ihre Stimmbänder. Ehe sie als Sängerin und eine der ersten Songschreiberinnen überhaupt eine dritte Karriere machte. Oder war es schon ihre vierte?
Hilde Knef war Stehauf-Frau. Diva mit Haltung. Künstliche Wimpern und Bodenständigkeit. Das Herz am rechten Fleck, nein, besser: am linken; denn sie positionierte sich couragiert gegen alles Spießige, gegen alte und neue Nazis. Sie trug ihr Herz auf der Zunge. Ehrlich. Verletzlich. Schonungslos und schwach und stark. Gefallener Engel, als sie aus den USA nach Deutschland zurückkam, Phoenix aus der Asche, als sie mit ihrem autofiktionalen Roman „Der geschenkte Gaul“ einen Weltbestseller landete und auf ihren Tourneen die Konzertsäle füllte.
Es ist Zeit, Hildegard Knef (wieder) zu entdecken. Sie und ihre unverwechselbaren Songs — von Hits wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ oder „Von nun an ging’s bergab“ bis zu selten gespielten Raritäten. Ein Kritiker meinte, Hildegard Knef habe als Sängerin und Texterin „die deutsche Popmusik im Alleingang erwachsen gemacht“. Sie sang nicht über heile Welt, sondern über One-Night-Stands und Liebe, die scheitert, Chansons, die Kurzgeschichten sind, raffiniert und verrucht. Eine Inspiration für Generationen von Menschen. Eine Künstlerin, die etwas zu sagen hat. Und wie!
Katrin Lindner hat offenbar ein Faible für die großen Film- und Musik-Ikonen. Als junge Regisseurin gestaltete sie mit der Schauspielerin Maja Beckmann am Schauspielhaus Bochum einen hinreißenden Abend über Romy Schneider: „Das Sisi-Syndrom“. Später inszenierte sie im Bochumer Kunstbunker ein Solo über Marlene Dietrich. Seitdem folgten Arbeiten u. a. an der Volksbühne Berlin, dem Schauspielhaus Bochum, dem Nationaltheater Mannheim und dem Staatstheater Nürnberg. Zuletzt inszenierte sie an den Münchner Kammerspielen „Fremd“ von Michel Friedman als ergreifendes Schauspielerinnen- Solo. — Lars Ehrhardt wiederum ist in Hannover kein Unbekannter: Der Gitarrist, Songwriter und Musikproduzent ist hier geboren, betreibt in der Stadt ein eigenes Tonstudio und war auch schon im Schauspiel Hannover zu erleben: im Familienstück „Hex. Dornröschen im Feenwald“. Als Musikalischer Leiter war er an zahlreichen Theaterproduktionen beteiligt, u. a. am Thalia Theater und am Schauspielhaus Bochum.
Inszenierung: Katrin Lindner
Musikalische Leitung: Lars Ehrhardt
Bühne: Evi Bauer
Kostüm: Lene Schwind
Video: Jana Schatz
Licht: Tobias Reichstein
Dramaturgie: Vasco Boenisch
Bewertungen & Berichte Ich will alles - oder nichts!
Schauspiel
PRIDE
von Falk Richter
„I wish we could just be there touching kissing listening to some soft music with only the sky and stars above us, forgetting about our history, our wars and everything that might tear us apart.“
Herzlich Willkommen. Komm rein! Feier mit uns, hör mit uns Musik, denk mit uns nach über Liebe, über Verzweiflung, über die Angst vor der Einsamkeit — und über Mut. Denn es bedeutet manchmal großen Mut, sein wahres Ich zu zeigen. Gemeinsam mit den neuen Ensemblemitgliedern des Schauspiel Hannover und einem internationalen Tanz-Ensemble erkundet der Autor und Regisseur Falk Richter Geschichten über Stolz und Scham, über das Leben als queere* Person und über die Ängste und Hoffnungen, die mit einem Outing einhergehen.
Die mediale Crossover-Inszenierung „PRIDE“ lädt das Hannoveraner Publikum auf eine eindrückliche Reise durch die widerständige, unsichtbar gemachte, bundesrepublikanische (und niedersächsische) Geschichte und Gegenwart ein. Dabei werden die Errungenschaften sowie die aktuelle Gefährdung des Kampfes für die Gleichheit und Freiheit aller Menschen durch ein diverses Ensemble aus unterschiedlichen Generationen und mit unterschiedlichen Perspektiven erzählt — sodass ein vielschichtiges, intimes Porträt von Deutschland im Herbst 2025 entsteht.
Falk Richter, selbst in Buchholz, Niedersachen aufgewachsen und ausgezogen, um einer der spannendsten Regisseure Europas zu werden, ist ein Meister, wenn es um die Verknüpfung des Privaten mit dem Politischen geht. Ihm gelingt es, aus persönlichen und fiktionalen Geschichten eine Chronik der Gegenwart zu erschaffen. Dabei ist er als Autor und Regisseur immer berührend, nahbar, politisch und humorvoll zugleich — zuletzt in seiner zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Inszenierung „The Silence“, in der er sich auf die Suche nach den Gründen für das Schweigen machte, das seine Kindheit und Jugend in der Nordheide geprägt hat.
Die Uraufführung fand 2021 am Königlichen Dänischen Theater in Kopenhagen statt.
*) Erklärung:
„Queer“ ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich nicht der heteronormativen Gesellschaft zugehörig fühlen.
Das können sein:
— Lesben und Schwule: Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen.
— Bisexuelle: Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen.
— Transgender: Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
— Intersexuelle: Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig weiblich oder männlich sind.
— Menschen, die sich als nicht-binär oder genderqueer bezeichnen: Menschen, die sich nicht als ausschließlich weiblich oder männlich identifizieren.
Kurz gesagt: „Queer“ ist ein Dachbegriff für Menschen, die von der heteronormativen Vorstellung von Geschlecht und Sexualität abweichen.
Außerdem beschreibt „queer“ auch eine Haltung, die gesellschaftliche Normen und Kategorien hinterfragt.
Inszenierung: Falk Richter
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüm: Andy Besuch
Musik: Nils Ostendorf
Video: Signe Emma
Licht: Oliver Hisecke
Choreografie: Sofia Södergård
Dramaturgie: Valerie Göhring
Deutschsprachige Erstaufführung von Falk Richter
In deutscher und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
von Lot Vekemans / Deutsch von Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach
„Sag mal, was bringt dir das eigentlich, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Genau zu wissen, wer auf der falschen Seite steht und warum? “
Die meistgespielte niederländische Theaterautorin Lot Vekemans hat mit „Blind“ das Stück zur Zeit geschrieben. Richard lebt in einer streng gesicherten Gated Community, in die er sich nach dem Tod seiner Frau zurückgezo¬gen hat. Ohne ersichtlichen Grund entlässt er seine Haushälterin und verlangt von seiner einzigen Tochter Helen, sich um ihn zu kümmern, da er droht zu erblinden.
Die Beziehung zwischen Vater und Tochter war lange distanziert — zu groß sind die Differenzen, die sie trennen. Richard, einst ein erfolgreicher Ingenieur für Wasserwirtschaft und noch immer von seinem eigenen Können überzeugt, verachtet Helens idealistische Haltung als Anwältin und lehnt die Wahl ihres Ehemanns, eines Schwarzen Intellektuellen, ab. Helen wiederum wirft ihm vor, sich vor den Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zu verschließen — von Geschlechter¬gerechtigkeit über Rassismus bis zum verantwortungs¬vollen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Während eines ihrer Besuche kommt es zu einem Zwischenfall: Die elektrischen Rollläden schließen sich plötzlich, als wäre ein Überfall im Gange. Vater und Tochter sind gezwungen, miteinander auszuharren — ob sie wollen oder nicht.
Lot Vekemans (deren Erfolgsstück „Judas“ bereits in der Cumberlandschen Galerie zu sehen war) beleuchtet in ihrem neusten Werk mit großer Sensibilität die scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze, die heute in vielen Familien und Freundeskreisen zu Konflikten führen. Richard und Helen kämpfen politisch und persönlich miteinander — um die richtige Weltsicht, um ihre Souveränität, aber auch um ihre gegenseitige Liebe als Tochter und Vater. Wir erleben eine Beziehung, die menschlicher und tiefer kaum sein kann — wie ihm wahren Leben.
Die junge Regisseurin Leonie Rebentisch hat zuletzt mit ihrer Bühnenadaption des Romans „Gittersee“ am Berliner Ensemble auf sich aufmerksam gemacht. Einfühlsam, ohne falsches Sentiment und mit präzisem Fokus auf die Schauspieler*innen inszenierte sie die Geschichte rund um Republikflucht, Coming of Age und eine Jugendliche, die von der Stasi der DDR angeworben wird. Die Presse lobte die „schöne, klare, nie plakative Spielweise“ und die „Spannung und Psychologie, ohne dem Publikum das Denken abzunehmen“. Die Inszenierung wurde 2025 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. Leonie Rebentisch interessiert sich vor allem für dichte und ambivalente Beziehungskonstellationen, von denen auch „Blind“ eindrucksvoll handelt.
Inszenierung: Leonie Rebentisch
Bühne und Kostüm: Sabine Mäder
Komposition: Fabian Kuss
Licht: Mario Waldowski
Dramaturgie: Yunus Ersoy
Deutsch von Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach
Fragt man einen KI-Bot, welches Werk den absoluten Höhepunkt der westlichen Theatergeschichte darstellt, lautet die Antwort: „Hamlet“. Nicht überraschend, denn das Drama über den inneren Konflikt eines jungen Prinzen, der vom Geist seines Vaters aufgefordert wird, Vergeltung an dessen Mörder zu üben, hat Generationen begeistert, verstört und fasziniert. William Shakespeare vereint darin die großen Themen der Menschheit: Liebe, Rache, Tod und Wahnsinn. Kann das Stück „Hamlet“ damit als unangefochtene Krönung menschlicher Schaffenskraft gelten? Oder hat dieses Vermächtnis inzwischen eine neue Instanz: die Künstliche Intelligenz, die zunehmend auch in den Bereich der Kreativität vordringt? Wie „Hamlet“ einst an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance stand, so befinden wir uns heute am Übergang in ein digitales Zeitalter. Die Furcht vor der Übernahme durch Maschinen ist groß — angefacht von Milliardenunternehmen, deren „Anführer“ längst als Schlüsselfiguren dieser Entwicklung gelten. Doch sind nicht auch diese Herrschenden Produkte der menschlichen Spezies, die trotz moralischer Werte seit jeher die Welt, Tiere und einander ausbeutet? Könnte eine KI, eine unbestechliche, korrigierende Instanz, vielleicht sogar die Rettung bringen?
In Zusammenarbeit mit dem Ensemble in Hannover nähert sich die niederländische Theaterkompanie De Warme Winkel diesen Fragen mit spielerischer Leichtigkeit und einem vollen Arsenal der Theaterkunst. Ausgehend von „Hamlet“, wagen die Künstler*innen über den Blick in die Zukunft einen Rückschluss auf das, was Menschsein — oder eben nicht sein — bedeutet. Eine Konfrontation, so zeitlos wie notwendig.
De Warme Winkel (deutsch: Der heiße Laden) ist eines der bekanntesten Theaterkollektive der Niederlande. Die Gruppe um Ward Weemhoff und Vincent Rietveld fordert seit ihrer Gründung 2002 mit provokanten, humorvollen und scharfsinnigen Arbeiten die Theaterszene auf niederländischen wie internationalen Bühnen heraus. Immer wieder stellt De Warme Winkel sich radikal infrage und schöpft aus unterschiedlichsten Traditionen, Stilen und Mitteln der Bühnenkunst. So plagiierten die Künstler* innen Pina Bauschs „Café Müller“, rechneten in „Achterkant“ mit dem Repertoiretheater ab und befragten in „Gundhi“ die Ikone des Pazifismus Mahatma Gandhi. 2023 wurde ihre erste deutschsprachige Produktion „Der Bus nach Dachau“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Hinweis: In einer früheren Version trug die Inszenierung den Titel „Der Geist in der Hamletmaschine“. Auf Wunsch der Rechteverwalter des verstorbenen Schriftstellers Heiner Müller, Autor des Theaterstücks „Die Hamletmaschine“, wurde eine Titeländerung vorgenommen.
Konzept: Marieke De Zwaan, Ward Weemhoff, Rosie Sommers
Bühne: Theun Mosk
Kostüm: Ginta Tinte Vasermane
Sound: Marijn Brussaard
Endregie: Bianca van der Schoot
Choreografie: Byeongsu Lim
Licht: Hendrik Möschler
Dramaturgie: Mira Gebhardt
Koproduktion mit De Warme Winkel
In deutscher und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Dauer: ca. 1 Std., 15 Min., keine Pause
Termine
Do 12.11.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
Do 10.12.2026, 19:30
nach dem Film von Ruben Östlund für die Bühne bearbeitet von Tim Price
Deutsch von Linda Kokkores
„Weil du, wie die meisten Frauen, glaubst, was du glaubst. Und du arbeitest an deinen unglücklichen Beziehungen. Hin und wieder wirst du belohnt mit ein paar Wochen des Friedens und des Glücks, in denen sich der Groll für eine Weile legt. Ich lehne diesen Handel ab. Vielleicht solltest du das auch tun.“
Alles beginnt mit ein paar Familienfotos, am Anfang des Skiurlaubs: Eltern und Kinder lachen, eingemummelt in ihre Schneeanzüge. Der Urlaubsentspannung wird ein jähes Ende bereitet, als eine Lawine heranrollt, während die Eltern und Kinder noch auf der Hotel-Terrasse frühstücken. Die Katastrophe bleibt aus, doch während die Mutter sich schützend vor die Kinder stellt, sucht der Vater instinktiv das Weite. Die Feigheit seiner Handlung lastet auf der Beziehung der Eltern und droht, nicht nur den Urlaub kaputtzumachen, sondern bedeutet eine harte Probe für die ganze Ehe.
Mit bösem Humor unterzieht der Regisseur Ruben Östlund, bekannt durch Filme wie „Triangle of Sadness“ und „The Square“, hier das klassische Bild einer modernen Familie einer Prüfung. Eine intelligente Auseinandersetzung mit konventionellen Rollenbildern, über die man auch nach dem Theaterbesuch noch ausgiebig diskutieren kann. Die junge Regisseurin Fritzi Wartenberg wird sich der Theateradaption des Filmes durch den renommierten walisischen Autor Tim Price annehmen.
1997 in Köln geboren, eroberte Fritzi Wartenberg die Bühnen Deutschlands und Österreichs zuletzt im Sturm. Mit ihren ästhetisch herausfordernden und spielerisch präzise gezeichneten Inszenierungen hinterfragt sie geschlechterspezifische Vorprägungen und deren gemeinsame Überwindung.
Deutschsprachige Erstaufführung
Deutsch von Linda Kokkores
Inszenierung: Fritzi Wartenberg
Bühne: Polly Stephan
Kostüm: Jelena Miletić
Musik: Fabian Kalker
Licht: Tobias Reichstein
Dramaturgie: Fabian Schmidtlein
Sechs Menschen erzählen aus ihrem Liebesleben. Sie sind alle über 65 Jahre alt und haben viel erlebt. Sie erzählen von der ersten Verliebtheit und vom ersten Liebeskummer, von (un)geplanten Schwangerschaften, von verbotener Liebe und aufregenden Affären bis hin zum Tod von Geliebten. Dabei entsteht auch das Porträt einer Generation, die große Veränderungen mitgemacht hat, wie beispielsweise die sexuelle Revolution der sechziger und siebziger Jahre und die Aids-Krise. Sie sind aufgewachsen, als Homosexualität noch ein Verbrechen war. Und nun leben und lieben sie in einer Zeit des Online-Datings. Es ist eine Generation, die viel von Tabus erzählen kann, aber auch von Freiheit. Das außergewöhnliche Stück, in dem immer sechs Senior*innen aus dem jeweiligen Aufführungsort auf der Bühne stehen, war bereits in vielen Theatern dieser Welt zu sehen — und meist ausverkauft! So zum Beispiel in Austin, Glasgow, Helsinki, Ljubljana, Portland, Prag, Singapur, Sydney, Taipei und Wien. Im Herbst startet die aufregende Reise durch die vergangenen Jahrzehnte in Hannover.
„All the Sex I’ve Ever Had“ ist ein Abend voll Freude und Tragik, der zeigt, was Senior*innen weitergeben können, und dass man gerade im Alter offen, großzügig und furchtlos durch diese Welt gehen kann.
Jeder Mensch ist interessant! Diese Überzeugung steht hinter den Arbeiten des kanadischen Kollektivs Mammalian Diving Reflex. Benannt haben die Künstler*innen sich nach einem Überlebensreflex. Ein Bild dafür, dass man schwierige Momente überstehen kann, wenn man sich von Intuition leiten lässt. Sie entwickeln ortsspezifische Performances, in denen sich Menschen auf neue und ungewöhnliche Weise begegnen. So entstehen Arbeiten, die Barrieren zwischen unterschiedlichen Altersgruppen, Kulturen und sozialen Schichten abbauen und das Teilen von gemeinsamem, ständig wachsendem Wissen über uns als Menschen ermöglichen. Ihre Arbeiten sind seit 1993 auf der ganzen Welt zu sehen.
Inszenierung: Darren O'Donnell
Vor-Ort Produktion / Text: Isabel Ahat
Vorproduktion: Ryan Lewis
Text-Mitarbeit Emma McManus
Bühne / Technik-Design Christian Horoszcak
Sounddesign Pascal Ritter Licht Maren Zeiss
Dramaturgie Cathrin Rose, Salima El Kurdi
Dauer: ca. 1 Std., 30 Min., keine Pause
Termine
Fr 13.11.2026, 19:30
Sa 14.11.2026, 19:30
Di 24.11.2026, 19:30und weitere Termine
Wer ist tot am Ende des berühmtesten Theaterstücks aller Zeiten? Nicht die Alten – die Jungen. Romeo und Julia. Schon wieder? Zwei sehr junge Menschen, die sich unsterblich verlieben und am Ende, ausgelöst durch eines der folgenschwersten Missverständnisse der Theatergeschichte, beide sterben. Eine bekannte Tragödie, fast ein Mythos. Doch gerät Entscheidendes leicht aus dem Blick: Julia wird vierzehn Jahre alt. Vierzehn, als sie verheiratet werden soll, vierzehn, als sie sich gegen den Willen ihrer Eltern stellt, vierzehn, als sie sich für Romeo entscheidet. Auch Romeo ist nur wenig älter. Wo sind ihre Eltern? Sie sind beschäftigt. Gefangen in ihren Konflikten, Regeln, einer alten Feindschaft, deren Ursprung kaum noch jemand benennen kann.
Genau hier setzt Lena Braschs Inszenierung an. Sie verschiebt den Blick von der romantischen Liebestragödie auf das System, das diese Liebe von Anfang an unter Druck setzt. Wie kaputt ist eine Welt, in der Erwachsene den Tod ihrer Kinder herbeiführen, weil sie nicht wahrnehmen, was ihre Kämpfe, Erwartungen, Herrschaftsansprüche anrichten? Was hinterlässt diese Generation der nächsten außer Zwietracht und fortgesetzter Gewalt?
Über Lena Brasch:
Die Regisseurin Lena Brasch fordert mit ihren Inszenierungen die Grenzen des traditionellen Theaterkanons heraus. Bekannt wurde sie durch Stücke über popkulturelle Phänomene wie den am Berliner Ensemble entstandenen Abend „It’s Britney, Bitch!“. Die Inszenierung wurde international besprochen und 2022 zum Festival „Radikal jung“ eingeaden. 2019 wurde Lena Brasch von der ZEIT als eine der „100 wichtigsten jungen Ostdeutschen“ ausgezeichnet und zu jenen „ostdeutschen Künstler*innen, die die Republik verändern könnten“, gezählt. In der Spielzeit 25/26 inszenierte sie erstmals am Schauspiel Hannover: „Ein wenig Licht. Und diese Ruhe.“ sowie „Gewässer im Ziplock“.
Inszenierung: Lena Brasch
Bühne: studio dietrich&winter
Kostüm: Maja Lipinski
Musik: Wenzel Krah, Paul Eisenach
Video: Elias Asisi Licht Maren Zeiss, Oliver Hisecke
Dramaturgie: Mira Gebhardt, Valerie Göhring
Dauer: 2 Std. 50 Min., mit Pause
Termine
Sa 14.11.2026, 19:30
Mi 25.11.2026, 19:30
Di 1.12.2026, 19:30und weitere Termine
Di 8.12.2026, 19:30
Di 29.12.2026, 19:30
Fr 15.1.2027, 19:30
Stellen Sie sich einen Ort vor, an dem Sie noch einmal neu anfangen können. An dem all Ihre Wünsche, auch die geheimsten, in Erfüllung gehen. Ein Ort, an dem Sie die schönste, klügste und begehrenswerteste Version Ihrer selbst sind. Einfach so. Thomas Melle erschafft diesen Ort in seinem jüngsten Roman „Haus zur Sonne“, nur hat der Aufenthalt an diesem magischen Ort einen Preis – das eigene Leben. Verzweifelte, Einsame und psychisch Kranke versammeln sich hier, um der eigenen Existenz selbstbestimmt den Schlusspunkt zu setzen. KI-induzierte Simulationen erfüllen letzte Wünsche wie Ruhe, Intimität, Exzess, Schönheit oder Kontrolle. Melles Protagonist, schwer gezeichnet von einer bipolaren Störung, begibt sich ins „Haus zur Sonne“, wissend, dass sein Leben keinen Sinn mehr hat.
Doch so sicher scheinen die Dinge bald schon nicht mehr: Denn was ist der Wert des Todes – im Angesicht des Lebens? Was eigentlich ist Selbstbestimmung? Gerade bei einem psychisch Kranken? Und entsorgt das „Haus zur Sonne“ nicht eigentlich nur die gesellschaftlich Randständigen und Unerwünschten? Melles neuer Roman, der auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025 stand, entwirft ein kafkaeskes und scharfsinniges Gedankenexperiment über den Sinn des Lebens und die Suche nach dem Glück.
Über Adrian Figueroa:
Adrian Figueroa studierte in London Angewandtes Theater und arbeitet als Regisseur für Film und Theater. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch eine hohe atmosphärische Dichte und Genauigkeit aus. „Draußen vor der Tür“, am Düsseldorfer Schauspielhaus entstanden, wurde 2025 zum Festival „Radikal jung“ nach München eingeladen. In der Spielzeit 25/26 inszenierte er am Schauspiel Hannover Jenny Erpenbecks Jahrhundertroman „Heimsuchung“ als formstarkes Kammerspiel der deutschen Geschichte und kehrt nun mit „Haus zur Sonne“ zurück.
Inszenierung: Adrian Figueroa
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüm: Malena Modéer
Musik: Ketan Bhatti
Video: Guillaume Cailleau
Mitarbeit Video: Elena Tilli
Licht: Hendrik Möschler, Tobias Reichstein
Dramaturgie: Tobias Kluge
Haben Sie Suizidgedanken? Hier können Sie in akuten Lebenskrisen Hilfe bekommen:
in einer Fassung von Ran Chai Bar-zvi und Michael Letmathe
„Wenn ich an dich denke, denke ich an all die Dinge, die wir uns nie sagen konnten und nie sagen können.“
Bisher erzählte immer Großmutter die Familiengeschichten. Aber sind sie wirklich so passiert? Oder hat die meist mies gelaunte alte Dame die Vergangenheit so gefärbt, wie sie es wollte? Jetzt, wo ihre Erinnerungen allmählich verblassen, ist es für die Hauptfigur in „Blutbuch“ an der Zeit, selbst in die Geschehnisse einzutauchen. Eine turbulente Odyssee durch ihre eigene Biografie beginnt. Dabei stößt sie auf Ereignisse, die aufwühlen, an die sie nicht erinnert werden möchte. Doch immer wenn ein warmer Sommerwind durch die Blutbuche im Garten weht, schöpft sie wieder Kraft und schreibt die Familiengeschichte neu. Ihre Version der Geschichte. Früher fühlte sich ihr eigener Körper fremd an, wie abkoppelt von dem Selbst. Heute identifiziert sie sich als nicht binär. Ihr neugewonnenes Bewusstsein bietet ihrem Körper zum ersten Mal ein Zuhause.
Kim de l’Horizons unter anderem mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis prämierter Debütroman gleicht formal und inhaltlich einem Kaleidoskop, so schimmernd und kontrastreich, wie Persönlichkeiten es sind, die das Schubladendenken als obsolet entlarven.
„Blutbuch“ ist die dritte Arbeit des Regisseurs und Bühnenbildners Ran Chai Bar-zvi am Schauspiel Hannover. Wie Kim de l’Horizons Versuch, alte Zuschreibungen zu durchbrechen und neue Möglichkeitsräume zu öffnen, wird die Inszenierung von Ran Chai Bar-zvi durch die Genres springen und nach neuen Erzählformen forschen.
Kurt-Hübner-Regiepreis für Regisseur Ran Chai Bar-zvi
Regie: Ran Chai Bar-zvi
Bühne: Ran Chai Bar-zvi
Bühne Mitarbeit: Margarete Albinger
Kostüme: Rahel Künzi
Video: Pata Popov
Dramaturgie: Michael Letmathe
Endlich mal ein Theaterabend, an dem niemand irgendwas verstehen muss! Acht Schauspieler*innen und eine Musikerin drehen, rennen, stampfen, stolpern, springen, sprechen, galoppieren und pfeifen über die Bühne und haben dabei nichts im Sinn als Spaß und pure Freude. Mal ist es grell und überdreht, dann wieder zärtlich und fast melancholisch. In jedem Fall darf herzlich laut gelacht werden und wer will, der kann für sich auch einen Sinn entdecken: „Es ist ein bisschen wie Familienalltag“, sagte neulich jemand im Foyer. Und jemand anders: „Wenn ich das sehe, will ich gleich mitmachen!“
Die einzigartigen, lustvollen und urkomischen Theaterarbeiten von Herbert Fritsch leben oft von Wiederholung. Da wiederholen die Körper Abläufe, bis sie durchdrehen, wie die schwindelfreien Derwische. Da drehen sich Sätze im Kreis und klingen wie Musik. Da verschwindet der Sinn, taucht im nächsten Moment ganz neu wieder auf und lässt einen überrascht losprusten. Manchmal muss einem vielleicht erst schwindelig werden, für festen Boden unter den Füßen, und manchmal, da entdeckt man im Schwindel eine neue Wahrheit.
Über Herbert Fritsch
Herbert Fritsch war lange Schauspieler, bevor er die Seiten wechselte und als Regisseur seine unnachahmliche Art von Theater entwickelte. Seitdem hat er im ganzen deutschsprachigen Raum inszeniert: Eigene Kreationen, Opern, klassische Dramen und auch mal einen Text, der nur aus einem einzigen, sich wiederholenden Wort besteht. Parallel arbeitet Herbert Fritsch als Medienkünstler im Bereich Foto- und Videotechnik und zeigte Ausstellungen in Deutschland und der Schweiz. Mit seinen stilprägenden Theaterarbeiten war er bereits sieben Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen und wurde für seine Verdienste um das deutschsprachige Theater mit dem Theaterpreis Berlin ausgezeichnet.
Inszenierung, Bühne und Kostüm: Herbert Fritsch
Musik: Charlie Casanova
Licht: Hendrik Möschler
Dramaturgie: Fabian Schmidtlein
Termine
Di 17.11.2026, 19:30
Sa 28.11.2026, 19:30
Di 22.12.2026, 19:30und weitere Termine
Ein musikalischer Abend über das Sehen
von Selen Kara und Torsten Kindermann
„Hello darkness, my old friend“
Wir leben in einer Gesellschaft der Sehenden. Von „Auf Wiedersehen“ über den „blinden Alarm“ bis zur „Liebe auf den ersten Blick“ ist unsere Sprache voller Metaphern des Sehens. Erkenntnis und Vernunft werden mit Licht und Sehen verknüpft, Unmündigkeit und Unvernunft dagegen mit Bildern von Blindheit und Dunkelheit. Die Welt der Blindheit ist den meisten von uns unbekannt, unser Leben auf das Sehen aufgebaut. Doch was geschieht, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt wird: In welchem Raum befinden sich blinde oder sehbehinderte Menschen? Was bedeutet Zeit für sie? Was erzählen Töne, Geräusche? Kann man mit den Ohren sehen?
Diesen und anderen Fragen geht „Mit anderen Augen“ nach, eine berührende Theatercollage aus Songs, Texten, Bildern, Klängen und Sinneseindrücken, die auf poetische Weise eintaucht in die Welt der Blindheit. Während dieses musikalischen Abends lenken Texte von blinden und sehbehinderten Menschen und die Lyrics der live gesungenen Songs unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Wahrnehmung weg vom Visuellen hin zu anderen Sinnen wie dem des Hörens. Nicht als Ersatz, vielleicht als Gewinn. Die acht Spieler*innen und Musiker befinden sich in einem Raum, der sich zwischen Dunkelheit, Unschärfe, hellem Licht und dem Verzicht auf starke Farben bewegt. Die Inszenierung möchte die Aufführung auch für nicht sehendes Publikum erfahrbar machen, auch mit Hilfe von Audiodeskription*. Mehr als sehenswert!
Die Regisseurin Selen Kara inszeniert seit mehr als zehn Jahren an renommierten Theatern wie dem Theater Bremen, dem Nationaltheater Mannheim, dem Schauspielhaus Bochum oder dem Düsseldorfer Schauspielhaus. Einfühlsam und mit einem klaren ethischen Kompass nähert sie sich ihren Themen und Stoffen, die von zeitgenössischen Romanen bis zu klassischer und moderner Dramatik reichen. Mit dem Musiker Torsten Kindermann verbindet sie eine langjährige Partnerschaft, in der unter anderem die Theaterabende „Istanbul“ und „Mit anderen Augen“ entstanden, die das Publikum vielerorts berühren und begeistern. Mehrfach war Selen Kara zum Festival „Radikal jung“ eingeladen, und seit 2023 ist sie Co-Intendantin des Schauspiel Essen.
Die Uraufführung fand 2022 am Schauspielhaus Bochum statt.
*) Hinweis zur Audiodeskription: In etlichen Passagen der Inszenierung werden die Handlungen auf der Bühne, Personen und die Räumlichkeiten von den Schauspieler*innen verbal beschrieben, als integraler Bestandteil der Inszenierung. Eine Voranmeldung oder die Ausleihe von Equipment sind nicht nötig.
„Ein Haus die dritte Haut, nach der Haut aus Fleisch und der Kleidung“
In einem Haus in Brandenburg wütet die deutsche Geschichte: Jenny Erpenbeck beschwört 15 Menschen und Schicksale, die über einen Zeitraum von 100 Jahren dieses Haus bevölkern und sich in ihm ablagern, überschneiden, spiegeln, kreuzen und brechen. Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die DDR und die Nachwende-Zeit entblättert sich so ein Panorama deutscher Realitäten und der jedem System und jeder Epoche immanenten Gewalt. Die Bewohner*innen des Hauses sind Urheber*innen und Opfer dieser Gewalt, sind Geworfene der Zeit und bezeugen mit ihren Existenzen, dass politischer und gesellschaftlicher Wandel auf Verdrängung und Besetzung basiert. Alle Schicksale eint eine jeweils individuelle Suche nach Heimat und Glück, deren Erfüllung stets nur temporär gelingt — bevor das Rad der Geschichte sich weiterdreht und aus Angekommenen Vertriebene macht. Jenny Erpenbeck, Gewinnerin des International Man Booker Prize, verarbeitet in „Heimsuchung“ auch die eigene (ost-)deutsche Herkunft und untersucht das Verhältnis von Zeitgeschichte und Individuum.
Adrian Figueroa arbeitet als Regisseur für Film und Theater. Er studierte in London Angewandtes Theater und war zuletzt regelmäßig am Staatsschauspiel Dresden und dem Düsseldorfer Schauspielhaus tätig. Auch mit Jugendlichen und Inhaftierten der JVA Tegel arbeitet er. Adrian Figueroas Inszenierungen zeichnen sich durch eine hohe atmosphärische Dichte und Genauigkeit aus und stellen ihre Schauspieler*innen ins Zentrum. In seiner Inszenierung von „Arbeit und Struktur“ machte er in Düsseldorf das Leben, Schreiben und Sterben des Autors Wolfgang Herrndorf mit Hilfe eines kongenialen Konzepts von Video, Licht und Bühne eindrücklich erfahrbar. Seine Inszenierung von „Draußen vor der Tür“, ebenfalls für das Düsseldorfer Schauspielhaus, wurde jüngst zum Festival „Radikal jung“ eingeladen.
Inszenierung: Adrian Figueroa
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüm: Malena Modéer
Musik: Ketan Bhatti
Video: Guillaume Cailleau
Mitarbeit Video: Elena Tilli
Licht: Hendrik Möschler
Dramaturgie: Tobias Kluge
Warum gibt es im Deutschen 100 Wörter für „Gehweg“, aber keines für das Gefühl, wenn du satt und glücklich in einen Mittagsschlaf fällst? Warum klingen manche Worte wie Befehle und andere wie ein Unfall im Mund? Und wer bestimmt eigentlich, was „richtiges“ Deutsch ist? In „Deutsch, du Schuft!“ begeben wir uns auf eine wilde Reise durch die Welt der Worte — dorthin, wo Sprache fehlt, sich verheddert oder neue Bedeutungen annimmt. Denn Sprache bestimmt, was wir benennen können, und prägt, wie wir die Welt wahrnehmen. Was passiert, wenn wir an diese Grenzen gehen? Wenn wir Dinge neu benennen und Bedeutungen verschieben? Die Realität verändert sich mit den Worten — und genau deshalb ist entscheidend, welche wir wählen. Gemeinsam mit dem Draufsichtsrat* und Schulklassen beschäftigen wir uns mit den Tücken der deutschen Sprache, der Macht von Wörtern und der Frage, zu wem wir werden, wenn wir in einer anderen Sprache sprechen oder in ihr träumen.
Eine spielerische Performance über Worte und Sprache, aber auch über Identität, Macht und das große Vergnügen, Sprache einfach weiter zu erfinden. Für Wera Mahne bedeutet künstlerisches Arbeiten zuzuhören. Grundlegend für ihre Arbeit ist somit auch die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen als Feedback-Geber*innen und Gestalter*innen einer Kunstform, die für sie sein soll.
Wera Mahne arbeitete u.a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Schauspiel Hannover, dem FFT Düsseldorf, dem Theater an der Parkaue Berlin und dem Berliner Gorki Theater. 2020 entwickelte sie — unter anderem mit Kübra Sekin — die Produktion „Performing Family“ am Jungen Nationaltheater Mannheim. Ihr Stück „Weg vom Fenster“ entstand 2022 in Zusammenarbeit mit dem Ensemble und der Drama Control des Theaterreviers (Junges Schauspielhaus Bochum). Seit Jahren arbeitet sie zudem mit der Performancegruppe „Leute wie die“ aus Berlin und NRW, in deren Inszenierungen Laut- und Gebärdensprache gleichberechtigt eingesetzt werden. Wera liebt es, Dinge zum ersten Mal zu machen, und wir lieben es, sie dabei begleiten zu dürfen.
* Der Draufsichtsrat ist der Kinder- und Jugendaufsichtsrat des Jungen Schauspiel Hannover, der ab der Spielzeit 25/26 in Aktion tritt.
Inszenierung: Wera Mahne
Bühne: Declan Hurley
Kostüm: Isabelle Edi
Musik: Anne Rietmeijer
Licht: Markus Schwieger, Finn Ruben Schöls
Dramaturgie: Kat Heß
für Menschen ab 10 Jahren
Dauer: 1 Std., 25 Min., keine Pause
Termine
Mo 23.11.2026, 18:30
Di 24.11.2026, 10:00 | für Schulen
in einer Bühnenfassung für das Schauspiel Hannover
„There is no life without pain.“
Wieder ein Sommer bei den Großeltern in den USA, wie immer in den großen Ferien. Weit weg von den Freund*innen in Berlin und ihrem Vater, dem Kantor einer Synagoge. Weit weg von Nico, mit dem sie sich manchmal trifft. Ob er sie vermisst? Dafür das Schmatzen der Großmutter im Ohr, das eklige Essen, der Schreibkurs. Dann kommt auch noch die verrückte Idee auf, sie zu ihrer Mutter nach Israel zu schicken. Die hat sie und ihren Vater verlassen, als Margarita noch ein Baby war, damals in Hannover. Margarita hat keine Lust, aber was soll sie machen? Die Zeit in Israel ist voller unerwarteter Herausforderungen: eine neue Verliebtheit, Demonstrationen und ein merkwürdiger Roadtrip mit der fremden Mutter.
Als die Großmutter ins Krankenhaus muss, treffen Margarita, ihr Vater und die Mutter am Krankenbett in Chicago das erste Mal seit Jahren wieder aufeinander. Margarita muss sich der Herausforderung stellen, in dem Durcheinander von Sprachen, Herkünften, Zugehörigkeit und Traditionen ihren eigenen Weg zu finden und herauszufinden, wer sie sein möchte.
Diese Geschichte ist geeignet für „...alle, die schon einmal Liebeskummer hatten. Alle, die Teenager für besonders schlau oder auch für besonders dumm halten. Alle, die einen Körper haben, den sie manchmal nicht mögen. Alle, die Gedanken haben, die sie manchmal nicht mögen. Jeden Menschen, der Selbstmitleid kennt, aber auch jeden Menschen, der Empathie kennt. Menschen, die keine Heimat wollen oder brauchen, und Menschen, die trotzdem ständig Heimweh haben. Menschen mit jüdischen Großmüttern.“ — findet die Autorin Dana Vowinckel.
Die Regisseurin Lena Brasch, 1993 in Berlin-Pankow geboren, fordert mit ihren Inszenierungen die Grenzen des traditionellen Theaterkanons heraus. Bekannt wurde sie durch Stücke über popkulturelle Phänomene, wie den am Berliner Ensemble entstandenen Abend „It’s Britney, Bitch!“. Die Inszenierung wurde international in etlichen Medien besprochen und 2022 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. 2019 wurde Lena Brasch von der ZEIT als eine der „100 wichtigsten jungen Ostdeutschen“ ausgezeichnet und zu jenen „ostdeutschen Künstler*innen, die die Republik verändern könnten“, gezählt.
Inszenierung: Lena Brasch
Bühne: studio dietrich&winter
Kostüm: Luisa Wandschneider
Musik: Felix Kuhnt, Wenzel Krah
Licht: Erik Sonnenfeld
Dramaturgie: Cathrin Rose
für Menschen ab 14 Jahren
Dauer: ca. 1 Std., 40 Min., keine Pause
Termine
Mo 23.11.2026, 19:30
Di 24.11.2026, 19:30
Di 22.12.2026, 18:00
mit Texten von Mareike Fallwickl, lynn t musiol und Jacinta Nandi
„Die Lüneburg-Braunschweig-Hannoverschen hatten immer schon einen Hang zum Größenwahn.“
Der Adel und die Monarchie dienen seit jeher als Projektionsfläche und Faszinosum. Jeder royale Fehltritt, jeder Betrug, jeder Skandal, jede Eheschließung und jede Intrige tragen das Potenzial in sich, die Massen zu bewegen. Was ist es, das uns so nachhaltig an den Royals und ihren fernen Leben begeistert — und auch triggert? Serien wie „Die Kaiserin“ und „The Crown“ bezeugen eine widersprüchliche Faszination für ihr exklusives Dasein. Denn neben Luxus und Pomp scheint gerade die dunkle Seite der Macht ihr Schillern zu ermöglichen: Einsamkeit, Leistungsdruck, Missbrauch und Selbstausbeutung prägen die meisten royalen Biografien. Die Auserkorenen sind selten glücklich. Und welche Legitimation hat eigentlich eine nicht-gewählte Super-Elite, an deren Händen oft Blut und koloniale Landnahme kleben? Woher kommt überhaupt das ganze Geld? Die Royals bedürfen einer kritischen Inventur. Jorinde Dröse lässt in ihrer Inszenierung verschiedene adlige Frauenfiguren der letzten Jahrhunderte aufeinandertreffen und sucht mit ihnen nach den Funktionen, die sie in unserer Geschichtsschreibung, Unterhaltungskultur und im Patriarchat erfüllen. Welche Schwesternschaften und Allianzen könnten über die Orte, Klassen und Zeiten hinweg die Hütten und Paläste zu gerechten und freien Orten machen?
Jorinde Dröse studierte Regie in Hamburg und inszenierte bis 2016 an verschiedenen großen Theatern. Seit 2009 arbeitet sie zudem als Mutter. 2016 machte sie eine Ausbildung zur Erzieherin und war in einer Waldkita tätig. Mit der Spielzeit 21/22 nahm Jorine Dröse ihre Arbeit als Regisseurin wieder auf und setzt in ihren Inszenierungen den Fokus auf feministische Narrative und Diversität. 2023 und 2025 entstanden am Schauspiel Hannover die Erfolgsinszenierungen „Die Wut, die bleibt“ sowie „Und alle so still“, basierend auf den Romanen von Mareike Fallwickl, und 2024 am Berliner Ensemble „#motherfuckinghood“ in Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Claude De Demo. Alle drei Inszenierungen verhandeln aufwühlend und persönlich die Themen Mutterschaft und Care-Arbeit.
Inszenierung: Jorinde Dröse
Bühne: Anne Ehrlich
Kostüm: Juliane Kalkowski
Musik: Lars Wittershagen
Licht: Marie-Luise Fieker
Dramaturgie: Tobias Kluge
„Nichts ist verführerischer für den Menschen als die Freiheit seines Gewissens, aber nichts ist für ihn auch qualvoller.“
Wie viel Freiheit will der Mensch. Also wirklich. Hält er sie überhaupt aus? Vor fast 150 Jahren hat Fjodor Dostojewskij diese brisante Frage in seiner Erzählung vom „Großinquisitor“ gestellt. Spontan würden wir sagen: Freiheit ist das höchste Gut, nach dem alle streben. Für ihre Memoiren wählte Angela Merkel als Titel ausgerechnet: „Freiheit“. „Freedom“ war der Wahlkampfsong von Kamala Harris bei der US-Wahl 2024 gegen Donald Trump; doch offenbar wog der Wunsch nach Freiheit weniger schwer als der Wunsch nach Führung und Autorität, nach dem vermeintlich starken Mann, der Orientierung und Sicherheit verspricht, auch um den Preis vieler Freiheiten. Und wenn wir tief in uns hineinhorchen: Überfordert uns die Freiheit nicht auch oft? Wäre es nicht angenehmer, jemand würde uns all das abnehmen?
Dostojewskij berichtet von Jesus, der zur Zeit der spanischen Inquisition auf die Erde zurückkehrt, vom katholischen Großinquisitor, der ihn einsperrt und verhört, und von einem brennenden Kuss. Ensemblemitglied Michael Lippold holt die Geschichte als teuflischen Monolog in den Ballhof.
Hans Dreher und Michael Lippold lernten sich 2005 am Schauspielhaus Bochum kennen, als Dreher Regieassistent war und mit dem „Traum eines lächerlichen Menschen“ seine erste Inszenierung vorlegte — ebenso nach einer Erzählung von Dostojewskij und ebenfalls als Solo mit Michael Lippold. Später eröffnete Dreher in Bochum das Rottstr 5 Theater, eine inzwischen legendäre Off-Spielstätte, die er zehn Jahre leitete. Dort entstand „Der Großinquisitor“, der zuletzt auch am Schauspielhaus Bochum zu sehen war. Von 2019 bis 2025 leitete Hans Dreher als Co-Intendant das Prinz Regent Theater in Bochum.
Übernahme vom Rottstr 5 Theater Bochum
Inszenierung: Hans Dreher
Bühne und Kostüm: Hans Dreher, Michael Lippold
Licht: Erik Sonnenfeld
Von Kairo im Jahr 1969 über Paris bis ins Deutschland der 1970er und 1980er Jahre — Ensembleschauspielerin Yasmin Mowafek erzählt die Geschichte ihres Vaters Mohamed. Zwischen Anpassung und Auflehnung, dem Scheitern und Meistern von Bürokratien, führt der Solo-Abend mit viel Humor durch die ereignisreichen Stationen auf Mohameds Reise. Doch die Suche nach einem „besseren Leben in Almanya“ macht aus dem Lebenskünstler und Familienvater vor allem eins — einen abgehärteten Menschen.
In Mohameds Odyssee reflektiert Yasmin Mowafek zusammen mit dem Regisseur Leonard Dick fast exemplarisch, inwiefern die rassistischen und klassistischen Strukturen eines Einwanderungslandes wie Deutschland (post)migrantische Lebens- und Familienidentitäten prägen. Welche Heldengeschichten werden erzählt und welche Held:innengeschichten sind ebenso heroisch, obwohl sie vielleicht eher im Verborgenen wirken?
„Mohameds Odyssee“ entstand unter dem Titel „Mohameds Reise“ in der Spielzeit 22/23 am Jungen Staatstheater Karlsruhe in der Reihe „Freiräume“. Für die Konzeption des Stücks wurde Yasmin Mowafek im Rahmen ihrer künstlerischen Diplomarbeit mit dem Genderpreis der Kunstuniversität Graz ausgezeichnet.
Konzept und Idee: Yasmin Mowafek
Regie: Leonard Dick
Kostüme: Celine Walentowski
Musik: Andrej Agranovski
Video: Ansgar Beck
Dramaturgie: Saskia Jabłońska
Alles ist bereit für ein großartiges Theaterstück mit zwei Clowns und einem Musiker: Die Bühne steht, die Kostüme sind fertig, die Maske sitzt perfekt! Ein Techniker überprüft noch schnell, ob auch alles eingerichtet ist. Doch wo bleibt das Publikum? Es sollte doch ausverkauft sein. Aber heute ist alles ein bisschen anders. Wer spielt da Klavier? Wem gehört die Kaffeetasse, die durch die Luft schwebt? Und welcher Geist schleicht sich mit dem Verlängerungskabel davon? Sind die Schauspieler*innen jetzt hier, oder sollen wir das nur glauben? Sind wir wirklich hier? In „Der unsichtbare Mann“ dreht sich alles um das, was man nicht sieht. Und insgeheim auch darum, wie schön es sein kann, nicht gesehen zu werden. Diese Inszenierung ist ein Spaß für Vierjährige genau wie für das erwachsene Publikum. Es braucht nur die Lust, sich von den Zaubertricks des Jetse Batelaan verführen zu lassen. Denn wenn die Schauspieler*innen behaupten, dass die Zuschauenden nicht da seien, können diese nichts dagegen machen, oder? Ein bisschen Las Vegas in Hannover hat noch nie geschadet.
Man könnte versuchen, Jetse Batelaan über die Preise zu beschreiben, die er für seine Arbeiten gewonnen hat. Oder durch eine Aufzählung der Festivals in aller Welt, die seine Stücke gezeigt haben. Aber so viel Platz haben wir gar nicht. Es würde auch nicht deutlich machen, was für ein eigenwilliger Künstler er ist und welch ein sensationelles Gesamtwerk an Theaterstücken für junge Menschen er geschaffen hat. Seit 2013 leitet Jetse Batelaan das Theater Artemis in den Niederlanden. Die hier entstandenen Inszenierungen zeichnen sich durch eine absurde Komik und philosophische Tiefe aus, die mitten ins Herz der Zuschauer*innen treffen. Egal, ob diese vier, zwölf oder 86 Jahre alt sind. Irgendwo stand mal, dass er der Monty Python der internationalen Kindertheaterszene sei. Das trifft esziemlich gut.
Die Inszenierung entstand ursprünglich 2018 am Theater Artemis mit den Schauspieler*innen Marijn Brussaard, René van ’t Hof und Nimuë Walraven.
Text, Inszenierung und Bühne: Jetse Batelaan
Co-Regie: Tim Verbeek, Marijn Brussaard
Bühne: Eva Koopmans
Kostüm: Liesbet Swings
Musik: Keimpe de Jong
Lichtdesign: Bart van den Heuvel
Licht: Erik Sonnenfeld
Dramaturgie: Cathrin Rose
Eine Koproduktion mit Theater Artemis (NL)
Für Menschen ab 4 Jahren
Dauer: ca. 70 Min., keine Pause
Termine
Di 1.12.2026, 10:30 | für Schulen
Do 3.12.2026, 10:30 | für Schulen
„Es gibt kein geheimes Wissen, das uns zu Müttern macht. Aber jeder erwartet, dass wir ab der Sekunde der Geburt nie einen Fehler im Umgang mit dem Kind machen, weil wir angeblich einen Instinkt dafür haben.“
Drei Frauen, die mit ihren Ansprüchen an Familie, Freundschaft und Glücksversprechen kämpfen:
Mareike Fallwickls Erfolgsroman fragt, wie ein Leben inmitten verschiedener Bedürfnisse und Anforderungen gelingen kann. Alles beginnt mit einer unfassbaren Tat: Wortlos steht Helene, Mutter von drei Kindern, vom Abendessen auf und stürzt sich vom Balkon. Sarah, ihre beste Freundin, unterstützt die trauernde Familie. Doch ihr eigenes Leben gerät dabei wie selbstverständlich in den Hintergrund und ein Gefühl bahnt sich den Weg an die Oberfläche: Wut. Lola, Helenes Tochter, fühlt diese Wut noch stärker, ihre Anklage richtet sich gegen das Patriarchat an sich, dem sie entschlossen den Kampf ansagt.
Regie: Jorinde Dröse
Bühne: Katja Haß
Kostüme: Juliane Kalkowski
Musik: Jörg Kleemann
Choreografie: Suzan Demircan
Dramaturgie: Johanna Vater
„Was mich betrifft, könnten die Erde zerstört, die Urwälder verbrannt und die Gewässer verschlammt werden, aber ich möchte trotzdem ein Kind haben.“
Haben Sie sich in einer gynäkologischen Praxis auch schon einmal gefragt, wohin eigentlich mit der Unterhose? Wie über die Nachwirkungen einer Schwangerschaft sprechen, ohne rot anzulaufen? Und was tun, wenn zwischen kinderlosen Freund*innen plötzlich diese unangenehme Stille entsteht – oder der verächtliche Blick das schreiende Baby trifft? „Die Tage der Hyäne“ behandelt diese Fragen ehrlich, humorvoll und vielschichtig. Die finnische Autorin Saara Turunen erzählt von einer Schriftstellerin, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Von unerbittlichem Ehrgeiz getrieben, ordnet sie sich diesem Ziel vollkommen unter – bis sie sich plötzlich im Körper einer Hyäne wiederfindet, jenes Tiers, das als Aasfresser, Alphaweibchen und für sein hämisches Lachen bekannt ist. Turunen zeichnet das eindrückliche Bild eines Körpers, der fremd geworden ist – und erzählt vom Verschwinden des Rationalen zugunsten eines archaischen, instinktiven Selbst.
Wie schon in früheren Arbeiten widmet sie sich dabei weiblichen Lebensentwürfen. Mit einem feinen Gespür für das Skurrile im Alltäglichen erforscht sie, was eine Fruchtbarkeitsbehandlung für den Körper einer Frau bedeutet, warum Fortpflanzung so häufig über Kontrolle definiert wird und wie gesellschaftliche Erwartungen die eigene Wahrnehmung prägen. Turunen thematisiert Mutterschaft nicht diskursiv, sondern radikal visuell – so präzise wie beiläufig, so humorvoll wie eindringlich. Dabei gelingt es ihr, dem Publikum die Empfindungen der Protagonistin ganz nah zu bringen – man kann mitfühlen, nachvollziehen oder sich an eigene Erlebnisse erinnern. Gerade darin liegt die besondere Kraft ihrer Inszenierung: Mithilfe einer klaren Theatersprache, eindrucksvoller Bilder und einer besonderen Musikalität, in der Donna Summer auf Edvard Grieg trifft, verleiht sie den inneren Zuständen ihrer Figuren Gestalt. Neben dem Porträt eines Lebensabschnitts entfaltet sich zugleich eine Reflexion über Kontrolle, Durchhalteideale und die Mechanismen einer Leistungsgesellschaft. „Die Tage der Hyäne“ richtet sich dabei an alle, die jemals nach etwas gestrebt, Rückschläge erlebt und sich plötzlich in einer fremden Welt wiedergefunden haben.
Saara Turunen arbeitet als Regisseurin und Autorin in Helsinki und international. In ihren Werken untersucht sie weibliche Perspektiven und Identitätsfragen im Spannungsfeld gesellschaftlicher Normen. Ihr Theater ist radikal visuell – sie verdichtet Emotionen zu kraftvollen Bildern, die im Gedächtnis bleiben. Mit komplexen Soundlandschaften und klaren Kompositionen schafft sie Zugänge zu Gefühlen, die tief im Inneren verborgen scheinen. Ihre Arbeiten wurden in fünfzehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Inszenierung: Saara Turunen
Bühne: Milja Maaria Aho
Choreografie: Janina Rajakangas
Kostüm: Liisa Pesonen
Video: Ainu Palmu
Licht: Ainu Palmu, Mario Waldowski
Sound: Tuuli Kyttälä
Dramaturgie: Mira Gebhardt
Ein Niedersachsen Noir
nach dem Roman von Jakob Nolte
„Es war das erste Mal seit der Expo 2000, dass Dinge, die in Hannover passierten, den Rest der Republik interessierten.“
Tatort Hannover. Am Ufer der Ihme wird ein junger Mann, die Inlineskates noch an den Füßen, tot aufgefunden. Ein Mordfall mit allem, was dazugehört: ein Ermittlungsteam, das im Dunkeln tappt, Obduktionsberichte, Verhöre, Spannung — und eine aufmerksame Journalistin, die mehr über den Fall zu wissen scheint als Kommissarin Rita Aitzinger selbst. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Ilia Schuster steht sie vor vielen Rätseln: Warum musste der junge Mann so früh sterben? Was steckt hinter diesem Mord? Und welche Rolle spielt der Popsong, den er in Dauerschleife gehört hat? Die Ermittlungen navigieren das Team durch Hannover — vom Ihmepark über die Burgerläden Lindens bis zur Staatsoper — und in die Untiefen von Dating-Apps.
Was wie ein klassischer Kriminalfall beginnt, entfaltet sich zunehmend als Erkundung menschlicher Emotionen und Abgründe. Mit feinem Gespür erzählt Jakob Nolte von einsamen Jungs, von Sehnsucht und der Suche nach dem Glück. Dabei zeichnet er ein skurriles Panorama von Hannover: einem Hannover, wie es selbst Alteingesessene noch nie gesehen haben — schräg, abgründig und voller Humor. „Die Frau mit den vier Armen“ lässt die Düsternis des Profanen zutage treten — und fragt, was uns wirklich antreibt. Ein Niedersachsen Noir mit Tiefgang.
Albrecht Schroeder setzt sich in seinen Arbeiten häufig mit Gegenwartsdramatik auseinander und untersucht die Fallstricke des Menschseins. So inszenierte er mit „Eschenliebe“ von Theresia Walser am Schauspielhaus Bochum die Geschichte eines Mannes, der sich in eine Esche verliebt und damit die Norm infrage stellt. Mal diskursiv-dialogisch, mal trocken-humorvoll, sind seine Inszenierungen aber vor allem von einer großen Zuneigung zu den Figuren geprägt. Albrecht Schroeder mag Pressekonferenzen, Kopfhörer und Scham. Genau der richtige Regisseur für die Uraufführung von „Die Frau mit den vier Armen“!
Inszenierung: Albrecht Schroeder
Bühne und Kostüm: Julia Katharina Berndt
Musik: Paul Eisenach, Wenzel Krah, Felix Kuhnt
Licht: Uwe Wegner
Dramaturgie: Mira Gebhardt
Deutsch, Französisch, Italienisch, Arabisch, Hebräisch, Englisch — in so vielen Sprachen sang Dalida. Hits wie „Bambino“ und „Paroles, paroles“ machten sie zum Weltstar. Musikgeschichte schrieb sie. Und war doch eine der traurigsten Figuren der Popwelt.
Dalidas Karriere währte fast drei Jahrzehnte — und brachte ihr Goldene und Platin-Schallplatten für 150 Millionen verkaufte Tonträger ein, ja, sie erhielt sogar als weltweit erste Künstlerin eine Diamantene Schallplatte.
Privat aber wurde ihr Leben von Tragödien überschattet. In ihren Songs spiegelte sich immer auch ihre eigene Melancholie. In tiefer Tonlage, mit rollendem R, sang sie über die eher dunklen Augenblicke des Lebens: „Am Tag, als der Regen kam / lang ersehnt / heiß erfleht…“.
Dalida: Das ist ein Mensch auf der Suche nach wahrer Liebe. Ihr Leben: eine Achterbahn zwischen Erfolg und Verzweiflung. Grund genug, dieser Ausnahmekünstlerin einen Abend zu widmen. Musikalisch begleitet von dem Pianisten Julian Friedrich, nähert sich Ensemblemitglied Oana Solomon dem Phänomen Dalida.
Oana Solomon, in Bukarest geboren und zuletzt in Hamburg tätig, hat auf eigene Faust schon so manchen Theaterabend initiiert. Mit dem Schauspieler Bernd Grawert entwickelte sie im Nachtasyl des Thalia Theaters „50 Worte für Schnee — Eine Apokalypse-Pop-Show“. Dort entstand auch „Ciao Amore!“. Unterstützung erhielt sie von der Regisseurin Elsa-Sophie Jach.
Übernahme vom Thalia Theater Hamburg
Inszenierung: Elsa-Sophie Jach
Licht: Vincent Schulz
Dramaturgie: Susanne Meister
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Das Schauspiel Hannover setzt unter der Intendanz von Sonja Anders auf gesellschaftspolitisch relevante Themen und fahndet in über 30 Premieren pro Spielzeit nach neuen Utopien. Neben Klassikern prägen eine Vielzahl an Uraufführungen den Spielplan. Gespielt wird im Schauspielhaus, Cumberland, im Ballhof Eins und Zwei, aber auch an Orten jenseits der Theaterbühne.
Das Schauspielhaus mit 630 Plätzen wurde 1992 eröffnet. Dem Haus eng verbunden sind unter anderem die Regisseure Stephan Kimmig, Julia Wissert und Laura Linnenbaum. Hinzu kommen Regiehandschriften u. a. von Lilja Rupprecht, Friederike Heller, Kevin Rittberger, Anne Lenk und anderen.
Das Junge Schauspiel weitet seinen Spiel- und Wirkungsraum aus. Junge Lebenswelten sind, neben dem Ballhof, der sich in Hannovers Altstadt mit den Spielstätten Ballhof Eins und Zwei als Ort für junge Themen etabliert hat, in allen Spielstätten zu sehen, so dass sich Generationen treffen und mischen können.
Die Cumberlandsche Galerie, die bereits 1883 entstand, wird zu einem Ort der Öffnung für Künstler und Künstlerinnen aus Hannover und der Welt. Clubs, Gespräche, Partys, Lesungen, Kooperationen mit der Stadtgesellschaft finden hier Platz. Als zentrales Format lädt die künstlerische Workshop-Reihe „Universen“ Hannovers Bürger und Bürgerinnen zu einer Weiterentwicklung ihrer persönlichen Ausdrucksformen, Künsten und Sprachen ein.Abo- und Kartenservice
(Mo–Fr 10:00–18:00 Uhr und Sa 10:00–14:00 Uhr)
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