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© Conny Mirbach
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Schauspiel Stuttgart

Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.

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Schauspiel Stuttgart
Oberer Schloßgarten 6
D-70173 Stuttgart

Telefon: +49 (0)7 11-20 32-0

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Familienprogramm

Momo

von Michael Ende

Premiere: 26.11.2022

Familienstück für alle ab 6 Jahren

Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Dieses Geheimnis ist die Zeit. – Am Rande der Stadt in einem alten Amphitheater lebt Momo. Sie besitzt nicht viel, hat keine Eltern und weiß nicht, wie alt sie ist, doch sie hat Zeit. Allen Menschen, die sie besuchen, hört sie zu. Allein dadurch kann sie trösten, Streit schlichten und ihren Freunden, dem Fremdenführer Gigi oder dem Straßenkehrer Beppo, das Gefühl geben, ihren rechten Platz in der Welt zu haben.
Doch plötzlich hören die Menschen auf, Momo zu besuchen. Die Grauen Herren der Zeitsparkasse haben angefangen, den Menschen in der Stadt ihre Zeit abzuringen. Jeder und jede will nun Zeit sparen. Die kleine Momo scheint die Einzige zu sein, die sich gegen die Zeit-Diebe zur Wehr setzen kann. Gemeinsam mit der Schildkröte Kassiopeia und dem Hüter der Zeit, Meister Hora, stellt sie sich der schwierigen Aufgabe, die Menschen von den Grauen Herren zu befreien.

Michael Endes „seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“ ist nun fast 50 Jahre alt. Lange vor dem Aufkommen von Mobiltelefonen und Internet schildert Ende in seinem Märchen-Roman eine Gesellschaft, die von Zeitnot, Gehetztheit und dem Zwang ständiger Selbstoptimierung bestimmt wird und die nur durch die Kraft zwischenmenschlicher Begegnungen geheilt werden kann. Damals wie heute sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen berührt von Momos Gutherzigkeit – und von der Idee, dass wir alle uns für ein Leben ohne Konsumzwang und unaufhörliche Beschleunigung entscheiden können, wenn wir nur wollen.

Inszenierung: Tim Egloff
Bühne: Prisca Baumann
Kostüm: Kerstin Grießhaber
Musik: Micha Kaplan
Licht: David Sazinger
Dramaturgie: Lena Fritschle

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Musical

The Magic Key

Ein Musical von Marthe Meinhold, Marius Schötz und Ensemble

Premiere: 3.12.2022

Im Jahr 2003 schreibt das französische Hip-Hop/House-Projekt One-T das One-Hit-Wonder The magic key. Das Projekt besteht aus einer Gruppe von virtuellen Figuren aus einer extra dafür geschaffenen Comic-Welt.
Alle sind jung und denken über das Leben nach (money, hatred, hunger, pain). Sind sie zu diesem Zeitpunkt schon gestorben? Haben sie ihr Leben genossen? Jedenfalls hatten sie immer sich. Dann erreicht sie eine Nachricht:
Musik ist die Odyssee.
Sie ist hier für dich und mich.
Hör mir einfach zu, finde den magischen Schlüssel!
Die Reise beginnt.
(Listen up!)
Im Mittelpunkt der Arbeiten des Regie-Duos Marthe Meinhold & Marius Schötz stehen immer die Beteiligten der Produktion. In Gesprächen ohne Fragenkatalog tauschen sich alle Mitwirkenden über Wünsche, Träume und Interessen aus. Wenn alle einverstanden sind, wird das Gefundene zu Inhalten der Arbeit erklärt.
(yeah)
So soll eine handlungsfähige Gruppe entstehen, sowohl in der Arbeitsweise als auch in den erzählten Geschichten auf der Bühne. Meinhold und Schötz versuchen dadurch, Strukturen im Privaten, dem Theater und der Gesellschaft zu hinterfragen und zu thematisieren.
(uh huh, uh huh)
Im nächsten Schritt komponiert Marius Schötz Musik zu den entstandenen Texten, die sich im Genre zwischen Oper, Operette und Musical bewegt.

Inszenierung und Text: Marthe Meinhold & Marius Schötz
Komposition: Marius Schötz
Bühne und Kostüme: Florian Kiehl
Licht: Stefan Maria Schmidt
Dramaturgie: Ingoh Brux

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Schauspiel

Annette, ein Heldinnenepos

von Anne Weber

Wer ist Annette? Anne Weber hat sie zur Protagonistin ihres neuen Romans gemacht, für den sie 2020 den deutschen Buchpreis erhielt. Sie erzählt die Geschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir, genannt Annette. 1923 in der Bretagne geboren, ist sie das einzige Kind überzeugter Kommunisten. Als die Deutschen 1940 Frankreich besetzen, geht sie mit gerade mal 19 Jahren in die Résistance. Ihre Auflehnung gegen jede Form von Ungerechtigkeit treibt sie zu eigenmächtigen Rettungsaktionen etwa von zwei Jugendlichen einer jüdischen Familie. Nach dem Krieg wird sie Ärztin. Sie heiratet, bekommt Kinder und führt ein bürgerliches Leben, bis der Algerienkrieg ausbricht. Sie engagiert sich erneut, dieses Mal auf der Seite der algerischen Unabhängigkeitsbewegung Front de Libération Nationale. Sie kämpft nicht nur für die Unabhängigkeit Algeriens, sondern auch für eine sozialistische Gesellschaft. 1959 wird sie festgenommen und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Auf abenteuerliche Weise gelingt ihr die Flucht …

Anne Weber wählt für ihre literarische Biografie von Anne Beaumanoir die Form des Heldinnenepos. Dabei nutzt die Autorin gekonnt die Weitwinkelperspektive des Epos, um das Erzählte auf Distanz zu halten; gleichzeitig wählt sie Nahaufnahmen ihrer Heldin. Darüber hinaus gelingt es ihr, allem Schlimmen auch eine skurrile Leichtigkeit zu verleihen. Der Roman zeigt auf, was es bedeutet, für eine größere Gerechtigkeit, eine bessere Welt zu kämpfen und welchen Preis man dafür zahlen muss. In einem Wechsel von Alltags- und Kriegsszenen beschreibt Anne Weber den Mut und das Vertrauen, aber auch die Zweifel und Ängste dieser Frau – und nicht zuletzt erzählt sie ein wichtiges Stück Zeitgeschichte.

Inszenierung und Bühne: Dušan David Parízek
Kostüme: Kamila Polívková
Musik: Peter Fasching*
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger

In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln

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1 Schauspiel

Der gute Mensch von Sezuan

Parabelstück von Bertolt Brecht mit Musik von Paul Dessau

In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln

Drei Götter steigen auf die Erde herab, da immer mehr Klagen über die Unbewohnbarkeit der Welt zu ihnen dringen. Sie einigen sich auf einen Minimalkonsens: Die Verhältnisse können bleiben, wie sie sind, wenn genügend gute Menschen gefunden werden, die ein menschenwürdiges Dasein leben können. Der Prostituierten Shen Te geben die Götter ein Startkapital, um einen kleinen Tabakladen zu eröffnen. Schlagartig sieht sich Shen Te von Bittstellern umgeben, die an ihrem bescheidenen Wohlstand teilhaben möchten. Shen Te erschafft sich ein Alter Ego, sie tritt als ihr skrupelloser Vetter Shui Ta auf den Plan. Er gründet eine Tabakfabrik, in der die Angestellten unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Als das Gerücht aufkommt, Shui Ta habe seine Cousine ermordet, sieht sich Shen Te von allen Seiten umstellt.
Die Götter haben ausgedient. Sie stehlen sich aus der Verantwortung, verweisen den Menschen auf sich selbst und kehren schließlich reichlich ramponiert in den Himmel, also ins „Nichts“, zurück. Güte als absolutes moralisches Gesetz scheint unmöglich.

Die Frage, ob moralisches Empfinden als oberste Handlungsmaxime gelten kann, beschäftigt die Philosophie seit jeher. Bertolt Brechts 1943 in Zürich uraufgeführtes Parabelstück verdichtet dieses Dilemma: Kann ein guter Mensch im kapitalistischen Wirtschaftssystem überleben oder wird Güte erst durch Unbarmherzigkeit ermöglicht? Shen Te, der gute Mensch von Sezuan, klagt die Verantwortung jede:r Einzelnen ein: „Oh, ihr Unglücklichen! Eurem Bruder wird Gewalt angetan, und ihr kneift die Augen zu! Der Getroffene schreit laut auf, und ihr schweigt?“

Inszenierung: Tina Lanik
Bühne und Kostüm: Stefan Hageneier
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Carolin Losch
Musikalische Leitung: Cornelius Borgolte
Musiker:innen: Tommy Baldu, Clara Vetter, Martin Wiedemann, Lisa Wilhelm
Gesangscoach: Sandra Hartmann

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Schauspiel

Die Präsidentinnen

von Werner Schwab

Allzu gerne würden sie einen Zipfel vom Glück erhaschen und bleiben doch nur die Präsidentinnen ihres Unglücks: die Mindestpensionistinnen Erna und Grete. Erna hat sich der Religion und der Sparsamkeit verschrieben, gießt ihren Kaffee mit Toilettenpapier auf und trägt eine Pelzhaube von der Mülldeponie. Sie sorgt sich um ihren Sohn Herrmann, der dem Alkohol zuspricht und nicht im Traum daran denkt, ihr Enkel zu schenken. Grete, von ihrem Mann für eine Achtzehnjährige verlassen, hat sich ihren Dackel Lydia zur neuen Lebenspartnerin erkoren. Mariedl, die dritte im Bunde, ist Klofrau von Beruf und aus Berufung. Gegen die Verlockungen der Liebe sind sie dennoch nicht gefeit. Erna träumt von einer Liaison mit dem örtlichen Fleischer, dem Wottila Karl, und Grete fantasiert sich eine Zukunft als Gutsherrin mit dem feschen Musikanten Freddy herbei. Mariedl hingegen würde gerne einmal unter dem Jubel einer großen Menge ihre Meisterschaft unter Beweis stellen. Ihre Tagträume arten in eine erbitterte Zimmerschlacht aus, an deren Ende eine der drei auf der Strecke bleibt.

Werner Schwab zündet in seinem längst zum modernen Klassiker avancierten „Fäkaliendrama“ ein komödiantisches Feuerwerk. Seine Präsidentinnen sind Königinnen ihres Leids. Gefangen in ihren Lebenslügen sitzen sie auf einem Vulkan unterdrückter Sehnsüchte und unerfüllter Begierden. „Das sind Leute, die glauben, alles zu wissen, über alle zu bestimmen. Eine Form von Größenwahn“, schrieb Schwab über sein infernalisches Frauen-Trio.

Inszenierung: Amélie Niermeyer
Bühne: Christian Schmidt
Kostüm: Kathrin Brandstätter
Mitarbeit Bühne: Helen Stichlmeir
Musik: Imre Lichtenberger Bozoki
Mitarbeit Musik: Jacob Suske
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Christina Schlögl

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Schauspiel

Ein Volksfeind

von Henrik Ibsen

Viel Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung verspricht das neue Kurbad einer verschuldeten Kleinstadt. Touristen und Badegäste sollen in den Ort gelockt werden. Dann aber macht der Badearzt Thomas Stockmann eine Entdeckung: Das vermeintlich heilende Wasser ist verseucht. Schuld daran ist pikanterweise der giftige Schlamm aus der Gerberei seines Schwiegervaters, der durch schlampig verlegte Zuflussrohre ins Badewasser gelangt. Aber damit nicht genug, auch das Trinkwasser der Stadt scheint davon betroffen – ein Umweltskandal, der es in sich hat.
Was die Stadtpolitik zu vertuschen versucht, will Stockmann an die Öffentlichkeit bringen. Sein Bruder, Bürgermeister der Stadt, möchte das mit aller Kraft verhindern. Denn die Stadt würde so ihre einzige Einnahmequelle verlieren, die Schulden würden steigen, Arbeitsplätze gingen verloren – seine Wiederwahl wäre gefährdet. Das aber lässt Stockmann nicht gelten: Recht, Wahrheit und die Gesundheit aller stehen für ihn an oberster Stelle, müssen über Macht- und Wirtschaftsinteressen den Sieg davontragen, sonst drohe der Verfall der Gesellschaft und das Land sei dem Untergang geweiht. Er ruft eine „Revolution“ aus, die einzig mögliche, radikale Lösung, um gegen die Lüge und die Dummheit ins Feld zu ziehen. Aber die Mehrheit der Bürgerschaft, Presse und Politik setzen sich zur Wehr und erklären Stockmann zum Volksfeind. Ein moderner Kohlhaas gegen den Rest der Welt? Der Kampf Stockmanns um Wahrheit und Freiheit ist also noch lange nicht zu Ende.

Je schwächer die demokratische Gesellschaft, desto größer ihre Anfälligkeit für Radikallösungen. Ein Volksfeind, 1883 geschrieben, gehört zu den Meisterdramen des norwegischen Schriftstellers Henrik Ibsen (1828–1906). Er zeigt darin, wie eng Eigeninteresse, Freiheitsrechte und Wahrheitsfindung mit politischem Handeln verstrickt sind und dass die Demokratie verloren hat, wenn sie nur noch Sache Einzelner ist.

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Rüdiger Benz
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger

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Schauspiel

18 Briefe und eine Fabel aus Belarus

von Maryna Mikhalchuk
mit Texten aus Camel Travel von Volha Hapeyeva

Der belarussische Präsident Lukaschenko beanspruchte nach der Wahl am 9. August 2020 einen erdrutschartigen Sieg für sich, während die oppositionelle Kandidatin überraschend deutlich unterlag. Die Opposition um Swetlana Tichanowskaja bezeichnete die Vorgänge daraufhin öffentlich als Wahlbetrug, auch zahlreiche unabhängige Wahlbeobachter:innen stuften die Ergebnisse als gefälscht ein. Frauen wie Tichanowskaja, Maria Kalesnikava sowie Aktivist:innen und Unterstützer:innen wurden schnell zu Symbolfiguren der belarussischen Protestbewegung. In Brautkleidern und mit roten Blumen prägten sie die medialen Bilder im Westen, in ihren Reden dagegen unterwanderten sie die klassisch weiblich-passiven Rollenzuschreibungen der Regierung. Zahlreiche Personen, die man den Protesten zuordnete, wurden im Herbst 2020 umgehend außer Landes gezwungen oder inhaftiert.
Mit 18 Briefe und eine Fabel aus Belarus verschneidet Maryna Mikhalchuk dokumentarische Versatzstücke des gegenwärtigen Belarus mit dem autobiografischen Roman Camel Travel von Volha Hapeyeva. In ihrem 2021 erschienenen Debüt beschreibt die Autorin das Aufwachsen im (post-)sowjetischen Minsk der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Zwischen Flechtfrisuren, rhythmischer Sportgymnastik und Pelmeni deutet die Autorin aus einer kindlichen Perspektive bereits den Weg in ihre eigene Politisierung an – und gibt Hinweise auf die Generation der Belaruss:innen, die im August 2020 auf die Straße gingen und heute Briefe aus der Haft schicken.

Inszenierung: Maryna Mikhalchuk
Bühne: Hannah Zickert
Kostüme: Natalie Nazemi
Musik: Guillermo González, Natasha López
Licht: Stefan Maria Schmidt
Dramaturgie: Lena Meyerhoff

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Theater

Woyzeck

von Georg Büchner

Mit Woyzeck schrieb Georg Büchner mit gerade mal 23 Jahren einen dunklen, poetischen, bildgewaltigen und zutiefst berührenden Bühnentext, basierend auf realen, von Büchner genau recherchierten Fällen. Woyzeck ist der einfache Soldat, die naive Kreatur, die sich für ein paar Groschen zum Versuchsobjekt der Wissenschaft hergibt und seinen Körper für medizinische Experimente verkauft – bis so gut wie nichts mehr von ihm übrigbleibt, ihm jegliches Menschsein ausgetrieben wird. Im Existenzkampf gegen diese skrupellose und verkommene Gesellschaft, der jegliche Moral abhandengekommen ist, hat Woyzeck nie eine Chance gehabt und der eigenen Zerstörung nichts mehr entgegenzusetzen. Als seine Geliebte, Marie, dem tanzenden Tambourmajor verfällt und das Dunkel um sich greift, gibt es für Woyzeck kein Halten mehr. Der schwindelnde Abgrund reißt ihn – und was er liebt – mit sich fort.

Mit Woyzeck hat der 23-jährige angehende Mediziner Georg Büchner einen sozialrevolutionären Text geschrieben, der unvollendet blieb. Als Vorläufer des modernen Dramas ist ihm eine Studie gelungen, die bis heute aktuelle Fragen diskutiert: Sind wir frei oder werden wir fremdbestimmt, wer oder was grenzt aus, bestimmt über die Zentren und die Ränder unsrer Gesellschaft?

Inszenierung: Zino Wey
Bühne: Davy van Gerven
Kostüme: Veronika Schneider
Musik: Max Kühn
Licht: Rüdiger Benz
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger

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Schauspiel

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

von Erich Kästner

Berlin zur Zeit der Weimarer Republik: Am Vorabend der nationalsozialistischen Machtübernahme betäubt sich eine Gesellschaft, die unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise leidet, in rauschhaften Nächten und amüsiert sich dabei fast zu Tode. Die Bordelle, Künstlerateliers und obskuren Amüsierbetriebe der Stadt erkundet der arbeitslose, zweiunddreißigjährige Dr. Jakob Fabian als distanzierter Beobachter. Auf seinen Streifzügen durch das Berliner Nachtleben erlebt Fabian eine enttäuschte Liebe und den Freitod seines Freundes Labude, außerdem wird er Zeuge des Kampfes zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Eine Anstellung bei einer rechtsnationalen Zeitung lehnt er aus moralischen Gründen ab. Dennoch fragt er sich, warum er angesichts der politischen Verhältnisse nur ein Zuschauer bleibt und nicht selbst „ein Akteur im Welttheater“ wird. „Ich kann vieles und will nichts. Wozu soll ich vorwärts kommen? Wofür und wogegen? Nehmen wir wirklich einmal an, ich sei der Träger einer Funktion. Wo ist das System, in dem ich funktionieren kann? Es ist nicht da und nichts hat Sinn.“
Erich Kästner (1899 – 1974), dessen Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, zeichnete mit seinem 1931 erschienenen Großstadtroman Fabian ein satirisches Sittengemälde seiner Epoche. Erst 2013 erschien unter dem Titel Der Gang vor die Hunde die unzensierte Fassung des Romans. Wie er in seinem Nachwort von 1950 schrieb, hatte Kästner nur ein Ziel vor Augen: Er wollte „vor dem Abgrund warnen, dem sich Deutschland und damit Europa näherte“.

Inszenierung: Viktor Bodó
Bühne: Juli Balázs
Kostüme: Fruzsina Nagy
Musik: Klaus von Heydenaber
Sounddesign: Gábor Keresztes
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Anna Veress, Ingoh Brux
Mitarbeit Fassung: Julia Robert
Choreografie: Éva Duda

in deutscher Sprache mit englischen Übertiteln

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Schauspiel

Maria Stuart

von Friedrich Schiller

Seit fast zwanzig Jahren ist Maria Stuart, Queen of Scots, Gefangene der englischen Königin Elisabeth. Nach einem tödlichen Attentat auf ihren Ehemann war die schottische Königin zur Flucht zu ihren Verwandten nach England gezwungen. Aus Angst, dass Maria ihren Anspruch auf den englischen Thron erheben könnte, ließ Elisabeth sie jedoch prompt auf Schloss Fotheringhay einsperren. Elisabeth, die Virgin Queen, steht unter Druck. Ihr Volk drängt sie zur Heirat und verlangt die Hinrichtung Marias. Auch ihre Berater nötigen sie, nach Jahren des Zögerns endlich zu handeln – Lord Burleigh fordert eine schnelle Hochzeit zum Wohl des Staates, der alte Talbot eine Begnadigung Marias. Graf Leicester indessen spekuliert selbst auf eine Heirat mit Elisabeth und pocht auf ein Treffen der beiden Königinnen. Während Elisabeth von allen Richtungen vereinnahmt wird, plant der junge Mortimer auf Fotheringhay die gewaltsame Befreiung Maria Stuarts und treibt so die Geschichte ihrem unweigerlich blutigen Ende entgegen.
Mit seinem Drama über die zwei großen englischen Königinnen zeigt Friedrich Schiller das Individuum im Spannungsfeld zwischen religiöser Moral, Sinnlichkeit und Staatsraison. Die bei den Herrscherinnen Maria und Elisabeth werden nicht von eigenem Hass geleitet, sondern von ihrem Umfeld zu Rivalinnen gemacht. Es entsteht das Bild einer Gesellschaft, das Frauen gegeneinander ausspielt und das fatale Narrativ vorantreibt, dass es an der Spitze nur eine geben kann.

Inszenierung: Rebecca Frecknall
Bühne & Kostüm: Oliver Helf
Sounddesign: George Dennis
Lichtdesign: Jack Knowles
Dramaturgie: Christina Schlögl

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Schauspiel

Der Besuch der alten Dame

von Friedrich Dürrenmatt
mit einem Text von Peter Michalzik

Welchen Preis hat Gerechtigkeit? Nach zwanzig Jahren kehrt die Milliardärin Claire Zachanassian nach Güllingen zurück. Die Kleinstadt ist hoch verschuldet, verarmt und steht kurz vor dem Ruin. Zachanassian verspricht der Gemeinde neuen Wohlstand. Allerdings ist ihre finanzielle Hilfe an eine Bedingung geknüpft: Die Bewohner von Güllingen bekommen das Geld nur, wenn sie Alfred Ill, Zachanassians früheren Geliebten und Vater ihres Kindes, töten. Dieser hatte damals die Vaterschaft geleugnet, zwei falsche Zeugen bestochen, sie zur Hure degradiert und aus Güllingen verjagt. Jetzt will sie nur eins: Gerechtigkeit. Viel Zeit ist seitdem vergangen. Das gefallene Mädchen inzwischen die reichste Frau der Welt nimmt nicht nur Rache an Ill, sondern sie offenbart auch die Verführbarkeit, Gier und Korruption der Bewohner von Güllingen. Sie alle machen sich schuldig und werden zu Tätern, Mitläufern und Kollaborateuren. Dürrenmatts Parabel hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Der Spezialist für schlimmstmögliche Wendungen kostet auch diese aus: die totale und willkürliche Herrschaft des Kapitals über ethische Normen. Dürrenmatt deckt die Mechanismen und Machtverhältnisse einer Gesellschaft zwischen Schuld und Verantwortung, Gemeinwohl und Moral schonungslos auf.
Der Besuch der alten Dame zählt zu den erfolgreichsten und beliebtesten Stücken von Friedrich Dürrenmatt (1921–1990). Die Uraufführung von 1956 am Schauspielhaus Zürich machte ihn weltbekannt. Das Stück wird in dieser Inszenierung um eine weitere Dimension erweitert – der Biografie von Evgenia Dodina, die Claire Zachanassian spielt und die ein Spannungsfeld aufmacht zwischen Güllingen und der Welt.

Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger

in deutscher und hebräischer Sprache mit englischen und deutschen Übertiteln

Dauer – ca. 1:30 Std, keine Pause

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Schauspiel

Kammer of Love

von und mit Sebastian Röhrle, Max Braun und Gästen

Ich gebe Ihnen jetzt einen Tipp, den ich Ihnen eigentlich gar nicht geben dürfte: Sie wohnen beispielsweise in Winnenden oder gar in Backnang, unverschuldet.
Es gibt einige, nachvollziehbare Gründe weshalb Sie das Schicksal dorthin verschlagen hat: Nähe zur Arbeitsstelle, Ihre schlecht bezahlte Arbeitsstelle gestattet es Ihnen nicht, die horrenden Mieten in Stuttgart zu bezahlen, Sie haben Kinder, denen Sie das kriminelle Milljöh einer Großstadt ersparen wollen, Häuschen geerbt und da wär man ja schön blöd, ratzfatz im Grünen, Nachbarn, die man kennt und von denen manche sogar Freunde sind usw..
Jedenfalls wohnen Sie weit außerhalb von Stuttgart, sehnen sich aber nach mehr Kultur als die Provinz Ihnen bieten kann.
Und hier kommt mein heißer Rat: kaufen Sie sich im Vorverkauf eine Eintrittskarte für die 'Kammer of Love', die kostet Sie schlappe 6 Euro und Sie genießen ca. 2 Stunden 1a piccobello Abendunterhaltung.
Der Kracher ist: wir bezahlen Ihnen die An- und Abreise, drei Stunden vor Vorstellungsbeginn und drei nach Vorstellungsende. Genug Zeit um vorzuglühen, einkaufen zu gehen oder sich danach noch ordentlich die Kante zu geben.
Hin- und Rückfahrt von Winnenden kosten Sie achteuroachtzig, von Backnang fällt die Bilanz noch besser aus, da müssten Sie sogar stolze 11 Euro hinblättern. Merken Sie was?
Theoretisch könnten Sie sich natürlich den Theaterbesuch auch klemmen und einfach einen netten Abend in Stuttgart verbringen. Aber das wär dumm. Weil: nett können alle - wir können mehr.
Mit etwas Glück kriegen Sie auf den vorderen Plätzen sogar den feinen Sprühnebel unseres Spieleifers ab. Wir sind heiß und live.
Ihr Mut zum Unmut oder Ihre Begeisterung verhallen nicht ungehört. Sie zählen!
Und wir auf Sie!
Essen Sie bei uns - sonst verhungern wir beide.

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Schauspiel

Der Triumph der Waldrebe in Europa

von Clemens J. Setz

Der achtjährige David Herzer ist tot. Ein Autounfall verändert das Leben seiner Eltern mit einem Schlag. Ihr Sohn hinterlässt eine Leerstelle, die Renate und Konrad Herzer nicht akzeptieren können. Mithilfe digitaler Medien erschaffen sie eine Welt, in der David weiterlebt. Auf ihrem Blog gibt Renate Herzer täglich Einblicke in ihr Familienleben. Die Öffentlichkeit reagiert gespalten. Ein Fernsehteam besucht die Eltern, um einen Film über den „Fall David Herzer“ zu drehen. Die Schule will David nicht mehr am Unterricht teilnehmen lassen. Die Debatte eskaliert, als der YouTuber Tim Feels ein kritisches Video über den Umgang der Eltern mit ihrem verunglückten Sohn postet. „Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns“, sagt Renate in einem Interview. Sie kämpft gegen Hasskommentare und für das Weiterleben ihres Sohnes. Die mediale Resonanz legitimiert die Welt, die sich das Ehepaar geschaffen hat. Je mehr Aufmerksamkeit David bekommt, desto lebendiger scheint er zu werden.

Clemens J. Setz entwickelt in seinem neuen Stück ein düsteres Spiel über den Umgang mit dem Tod in unserer medialen Welt. Sind die Toten wirklich tot oder können sie im Virtuellen weiterleben? Wie beeinflusst die digitale Welt unsere Vorstellung von Unsterblichkeit? Gibt es eine digitale Unsterblichkeit, und was folgt daraus für unser „reales“ Leben? Was bedeutet Authentizität in einer Welt, in der sich jede:r vermeintlich „real“ im Netz darstellen kann?

Inszenierung: Nick Hartnagel
Bühne: Yassu Yabara
Kostüme: Tine Becker
Musik: Lukas Lonski
Licht: Stefan Maria Schmidt
Dramaturgie: Ingoh Brux, Sarah Tzscheppan
Choreografie: Stefanie Bloch

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Schauspiel Stuttgart

Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.

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Aufführungen / Oper Staatsoper Stuttgart Stuttgart, Oberer Schloßgarten 3
Aufführungen / Ballett Stuttgarter Ballett Stuttgart, Oberer Schloßgarten 6
Bildung / Werkstatt/Workshop WERKSTATTHAUS Stuttgart Stuttgart, Gerokstraße 7
Aufführungen / Theater Theater der Altstadt Stuttgart Stuttgart, Rotebühlstraße 89
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 3.12.2022, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
So, 4.12.2022, 17:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Do, 8.12.2022, 19:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Fr, 9.12.2022, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 10.12.2022, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Fr, 16.12.2022, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 17.12.2022, 19:30 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
So, 18.12.2022, 17:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Mo, 26.12.2022, 16:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Fr, 13.1.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 14.1.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
So, 15.1.2023, 17:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Fr, 20.1.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 21.1.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Do, 26.1.2023, 19:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Fr, 27.1.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 28.1.2023, 19:30 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Fr, 3.2.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 4.2.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
So, 5.2.2023, 17:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Do, 9.2.2023, 19:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Fr, 10.2.2023, 20:00 Uhr
Aufführungen / Theater LIMA-Theater
Sa, 11.2.2023, 19:30 Uhr
Aufführungen / Theater Theater tri-bühne Stuttgart Stuttgart, Eberhardstraße 61A
Aufführungen / Theater Theater Rampe Stuttgart Stuttgart, Filderstraße 47
Aufführungen / Theater LIMA-Theater Esslingen Esslingen am Neckar, Landolinsgasse 1
Aufführungen / Theater Wilhelma Theater Stuttgart Stuttgart, Neckartalstraße 9
Aufführungen / Varieté Friedrichsbau Varieté Stuttgart, Friedrichstraße 24

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