Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.
Sommersonnenwende, 21. Juni: Ein Haus mit großem Garten, viele Gäste, es duftet nach Rosmarin – was für ein herrlicher Abend! Isabel und Albert geben eine Party. Plötzlich steht Isabels Bruder Victor samt Familie und Hund auf der Terrasse! Wer hat die eingeladen? Isabel hat nach dem Tod ihres Vaters das Haus geerbt, Victors Familie den elterlichen Schlachthof und das gesamte Geld, „die Schweine“, denkt sich Albert. Zudem sind Isabel und Albert seit kurzem nicht mehr allein in ihrer großen Villa. Sie haben ein kleines Mädchen namens Amina aus dem Ausland aufgenommen und adoptiert. Soll diese „Fremde“ irgendwann etwa das gesamte Anwesen erben und alles, was dazu gehört stillschweigend „übernehmen“, graut es Victor und Patrizia. Doch es heißt Contenance bewahren, denn Familie ist Familie, und die kann man schließlich nicht ausladen. Aber warum ist eigentlich das Gartenhaus „besetzt“? Das war doch Vaters Mausoleum. Woher hat der Hund den Knochen und was verbirgt sich bloß in der blutigen Mülltüte? Zwischen Fleischbällchen, Tupperwaren und vielen Drinks offenbart eine Sommernacht heftige familiäre Auseinandersetzungen, bei denen niemand seinen Kopf verlieren möchte.
In Roland Schimmelpfennigs neuem Stück wird ein Familienfest zum Schauplatz von Reibungen, Zwängen und unbewussten Zerstörungslaunen. Die Macht der Familie und alter Rollen, in die man, längst erwachsen, wieder fällt, blitzen mal komisch, mal bedrohlich auf, bis die bürgerliche Fassade des vertrauten Heims unheimlich zu bröckeln beginnt. Dabei erzählt Schimmelpfennig nicht nur von familiären Konflikten, sondern auch von einer gesellschaftlichen Gegenwart, in der Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und vermeintlich schützenswertem Erbe zunehmend politisch aufgeladen werden und unterschwellig rechtes Denken in die Mitte eines liberalen Bürgertums zurückkehrt – nicht als plötzlicher Einbruch von außen, sondern als schleichende Verschiebung innerhalb vertrauter familiärer Strukturen: „Wie schön, dass ihr da seid!“
Inszenierung: Daniela Löffner
Bühne: Claudia Kalinski
Kostüme: Katja Strohschneider
Komposition: Matthias Erhard
Licht: Ralf Strobel
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 9
Termine
Sa 6.6.2026, 19:30 | Premiere
Mi 10.6.2026, 19:30
Di 16.6.2026, 19:30und weitere Termine
Do 18.6.2026, 19:30
So 5.7.2026, 19:30
Mi 15.7.2026, 19:30
Fr 17.7.2026, 19:30
Wer sind eigentlich „die Politiker“? Vieles kann man über sie sagen. Man kann sie loben, sie beschimpfen. Unter all den Projektionsflächen, die sich unserer Gesellschaft bieten, ist das Berufsbild von Politiker*innen besonders geeignet. Sie bieten unendlich viel Raum für Erwartungen, Interpretationen, Diskussionen, Emotionen, Wünsche und Enttäuschungen in all dem, was sie angeblich nicht können, was sie müssen, sollen oder überhaupt dürfen. Aber niemand kommt an ihnen vorbei, kann sich ihnen entziehen. Denn zu viel steht für uns auf dem Spiel. So denken wir jedenfalls. Und wie geht es den Politiker*innen selbst? Sind sie nicht auch sehr einsam und allein, da oben in der Schaltzentrale der Macht?
Man kann Die Politiker von Wolfram Lotz ein absurd-komisches Theatergedicht mit dadaistisch-verdrehten Betrachtungen nennen, einen assoziativen Gedankenstrom, einen Monolog eines lyrischen Ichs, ein Zwiegespräch mit offenem Ausgang oder einen ironischen Kommentar zu unserer Zeit. Der Autor selbst bezeichnet seinen Text hingegen als „Selbstgespräch am offenen Fenster“.
Wolfram Lotz hat seinen Theatertext 2019 geschrieben – also vor der Coronapandemie, dem Krieg in der Ukraine, dem Angriff der Hamas auf Israel und der Wiederwahl Trumps. Und dennoch hat er nichts an Aktualität eingebüßt, ganz im Gegenteil. Zwingender denn je ist die anhaltende Beschäftigung mit unseren Politiker*innen, drängt dieser Text auf die Bühne.
Inszenierung: Alexander Eisenach
Bühne: Stella Lennert
Kostüme: Claudia Irro
Musik: Benedikt Brachtel, Sven Michelson
Video: Oliver Rossol
Licht: Rudolf Schlegel
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 9
Termine
Do 18.6.2026, 19:30 | Premiere
Di 23.6.2026, 19:30
Mi 24.6.2026, 19:30und weitere Termine
Wart nur, bis ich was gemacht,
Recht was Großes, gib nur acht”
– Henrik Ibsen, Peer Gynt
Wenn die Scheinwerfer ausgeh'n, bin ich unsichtbar
Ich bin ein Superstar, Baby, das ist googlebar
– KIZ
Henrik Ibsen entwirft mit Peer Gynt einen Antihelden, der sich aller Mittelmäßigkeit zum Trotz selbst zum bedingungslosen Spektakel macht. Er hinterlässt uns damit eine Projektionsfläche für den modernen Geltungsdrang und den selbstsüchtigen Menschen unserer Zeit, der sich selbst verkauft, um gesehen und erinnert zu werden.
In dieser Überschreibung des Klassikers ist Peer Gynt eine Frau. Ihr Traum vom Erfolg beginnt mit ihrer Geburt und einem einzigen Wort: Ich.
Von da an entwirft sie ihr Leben als Projekt und sich selbst als Geschichte, die erzählt werden will. In der Show ihres eigenen Lebens, in der keine Andere als Peer die Hauptrolle spielen darf, begibt sie sich auf die Suche nach ihrer eigenen Größe.
Peer, Pop-Ikone seit Tag eins. Peer, die aufsteigt, rauscht, auf Händen getragen und gefeiert wird. Aber wofür eigentlich? Peer verwandelt die Menschen und Erlebnisse aus ihrem Leben in verwertbares Material und formbare Narrative, Figuren werden austauschbar. Aber was hat Peer eigentlich wirklich erreicht? Hat sich das alles gelohnt?
Persönliche Erinnerungen vermischen sich mit dem Phantasma eines Ichs zur Inszenierung eines spektakulären Biopics.
Denn eins ist sicher: wenn sich niemand an uns erinnert, hat es uns vielleicht nie gegeben.
Eine Kooperation mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
Inszenierung: Emma Scharff
Bühne: Lina Determann / Jette Schwabe
Kostüme: Paula Lindenmann, Emilia Parada Berger
Musik: Jel Woschni
Video: Nils Eberwein
Licht: Michael Frank
Text und Choreografie: Emma Scharff
Dramaturgie (Text): Armin Behrem
Dramaturgie (Produktion): Nina Brauch
Dramaturgie (Outside Eye): Linda Graf
Termine
Fr 19.6.2026, 19:30
Sa 20.6.2026, 19:30
Di 23.6.2026, 19:30und weitere Termine
Do 25.6.2026, 19:30
Fr 26.6.2026, 19:30
Sa 27.6.2026, 19:30
Do 2.7.2026, 19:30
Fr 3.7.2026, 19:30
Wie fies kann der Mensch sein? Seit seiner Uraufführung 1782 ergründet Schillers Sturm-und-Drang-Drama diese Kernfrage. Das Werk ist nicht nur eine Studie über Radikalisierungsprozesse, sondern auch über den – auch zurzeit häufig missbrauchten – Begriff der Freiheit: Ist Freiheit überhaupt ohne Gerechtigkeit und Gleichheit vorstellbar? Schillers Figuren diagnostizierten darüber hinaus eine unausweichliche Zeitenwende und sollten recht behalten. Während die jüngere Generation ihre Lebensentwürfe in der solidarischen Gemeinschaft revolutionärer Kreise und Aktionen in den Weiten der Wälder auslebt, verschanzt sich die ältere Generation hinter den selbst errichteten Mauern des zu vererbenden Vermögens. Franz Moor, Rationalist und Menschenfeind, versteht es außerordentlich gut, seinen schwachen Vater Maximilian gegen seinen nach humanistischen Idealen strebenden Bruder Karl aufzuhetzen. Das geht so weit, dass der Vater seinen Augapfel Karl enterbt. Karl wird zum Kopf einer Räuberbande, deren Idealismus jedoch im Laufe der Zeit jedes humanistische Maß verliert. Am Ende obsiegt statt der erhofften gesellschaftlichen Veränderung gegenseitiges Misstrauen. Und jene Kräfte gewinnen, die die Spaltung forcieren. Karls „Handwerk ist Widervergeltung“, das heißt, er will die Ungerechtigkeit in der Welt, die ihm widerfahren ist, ausgleichen. Doch zuvor muss er im Privaten damit beginnen: Sein Bruder treibt ein grausames Spiel mit Amalia, jener Frau, die Karl für seine Mission verließ.
Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Christopher Uhe
Live-Video: Tobias Dusche
Video: Hannes Francke, Ute Schall
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katja Prussas
Ab Klasse 8
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Termine
Sa 4.7.2026, 19:30 | Premiere
Do 9.7.2026, 19:30
So 12.7.2026, 19:30und weitere Termine
Do 16.7.2026, 19:30
Fr 17.7.2026, 11:00
Sa 18.7.2026, 19:30
Mo 20.7.2026, 11:00
Nicht am Ende der Welt, vielleicht an einem ihrer Ränder, in einer kleinen Karaokebar gleich um die Ecke, arbeiten die Kellnerin Marta und der Barkeeper Patrick. Sie leben mit ihren Stammkunden, hören deren kleine und große Geschichten: Veronika trifft einen Mann, der ihrem verstorbenen Vater erschreckend ähnlich sieht, Albert und Jeva verabreden sich hier ein letztes Mal nach ihrer Trennung und zwischen den Senior*innen Laura und Franz keimt beim ersten Date eine neue Beziehung. Marta selbst träumt vom Weggehen und einer Gesangskarriere. Just heute wird sie zu einem bedeutenden Wettbewerb eingeladen, während aus dem Radio die Warnung vor einem atomaren Angriff erklingt. Noch an diesem Tag verändert eine gewaltige Explosion alles, und sie werden von der Außenwelt abgeschnitten. Was aber bleibt, ist die Kommunikation untereinander. Die Schutz suchenden Gäste, unter ihnen die ukrainische Dokumentarfilmerin Lisa, teilen auf einmal alles miteinander – und mit der Kamera. In humorvollen und existenziellen Gesprächen eint sie zumindest die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und einen neuen Morgen in einer besseren Welt.
Maryna Smilianets schreibt für das Schauspiel Stuttgart unmittelbar im Schatten von Kriegen, in der Ukraine, in und um Europa. Sie zeigt, dass das Leben auch so schon kompliziert genug ist. Und dann gibt es noch Kriege, Pandemien und verrückte Diktatoren, die mit Atomwaffen drohen. Mit Humor und Ironie erzählt sie von einer Welt, in der es mehr denn je auf Freundschaft, Liebe, Mitgefühl und gegenseitige Verantwortung ankommt.
Inszenierung: Stas Zhyrkov
Bühne: Jan Hendrik Neidert
Kostüme: Lorena Díaz Stephens
Musik: Bohdan Lysenko
Licht: David Sazinger
Dramaturgie: Philipp Schulze
Bewertungen & Berichte Willkommen am Ende der Welt
Installation
Black Box. Phantomtheater für 1 Person
von Stefan Kaegi / Rimini Protokoll
Monatelang standen die Theater leer. Aufführungen vor gefüllten Sälen waren bis auf Weiteres nicht möglich. Ausstellungsbesuche durch Einzelpersonen waren dagegen erlaubt. Folgerichtig wird die Black Box Theater zum White Cube Museum und stellt sich selber aus: das Phänomen, dass hier Menschen zusammenkamen, um Kunst zu sehen. In den leeren Räumen hallt nach, was die Menschen hier verband – Gefühlsstürme, Lacher, Tränen und Applaus.
Aber was bleibt von einer flüchtigen Theateraufführung überhaupt zurück? Aufzeichnungen, Kritiken und selbst Regiebücher bilden nur einen Teil der Aufführung ab. Hormone, Gerüche, Textur haben andere Spuren hinterlassen. In ihrer Leere entwickeln Zuschauerraum, Bühne, Garderoben und Lichtbrücken den Charme von Ruinen: Post-Spektakel. Die Bühne und ihre Umgebung als temporäre Ruine einer rituellen Versammlungsstätte. Eine Archäologie der Repräsentation von Gesellschaft. Schicht für Schicht abgetragen gibt das Gebäude den Blick frei auf das, was Theater war, ist, sein kann.
Wie viel davon ist technisch simulierbar, reproduzierbar, synchronisierbar? Was ist, wenn sich die Weltsimulationsmaschine Theater von selbst in Bewegung setzt und das Publikum ins Zentrum des Geschehens rutscht?
Covid-19 macht möglich, was sich sonst kein Schauspielhaus erlauben könnte: Ein ganzes Haus spielt für eine Person. Wie Tarkowskis Stalker gehen die Zuschauer*innen vorsichtig durch die Flure, mit Kopfhörern und Handschuhen treten sie durch die leeren Reihen im Zuschauerraum auf die Hinterbühne und betreten das Labyrinth der Fiktionsmaschine. Die Black Box öffnet sich den rekonstruierenden Forscher:innen und stellt die Frage: Wo sind die anderen? In Zeiten von sozialer Distanz und Isolation gilt es hier zu entdecken was Gemeinschaft bedeutet. Erinnerung funktioniert wie ein Palimpsest aus vielen Schichten. Stefan Kaegi von Rimini Protokoll nimmt Expert*innen für politische Gemeinschaft, Simulation und Erinnerung auf; Menschen, deren Leben mit diesen Räumen und der Idee von Theater verbunden sind: Maskenbildner*innen und Souffleure, Ensemblemitglieder und Philosoph*innen… Zwischen ihren binaural im Raum inszenierten Stimmen und ortsspezifischen Klängen entsteht eine Fährte durch den Körper des Theaters, die en passant zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft werden könnte.
Die Veranstaltung ist nicht barrierefrei. Bitte beachten Sie, dass nur zum Teil Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen.
Konzept, Skript und Inszenierung: Stefan Kaegi / Rimini Protokoll
Sounddesign: Nikolas Neecke
Ton: Marian Hepp
Dramaturgie: Carolin Losch, Aljoscha Begrich
Ab Klasse 9
Für unseren Audiowalk ist ein gutes Verständnis der deutschen Sprache Voraussetzung.
Dauer: ca. 1:35 Std, keine Pause
Termine
Do 28.5.2026, 19:00
Do 4.6.2026, 19:00
Do 11.6.2026, 19:00und weitere Termine
Bewertungen & Berichte Black Box. Phantomtheater für 1 Person
Schauspiel
Gelbes Gold
von Fabienne Dür
Ana kommt zurück nach Hause: Von der Stadt, wo sie studiert, in die Provinz, wo sie aufgewachsen ist. Wie lange ist sie zu Besuch, und warum eigentlich? Sie weiß es selbst nicht ganz genau.
Sie war lange nicht mehr hier, in dieser Plattenbausiedlung in der Kleinstadt. Auch ihren Vater Fritz, der eine Pommesbude betreibt, hat sie schon lange nicht mehr besucht.
Auf den ersten Blick hat sich wie immer nichts verändert: Fritz verkauft Pommes und ist noch immer auf der Suche nach der perfekten Rezeptur.
Mimi, seine Partnerin, steht hadernd aber treu an der Fritteuse. Auch Anas Kindheitsfreundin Juli ist noch hier. Sie ist eben hier geblieben.
Und doch scheinen sich nicht nur Zeit und Entfernung zwischen Ana und den Ort ihrer Herkunft samt den Menschen dort geschoben zu haben.
Fabienne Dür zeichnet einen sozialen Mikrokosmos rund um Fritz‘ Pommesbude, in der alle auf ihre Art zwischen Aufbruch und Stillstand schwanken, zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung und der Hoffnung auf ein besseres Leben – oder einfach ein anderes.
Inszenierung: Johanna Rödder-Mikow
Bühne: Greta Heithoff
Kostüme: Luisa Windisch
Dramaturgie: Linda Graf
Alle Jahre wieder feiert Familie Höller mit ihren Lieben: In schwarzer Uniform und zu den Klängen von Beethovens 5. Sinfonie wird des Geburtstags des ehemaligen NS-Reichsinnenministers und Hauptverantwortlichen des Holocaust Heinrich Himmler gedacht; und bei diesem Ritual möchte die Familie lieber keine Zeug*innen, denn Rudolf Höller ist als Gerichtspräsident eine wichtige Person des öffentlichen Lebens und steht kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand. In der schweren Zeit nach dem Krieg musste sich der frühere SS-Offizier bei seiner Schwester Vera verstecken. Jedes Jahr schwelgen die beiden nun in Erinnerungen an die gute alte Zeit. Nur die schutzlos ausgelieferte und seit einer Bombennacht im Rollstuhl sitzende Schwester Clara versucht, sich den Phantasmen ihrer Geschwister mit beredtem Schweigen zu widersetzen. Als einst vehemente Sozialistin ist sie dafür heftigen Gegenangriffen ausgesetzt. Denn die private Erinnerungskultur über den Familienalben darf nicht durch Auschwitzfotos oder Bemerkungen zu Rudolfs Aufgaben als stellvertretender KZ-Kommandant getrübt werden.
Thomas Bernhard (1931 ̶ 1989) thematisiert mit sarkastischem Ton die eingeschriebenen Mechanismen des Nationalsozialismus und die nachwirkenden Effekte autoritärer Strukturen. Seine bitterböse „Komödie“ Vor dem Ruhestand wurde durch die Enthüllungen der NS-Vergangenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger angeregt. Der Stuttgarter Intendant und Regisseur Claus Peymann engagierte sich immer wieder politisch und sammelte nach den RAF-Anschlägen u. a. Spenden für die medizinische Behandlung der in Stammheim inhaftierten Gudrun Ensslin. Die CDU Baden-Württembergs forderte seine fristlose Entlassung. In der Diskussion um Peymann hatte sich auch Hans Filbinger vehement gegen den Theaterdirektor ausgesprochen.
Vor Peymanns vorzeitigem „Stuttgarter Ruhestand“ aufgrund seiner vielen politischen Äußerungen brachte er noch 1979 Vor dem Ruhestand in Stuttgart zur Uraufführung.
Inszenierung: Martin Kušej
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Heide Kastler
Komposition: Bert Wrede
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Benjamin Große
Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek
nach einer Übersetzung von Karin Rausch
Es ist Social Season im viktorianischen London und die High Society strömt aus ihren Landhäusern in die Stadt. Auf Parlamentssitzungen und Bällen, zwischen Finanzdiskurs und Streichquartett lässt sie dort politische Agenden und private Interessen verschmelzen. Mittendrin Sir Robert Chiltern, Staatssekretär im Auswärtigen Amt – von vielen für seine makellose Karriere bewundert, von seiner Frau für seinen integren Charakter zum Ideal stilisiert. Doch holt diesen scheinbar idealen Mann eines Abends auf einem ausladenden Empfang in seiner städtischen Villa die Vergangenheit ein, als eine gewisse Mrs. Cheveley plötzlich unter den Gästen auftaucht. Zielstrebig verwickelt sie ihren Gastgeber in ein Gespräch über ein dubioses Kanalprojekt, in das sie investiert hat und zu dessen politischer Unterstützung sie Chiltern überreden will. Ihr schlagendes Argument: ein Brief, der Amtsverrat als Ursprung seines finanziellen Erfolgs offenlegt. Die Erpressung zwingt den Politiker zur Wahl zwischen öffentlichem Ruin und dem Bruch seiner Ehe und seiner Prinzipien – eine Entscheidung, der er sich mit allen Mitteln zu entziehen versucht.
Elfriede Jelinek kleidet Oscar Wildes süffisant satirische Gesellschaftskomödie in die ihr eigene, gnadenlos harte Sprache voller entlarvendem Wortwitz. Gekonnt spitzt sie die ohnehin erschreckende Aktualität der Geschichte über Politik und Moral, Korruption und Lobbyismus zu.
Inszenierung: Marco Štorman
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Yassu Yabara
Musik: Imre Lichtenberger Bozoki
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Philipp Schulze
Dramaturgische Beratung: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 10
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 2:05 Std., keine Pause
Termine
Di 9.6.2026, 19:30
So 28.6.2026, 18:00
Mi 8.7.2026, 19:30
Allzu oft stellen wir uns die existenzielle Frage, ob Ereignisse in unserem Leben auch hätten anders verlaufen können und für welche Version wir uns final entscheiden würden, wenn wir die Wahl hätten. In ihrer brillanten Komödie zeigt die französische Dramatikerin Yasmina Reza drei Versionen desselben Abends und fächert gewohnt genussvoll bürgerliche Arbeits- und Liebesbeziehungen unserer Zeit auf. Apfel statt Keks! Mit diesem Kompromiss versuchen Sonia, Anwältin, und Henri, Astrophysiker, ihr plärrendes Kind Arnaud nach dem abendlichen Zähneputzen in Schach zu halten, um im Homeoffice ihrer juristischen und wissenschaftlichen Arbeit nachgehen zu können. Sie geraten über diese Kompromissfindung in ein pädagogisches Wortgefecht, bis es plötzlich klingelt. Ines und Hubert Finidori, Henris Chef und dessen Gattin, stehen überraschend einen Tag zu früh vor der Tür. „Quelle catastrophe“ für Henri und Sonia zwischen leerem Kühlschrank und Casual-Look. Hemmungslos stopft sich im weiteren Verlauf des Abends Hubert mit dem eiligst aufgetischten Fingerfood voll, während Ines sich für die Kaltgetränke begeistern kann. Der Abend gerät aus den Fugen, als Hubert die Bombe platzen und Henri wissen lässt, dass sein Artikel, an dem er seit mehr als drei Jahren akribisch arbeitet, thematisch bereits von einem mexikanischen Forscher veröffentlicht wurde.
Drei Mal Leben, das 2001 gleichzeitig in Paris und Wien uraufgeführt wurde, ist ein urkomischer Kampf zweier ungleicher Paare. Reza verortet sie zwischen Hybris und Irrsinn und erzählt gnadenlos wortwitzig über Eheprobleme und Karriereplanungen, über Erwartungen und Frustrationen in der Mitte des Lebens.
Inszenierung / Bühne: Andreas Kriegenburg
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Katja Prussas
Ab Klasse 10
Dauer – ca. 1:30 Std., keine Pause
Termine
Do 28.5.2026, 19:30
Fr 29.5.2026, 19:30
Ort
Schauspiel Stuttgart
Oberer Schloßgarten 6
D-70173 Stuttgart
Gastspiel in Winterthur
von William Shakespeare
Deutsch von Jürgen Gosch und Angela Schanelec
Etwas ist faul im Staate Dänemark. Unlängst ist der alte König verstorben, es heißt, eine Schlange habe ihn gebissen, während er im Garten schlief. Zurück lässt er ein Land im wachsenden Konflikt mit seinem norwegischen Nachbarn, eine Witwe, die ihren Schwager ehelicht, und inmitten all dessen seinen Sohn, den jungen Prinzen Hamlet. Die Nachricht vom Tod seines Vaters reißt ihn aus seinen Studien in Wittenberg und führt ihn zurück an den heimischen Hof von Helsingör. Als man ihm dort zuträgt, der Geist des verstorbenen Königs erscheine Nacht für Nacht auf den Mauern der Burg, sucht er ihn auf, um so die wahren Umstände seines Todes zu erfahren. Von seinem Bruder und Thronfolger Claudius, Hamlets Stiefvater, hinterlistig ermordet, fordert der Geist seinen Sohn zur Rache auf. Innerlich zerrissen, beschließt Hamlet, fortan Wahnsinn vorzutäuschen, um dem Argwohn seiner Familie und des Hofes zu entgehen. Polonius, Vertrauter des neuen Königs Claudius, vermutet zunächst, dass die Liebe zu seiner Tochter Ophelia der Grund für Hamlets Wahn sei. Während Hamlet alles daran setzt, die Schuld seines Stiefvaters zu beweisen, versucht das Königspaar, dem Prinzen nachzustellen. Im Kampf zwischen Aufklärung und Vertuschung überschlagen sich die Ereignisse, und nach und nach verfangen sich die Figuren im tödlichen Netz der Intrige.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Kampfchoreografie: Annette Bauer
Video: Sebastian Pircher
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weill (Musik)
Unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann
Unterweltgröße Macheath, genannt Mackie Messer, verfügt über wahrhaft gute Kontakte zu seinem alten Kriegskameraden und amtierenden Polizeichef Brown. Daher bleiben er und sein Clan trotz zahlreicher Verbrechen im Kessel der Großstadt weiterhin auf freiem Fuß. Auch privat könnte es für den „Gentlemanganoven“ nicht besser laufen. Hals über Kopf hat er sich mit Polly Peachum vermählt. Sie ist nicht nur seine neuste Eroberung, sondern auch die Tochter des legendären Bettlerkönigs Jonathan Jeremiah Peachum, Besitzer der Firma „Bettlers Freund“. Mackie will das traditionelle Geschäftsimperium der neuen Schwiegereltern klammheimlich an sich reißen. Seine sexuelle Freizügigkeit samt Lügenkonstrukt bringen ihn jedoch zu Fall und schlussendlich vor ein Gericht. Kann die Justiz im Gerichtsverfahren Macheaths lustvollem Spiel mit Varianten menschlicher Niedertracht (Korruption, Vetternwirtschaft, Kriegstreibereien, Profitgier, Betrug, Verrat und Mord) Einhalt gebieten? Oder hängen nicht vielmehr alle in der Stadt irgendwie in der Sache mit drin?
Ungezügelte Leidenschaft & True Crime: Die Dreigroschenoper. Mit provozierender, sinnlicher und simpler Kraft glückte dem anarchistischen Trio und wohl ersten Theaterkollektiv des 20. Jahrhunderts Brecht, Hauptmann und Weill 1928 am Theater am Schiffbauerdamm ein Überraschungscoup. Kurt Weill sampelte für seine Komposition u. a. Elemente des Jazz mit Tanz- und Jahrmarktsmusik und erfand musikalische Parodien auf die europäische Opern- und Operettentradition. Weills musikalische Klangfülle und Experimentierfreudigkeit erweiterte Brechts krude und widersprüchliche Geschichte samt seinen sinnlich-lebendigen Typen. Elisabeth Hauptmann wiederum ist es zu verdanken, dass Die Dreigroschenoper ihren Weg auf die Bühne fand.
Inszenierung: Viktor Bodó
Musikalische Leitung: Klaus von Heydenaber
Bühne: Zita Schnábel
Kostüm: Hanna Erös
Choreografie: Eva Duda
Video: Vince Varga
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Katja Prussas, Anna Veress
Dauer – ca. 2:55 Std, eine Pause nach ca. 1:50 Std
Termine
Sa 30.5.2026, 19:30
So 7.6.2026, 19:30
Mo 8.6.2026, 19:30und weitere Termine
Do 25.6.2026, 19:30
Mo 6.7.2026, 19:30
Fr 10.7.2026, 19:30
Di 14.7.2026, 19:30
von Michael Ende
Für die Bühne bearbeitet von John von Düffel
Oft entsteht aus einem einzelnen, leuchtenden Sandkorn eine neue Welt. Diese wunderbare Erfahrung macht auch Bastian Balthasar Bux. Er ist ein wahrer Bücherfreund, der es liebt, mithilfe von Geschichten der Realität zu entwischen. Als er wieder einmal vor seinem sorgenvollen Alltag türmt und zufällig im Theater landet, entdeckt er ein Buch, dessen Buchdeckel zwei ineinander verschlungene Schlangen schmücken – ein Symbol zweier Welten, die ohneeinander nicht existieren können. Alsbald durchwandert er darin die Wunderwelt Phantásiens: ein Land ohne Grenzen, das von einem unheimlichen „Nichts“ bedroht wird, das alles verschlingt. Der tapfere Atréju, sein Pferd Artax und der Glücksdrache Fuchur erhalten den gefährlichen Auftrag, der sterbenskranken Kindlichen Kaiserin zu helfen. Sie sollen eiligst nach einem Menschenkind suchen, das ihr einen neuen Namen geben und so den nahenden Untergang Phantásiens verhindern kann. Gibt es irgendwo für all die Felsenbeißer, Schlamuffen, Rennschnecken, Irrlichter und für die uralte Morla Hilfe? Und welches Spiel spielen der Werwolf Gmork und die Riesenspinne Ygramul? Mehr und mehr verweben sich für Bastian Balthasar Bux Wirklichkeit und Fantasie ...
Inszenierung: Nora Bussenius
Bühne: Christin Vahl
Kostüme: Sebastian Ellrich
Musik: Günther Lehr
Video-Projektionen: Katrin Bethge
Licht: Marc Döbelin
Dramaturgie: Katja Prussas
Ab Klasse 2
Dauer: ca. 1:15 Std., keine Pause
Eine Kooperation mit der HMDK Stuttgart & HfMDK Frankfurt am Main
Termine
Mi 10.6.2026, 10:00
Do 9.7.2026, 10:00
Di 14.7.2026, 10:00
Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der erste Auschwitz-Prozess statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Die Konfrontation mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen war für das Land und die Politik in den Sechzigern prägend. Peter Weiss hat in seinem dokumentarischen Theaterstück diesen Prozess dargestellt und zu einem „Oratorium“ verdichtet. In elf Gesängen treten Zeug*innen, Angeklagte, Richter und Verteidiger auf, die das, was in Auschwitz geschah, schildern. Täter und Opfer werden miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht auf die Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Berichtet wird ebenso von der totalen Entmenschlichung im Lager und dem Versuch zu überleben wie von dem Verschweigen, Leugnen und Verdrängen der Täter. Knapp zwei Jahre dauerte der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess, bei dem Deutsche über Deutsche zu Gericht saßen. Peter Weiss nahm als Zuschauer an dem Prozess teil. Sein Theaterstück basiert auf den Protokollen des Prozesses. Die Ermittlung ist eines der erfolgreichsten deutschen Theaterstücke der Nachkriegszeit. 1965 wurde der Theatertext gleichzeitig an 15 west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company in London uraufgeführt.
Die Ermittlung wird im Landtag und an weiteren Orten im Stadtraum gezeigt.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 10
Dauer: ca. 2:05 Std., keine Pause
Termine
Fr 12.6.2026, 19:30
Sa 13.6.2026, 19:30
Sa 20.6.2026, 19:30und weitere Termine
So 21.6.2026, 16:00
Sa 25.7.2026, 19:30
So 26.7.2026, 18:00
Kafkas Erzählung Der Bau ist das Protokoll einer unterirdischen Welt, in der Glück und Paranoia eng verschwistert sind. Er beschreibt eine Art Menschentier, eben ein kafkaeskes, denkendes Tier. Das Wesen lebt in einem gedanklichen Kreuzzug, im permanenten Ausnahmezustand, gerichtet gegen die Außenwelt, gegen mögliche Eindringlinge, gegen das Fremde. Das kleinste Geräusch ist Maximal-Stress für den Erschaffer. Der Bau ist eine Parabel über die Gesellschaft, die permanent Risiken schafft, indem sie diese zu verhindern sucht. Wie in allen Erzählungen Kafkas treiben die Konsequenzen ihres Handelns und Denkens die Wesen, Tiere, Menschen, Männer unerbittlich vor sich her, meist verlassen von jeglichem Realitätssinn.
Regie und Einrichtung: Max Simonischek*
Bühne: Besim Morina
Kostüme: Modedesign Basman & Joel Basman
Beratung Sound: Daniel Freitag
Beratung Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Es beginnt mit einem Verlust. Dem Verlust von Büchern, von vielen, sehr vielen Büchern, einer ganzen Bibliothek. Wie es dazu kam, dass einem Schriftsteller seine ganzen Bücher verloren gingen – davon und von noch viel mehr erzählt Thomas Melle in seinem Roman Die Welt im Rücken. Es ist die Chronik einer bipolaren Erkrankung, das fesselnde und atemberaubende Manifest eines schreibenden Ichs. Melles Roman ist eine literarische Wucht, poetisch, hochkomisch, dramatisch, präzise.
Das Leben als Rausch, als Party, als Superstar mit Höhenflügen, Allmachtfantasien und dem Absturz ins Bodenlose, in die Stille, in die Leere, und das Nichts … Dann, ganz langsam, ein leiser, zaghafter Neubeginn. Die Manie wechselt in die Depression, in eine Phase der Normalität und wieder in die Manie … Auch das Schreiben hält nicht inne – es versucht, das, was passiert, schonungslos in Sprache festzuhalten, des Ungeheuerlichen habhaft zu werden, es in ein Verhältnis zu setzen. Thomas Melle erzählt von der Versehrtheit eines Ichs, das sich zwischen Selbstkonstituierung, Erinnerung und Auslöschung nirgendwo einrichten kann. Da darf auch Arno Schmidt nicht fehlen: „Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.“
Inszenierung: Lucia Bihler
Bühne: Paula Wellmann
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Sixtus Preiss
Choreografie: Björn Leese
Outside Eye: Mats Süthoff
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Für die beiden ist es wie ein Spiel. Fast. Das Akademikerehepaar George und Martha spielt es wieder und wieder, nur scheinen sie sein Ziel längst vergessen zu haben. Für Gesellschaft eignet es sich auch nicht, wie sich schnell zeigt, als der junge Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey eines Nachts hineingezogen werden. Eine Beleidigung jagt darin die nächste, keine Blamage, keine Bloßstellung bleibt dem Gegenüber erspart – ein Ehegefecht von fulminantem Ausmaß. Und das nach einem ohnehin schon langen, alkoholgetränkten Abend. Es ist nach zwei, als George und Martha von einer Universitätsfeier in ihre Wohnung stolpern und sie ihm eröffnet, sie erwarte noch Gäste. Nur eine letzte Warnung gibt George ihr noch mit, bevor es schon an der Tür klingelt: Den gemeinsamen Sohn solle sie nicht erwähnen. Die Nacht und der Alkohol fließen dahin, es häufen sich die üblen Anekdoten, Fakt und Fiktion verschwimmen im Kampf um die größtmögliche Erniedrigung des Gegenübers. Rasch werden Nick und Honey von Zaungästen zu unfreiwilligen Mitspieler*innen, bis sich schließlich zwischen den Trümmern jeglicher Illusion die Sonne zu einem neuen Tag erhebt.
Edward Albees abgründiges Kammerspiel von 1962 hat sich längst als moderner Klassiker etabliert. Schonungslos zeichnet er das Schicksal eines Paares, gefangen zwischen bitterer Realität und haltlosen Lebenslügen – ein Dilemma, das in seiner Aktualität weit über partnerschaftliche Sphären hinausreicht.
Inszenierung: Tina Lanik
Bühne: Stefan Hageneier
Kostüme: Heidi Hackl
Komposition: Jörg Gollasch
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Philipp Schulze
Bewertungen & Berichte Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Show
Spielplananalyse 25/26
von und mit Harald Schmidt
Wann kommt der Witz mit der Cordhose? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Spielplananalyse 25/26. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer, die den Megahit des Staatsschauspiels (Platzausnutzung im Bereich von DDR-Wahlergebnissen) auch in der kommenden Spielzeit sehen wollen, wissen: Hier wird Bewährtes auf die Bühne gebracht, gerade in Zeiten von Disruption und KI ein geradezu staatstragender Vorgang. Das Konzept des Abends wurde verlässlich beibehalten, gut abgehangene Texte aus alten Zeiten aufgehübscht mit neuen Jahreszahlen im Titel. Während der ersten 20 Minuten des Frontalunterrichts in einfacher Sprache wird auch in der kommenden Saison wieder Aktualität suggeriert, vorwiegend durch raffiniertes Namedropping aus den Bereichen Kultur, Sport und Politik, wobei auch Privatinsolvenz und U-Haft immer mehr ins Rampenlicht rücken, schließlich stehen in Baden-Württemberg Landtagswahlen bevor. Aber natürlich – auch der Spielplan des Hauses nimmt breiten Raum ein. In den letzten Minuten des Abends werden traditionell Stücktitel und Künstlernamen heruntergerattert, nicht selten mit einer gewissen Atemlosigkeit als Brücke zum frenetischen Schlussapplaus. Gerade langjährige Abonnent*Innen sind im Innersten berührt davon, wie zukunftsweisend bei diesem PROJEKT zeitgenössische Autoren (m/w/d) und Klassiker (m) im postökonomischen Narrativ und herrschaftsfreien Diskurs gespiegelt werden.
All systems fail.
PS: Der Flügel bleibt auf der Bühne.
– Harald Schmidt
*PPS: Am 26. Juni gibt es eine Spielplananalyse Spezial mit Cornelius Meister: Rückblick auf acht meisterliche Jahre.
– Schauspiel Stuttgart
Das Foyer im Kammertheater – ein Ort unbegrenzter Möglichkeiten. Auf dem steilen Weg zur Hochkultur unumgänglich und trotzdem meistens nur daneben. Hier dient das grüne Laminat als Spielwiese für die Kreativität unserer Assistierenden, die dort wieder und wieder ihre Spontaneität und Experimentierfreude unter Beweis stellen. Keine Ausgabe ist jemals so, wie es die letzte hätte vermuten lassen. Jeder Besuch lohnt sich – es wird garantiert einmalig!
Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.