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Ereignisse / Festival Stuttgart Barock Festival 25. bis 28.4.2024
Literatur | Lesung

Libretti lesen: Who the hell is Dora?

Oper Stuttgart

Sie lieben es, zu lesen und sich ebenso leidenschaftlich mit anderen über Ihre Lektüre auszutauschen? Sie gehen gern in die Oper – oder haben vor, endlich einmal eine Vorstellung zu besuchen? Im neuen Literaturclub der Staatsoper Stuttgart wollen wir vorab Libretti lesen und in entspanntem Rahmen bei einem Getränk über das Gelesene sprechen. In den kommenden Monaten stehen einige Opern auf dem Spielplan, die nicht nur musikalisch gehaltvoll sind, sondern die auch auf literarischer Ebene viel Anregung für Diskussionen bieten. Texte von Buchpreisträger Frank Witzel, Hugo von Hofmannsthal, Friedrich Schiller oder Bertolt Brecht bilden die Grundlage der Aufführungen im Opernhaus – und auch über diese Texte hinaus gibt es eine Menge an Literatur zu diesen Werken zu entdecken. Gastgeber*innen sind dabei literaturbegeisterte Mitarbeitende des Hauses. Dabei wird jedoch auf Augenhöhe und gemeinschaftlich diskutiert – denn die Teilnehmenden bestimmen zusammen, was gelesen wird. Den Auftakt macht der Text zur Uraufführung von Dora, einer neuen Oper von Bernhard Lang auf ein Libretto des Schriftstellers Frank Witzel. Im Rahmen des Literaturclubs erhalten Sie bereits vor der Premiere die Gelegenheit, das Libretto zu lesen und sich darüber auszutauschen. Achtung, begrenzte Teilnehmerzahl! Zugang zum Nebenraum der Kantine über den Kantineneingang im Verbindungsbau zwischen Opern- und Schauspielhaus Anmeldung erforderlich über oper@staatstheater-stuttgart.de!
Literatur | Lesung

Der gute Gott vom Zürich­see

Schauspiel Stuttgart

Mein Lieber, warum kommst Du mir trotzdem wie ein Geliebter vor – und doch wie ein Feind heute? Ich will aber nicht kalt mir Dir reden und mit Dir rechten, um mich erhalten zu können. Ich will das wirklich nicht und komme gleich, nachsehen, wie Du daliegst und weiterhaderst mit mir – oder vielleicht liebst Du mich und es kommt Tauwetter. Deine Ingeborg P.S: Come prima. [IB: 46] O Du! Nun also bist Du, mauve ou jaune, rauschend in deinem Abendkleid und nackten Rückens, umwimmelt von Leuten, hochstrahlend und hold dass ein jeder, der es nicht gewagt hat, sich einbildet, er hätte dich heiraten wollen. Okay! Ich bin noch nie so eifersüchtig gewesen wie auf Dich, dabei so gleichgültig wie einer, der morgen oder übermorgen hingerichtet wird. Ich bin so randvoll von Tod manchmal, drum mein unnettes Schweigen, als du wegfuhrst ... [MF: 47] Mai, 1958. Für eine Fernsehproduktion von Biedermann und die Brandstifter verweilt Max Frisch in Hamburg als er auf Ingeborg Bachmanns Hörbuch Der gute Gott von Manhattan stößt. Er ist beeindruckt und schreibt der promovierten Autorin und Preisträgerin der Gruppe 47 umgehend einen Brief, in dem er seine Faszination für ihr Schaffen ausdrückt. Bachmanns Antwort ist der Start einer der spektakulärsten Briefwechsel der Literaturgeschichte. Die rund 300 überlieferten Schriftstücke dokumentieren das Leid und die Lust zweier Berühmtheiten ihrer Zeit, deren Liaison vier Jahre lang halten wird. Bezeugt wird dabei die Geschichte einer offenen (Fern-)Beziehung, um die sich zahlreiche Mythen ranken, auch weil sie nicht zu wenige verworrene Spuren im literarischen Schaffen beider hinterlassen hat. Die Briefe zeigen die enge Verknüpfung von Leben und Werk, sie sind intime Mitteilungen und zugleich Weltliteratur. Wir haben es nicht gut gemacht (Piper & Suhrkamp, 2022) liefert einen noch nicht dagewesenen Einblick in die komplexe bisweilen kontroverse Beziehung sowie den produktiven Schaffensaustausch zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch.
Literatur | Lesung

Lichtspiel

Schauspiel Stuttgart

mit Daniel Kehlmann Moderation: Sandra Richter 2021 hielt er im Literaturhaus die erste Stuttgarter Zukunftsrede, nun liegt sein neuer Roman Lichtspiel vor – ein Roman über G. W. Papst, einen großen Filmregisseur der Weimarer Republik, und zugleich ein Roman über Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei. Zur Machtergreifung Hitlers dreht G. W. Pabst noch in Frankreich, flieht dann nach Hollywood, um schließlich doch wieder in seiner Heimat Österreich zu landen, die nun Ostmark heißt. Die barbarische Natur des Faschismus spürt die heimgekehrte Familie mit aller Deutlichkeit. Doch der Propagandaminister in Berlin will das Filmgenie haben. Während Pabst noch glaubt, dass er dem Werben widerstehen, dass er sich keiner Diktatur als der der Kunst fügen wird, ist er schon den ersten Schritt in die rettungslose Verstrickung gegangen. Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren, wurde für sein in zahlreiche Sprachen übersetztes Werk vielfach ausgezeichnet. Sein Roman Die Vermessung der Welt war eines der erfolgreichsten deutschen Bücher der Nachkriegszeit, und auch sein Roman Tyll stand monatelang auf den Bestsellerlisten und gelangte auf die Shortlist des International Booker Prize. Daniel Kehlmann lebt in Berlin. In Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart
Literatur | Lesung

Deborah Feldman: Judenfetisch

Schauspiel Stuttgart

Was bedeutet „Jüdischsein“ heute? Deborah Feldman, von Holocaust-Überlebenden in den USA erzogen und ausgerechnet nach Deutschland emigriert, schreibt über einen Begriff, der immer auch eine Zuschreibung, eine Begrenzung, eine Projektion ist, im Negativen wie im Positiven. Ihre Auseinandersetzung mit ihrem kulturellen Erbe — und der damit verbundenen Last — beinhaltet auch das Bestreben, das Jüdischsein in etwas Größeres, Diverseres, Humaneres einzubinden. Es ist ein Plädoyer für mehr Gemeinsamkeit über Grenzen hinweg — und eine Ermutigung an alle jene, die sich aus der Falle von Gruppenzwängen befreien wollen, um ihre Identität frei und selbstbestimmt zu definieren
Literatur | Lesung

Borschtsch. Ein Überlebensrezept meiner Urgroßmutter

Schauspiel Stuttgart

In der Übersetzung von Lydia Nagel In kurzen, schlaglichthaften Episoden beschreibt Maryna Smilianets, ukrainische Dramatikerin und Artist in Residence des Schauspiel Stuttgart, den plötzlichen Einbruch des russischen Angriffskriegs in ihrer Heimat. Die Figuren versuchen die neue Lebensrealität auf unterschiedliche Weise zu akzeptieren und sich darin zurechtzufinden. Galgenhumor und Borschtsch sind jedoch für alle probate Hilfsmittel, um dem Schmerz und der Trauer etwas entgegenzusetzen. Die Rote-Bete-Suppe wird in Smilianets´ neuem Stück zu einer Art Lebenselixier und zum Symbol des nationalen Zusammenhalts, der Tradition und des Widerstands. Ein Sohn versucht seine Mutter zur Flucht zu bewegen. Sie möchte das Land jedoch nicht verlassen, zumindest nicht jetzt, denn ihre Katze wird bald Junge kriegen. In der Sowjetunion sozialisiert, kann sie sich außerdem nur schwer vorstellen, dass die Russen zu Feinden werden könnten. Ein Lehrer versucht seine Schülerin vom Selbstmord abzuhalten. Traumatisiert von einer Begegnung mit den russischen Soldaten, zweifelt sie daran, dass es für sie ein Leben nach dem Krieg geben kann. Eine einsame Witwe beginnt mit ihrem Hund zu sprechen. Aus Angst, dass ihr das Futter für das Haustier ausgehen könnte, hofft sie darauf, dass die Truthähne auf der nahegelegenen Farm verhungern, damit sie die Vögel an ihren Hund Tapsi verfüttern kann. Die Überlebensstrategien dieser Menschen sind so vielfältig wie die Zubereitungsweisen von Borschtsch. Für das Nationalgericht existieren nämlich mindestens so viele unterschiedliche Rezepte, wie es Familien in der Ukraine gibt. Im Anschluss an diese Lesung findet ein Gespräch mit der Autorin Maryna Smilianets statt. Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts Ukraine
Literatur | Lesung

zu zweit

Schauspiel Stuttgart

Es ist Nacht und er kann nicht einschlafen. Auf das Dach schlägt der Regen. Irgendwann steht er auf und geht die Treppe hinunter. Kniehoch steht das Wasser im unteren Stock. Schuhe, Kleider, Kissen schwimmen darin. Aus der Ferne ist ein Hubschrauber zu hören. Er zieht sich Stiefel an und geht hinaus. Eine Frau hat sich auf ein Floß gerettet. Sie treibt auf dem wilden Fluss, die Ufer gezeichnet von der Zerstörung. Alles, was sie immer für andere war, hilft ihr jetzt nicht mehr. Sie ist auf sich allein gestellt. Das Floß lässt sich nicht steuern, genauso wenig wie ihre Angst. Simon Strauß’ Novelle erzählt von einem Ausnahmezustand, einer Welt ohne festen Boden. Und sie fragt, wie zwei Fremde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, doch zusammenfinden. Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit einem besonderen Blick für all das, was unser Dasein im Verborgenen ausmacht. Mit zu zweit stellt der Althistoriker und FAZ-Autor Simon Strauß nach Sieben Nächte und Römische Tage seine dritte literarische Publikation vor. Im Anschluss an die Lesung kommt er ins Gespräch mit Tom Kraushaar, verlegerischer Geschäftsführer des Klett-Cotta Verlags.
Literatur

Martin Suter:
Melody

Culturall.info - Buchtipps

In einer Villa am Zürichberg wohnt Alt-Nationalrat Dr. Stotz, umgeben von Porträts einer jungen Frau. Melody war einst seine Verlobte, doch kurz vor der Hochzeit – vor über 40 Jahren – ist sie verschwunden. Bis heute kommt Stotz nicht darüber hinweg. Davon erzählt er dem jungen Tom Elmer, der seinen Nachlass ordnen soll. Nach und nach stellt sich Tom die Frage, ob sein Chef wirklich ist, wer er vorgibt zu sein. Zusammen mit Stotz’ Großnichte Laura beginnt er, Nachforschungen zu betreiben, die an ferne Orte führen – und in eine Vergangenheit, wo Wahrheit und Fiktion gefährlich nahe beieinanderliegen. Hardcover Leinen 336 Seiten erschienen am 22. März 2023 978-3-257-07234-1 € (D) 26.00 / sFr 35.00* / € (A) 26.80
Literatur | Buchpräsentation

Dirk Oschmann:
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung

Culturall.info - Buchtipps

»Der Osten hat keine Zukunft, solange er nur als Herkunft begriffen wird.« Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer als Norm definiert und den Osten als Abweichung. Unsere Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden von westdeutschen Perspektiven dominiert. Pointiert durchleuchtet Oschmann, wie dieses Othering unserer Gesellschaft schadet, und initiiert damit eine überfällige Debatte.
Literatur | Lesung

Mara - Ein Cello erzählt

Schwetzinger SWR Festspiele

Christian Poltéra, Violoncello Wolf Wondratschek, Lesung Lesung aus der Erzählung »Mara« und Werke für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach, Witold Lutosławski und Benjamin Britten Die abenteuerliche Geschichte eines Cellos, von ihm selbst erzählt: Es ist mehrfach um die Welt gereist, hat für Könige und Bürger gespielt, in Kathedralen, Schlössern und modernen Konzertsälen. Auch wenn es 300 Jahre auf dem Buckel hat, klingt es betörend wie am ersten Tag. Seinen Namen hat es von dem berüchtigten Virtuosen Mara, dessen Eskapaden im 18. Jahrhundert für Gesprächsstoff sorgten. Gebaut wurde es 1711 vom Cremoneser Instrumentenbauer Antonio Stradivari, einem der Größten seines Faches. Bedeutende Virtuosen haben es gespielt, und geschäftstüchtige Banker haben sich seiner angenommen und seinen Wert gesteigert. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1963 wäre es im Rio de la Plata fast ums Leben gekommen … Was dann geschah, erfahren wir in diesem Programm vom österreichischen Schriftsteller Wolf Wondratschek, der in seiner Erzählung Mara die unglaubliche Geschichte dieses Cellos nachgezeichnet hat. Und natürlich erklingt La Mara, gespielt von Christian Poltéra, unserem diesjährigen Residenzkünstler, der das Glück hat, dieses einmalige Instrument seit einigen Jahren spielen zu dürfen. Tickets: 46 € (I) / 31 € (II) / 19 € (III)
Literatur | Lesung

Tweets aus Versailles

Schwetzinger SWR Festspiele

LAUTTEN COMPAGNEY BERLIN Matthias Kiesling, Traversflöte Juliane Laake, Viola da Gamba Heidi Gröger, Viola da Gamba Michael Dücker, Barockgitarre, Laute Wolfgang Katschner, Laute Gerd Amelung, Cembalo Coline Dutilleul, Mezzosopran Franziska Troegner, Lesung Iris Drögekamp, Szenische Einrichtung Lesung aus Briefen der Liselotte von der Pfalz (1652 – 1722) mit Musik von Jean-Baptiste Lully, Marc-Antoine Charpentier, Francesco Corbetta, Marin Marais, Robert de Visée, Michel-Richard Delalande, André Campra u.a. Liselotte von der Pfalz, die 1671 aus politischen Gründen mit Philippe d’Orléans, dem Bruder Ludwigs XIV., verheiratet worden war, hat Briefe geschrieben, wie heute getwittert wird – unablässig und oft mehrmals am Tage an den gleichen Adressaten. Von den wohl 60.000 Briefen, die sie zeitlebens verfasst hat, sind etwa 6.000 erhalten. Diese Briefe enthalten plastische Schilderungen des höfischen Lebens, in schonungsloser Offenheit und oft mokantem, satirischem Ton, ferner zahlreiche Reminiszenzen an ihre Kindheit und Jugend in Deutschland, den neuesten Hofklatsch aus ganz Europa, den sie oft witzig kommentiert, Reflexionen über Literatur und Theater, über Gott und die Welt. Der stetige Austausch wurde für sie zum Heilmittel für ihre »innerliche melancholie und betrübnus«, die Pflege der deutschen Sprache bedeutete ihr ein Stück Heimat und Identität in der Fremde. In unserem Programm verleiht die Schauspielerin Franziska Troegner der Prinzessin eine Stimme, die lautten compagney und die Mezzosopranistin Coline Dutilleul lassen mit Kammermusiken der Zeit und Werken der Hofkomponisten von Versailles die musikalische Atmosphäre am Hof des Sonnenkönigs wieder aufleben. Tickets: 59 € (I) / 39 € (II) / 19 € (III)
Literatur | Lesung

Wo der Wolf lauert

Schauspiel Stuttgart

von Ayelet Gundar-Goshen Lilach Schuster hat alles: ein Haus mit Pool im Herzen des Silicon Valley, einen erfolgreichen Ehemann und das Gefühl, angekommen zu sein in einem Land, in dem man sich nicht in ständiger Gefahr wähnen muss wie in ihrer Heimat Israel. Doch dann stirbt auf einer Party ein Mitschüler ihres Sohnes Adam. Je mehr Lilach über die Umstände des Todes erfährt, desto größer wird ihr Unbehagen: Ist es möglich, dass Adam irgendwie damit in Verbindung steht? „Mit Ayelet Gundar-Goshen, die 1982 geboren ist, zeigt sich eindrucksvoll, welch literarische Talente es in der jüngeren Generation in Israel gibt, und dass es jenseits der Altmeister Amos Oz und David Grossman dort noch vieles zu entdecken gilt. Es ist auch dem Schweizer Verlag Kein & Aber zu verdanken, dass Bücher von jüngeren Autorinnen und Autoren wie Noa Yedlin, Yonatan Sagiv oder Yishai Sarid ins Deutsche übersetzt werden. Romane wie "Wo der Wolf lauert" vermitteln eine jüdisch-israelische Perspektive, in diesem Fall mit einer Spannung, die bis zu den letzten Seiten des Buches anhält. Und dieses Ende ist ganz anders als vermutet.“ (Alexandra Föderl-Schmid, Süddeutsche Zeitung) Live-Musik: Jojo Büld Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger Eine Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart
Literatur | Lesung

Theater in Deutschland 1967 – 1995

Schauspiel Stuttgart

Lesung mit Hermann Beil und und Stephan Dörschel Günther Rühle (1924-2021) ist ein leidenschaftlicher Chronist des deutschsprachigen Theaters. Seine im S. Fischer Verlag erschienenen drei Bände Theater in Deutschland. Seine Ereignisse — seine Menschen umfassen die Jahrzehnte von 1887 bis 1995. Wirken seine ersten beiden Bände wie ein großer historischer Roman, so ist der jetzt erschienene dritte Band mit den Jahren 1967-1995 der spannende Zeitroman unserer Epoche. Günther Rühle – langjähriger Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Herausgeber der Werke von Marieluise Fleißer und Alfred Kerr, Intendant des Frankfurter Schauspiels – ist ein unbestechlich bekennender Zeitzeuge aller Auf- und Umbrüche auf der Bühne und in der Gesellschaft. Die heftige Zäsur der 68iger, das wirkungsvolle Bremer Theater, die ereignishafte Stuttgarter Theaterzeit unter Peter Palitzsch und Claus Peymann, die große Wende in Deutschland 1989 auch durch das Theater der DDR, die Veränderungen der Theaterkunst und Schauspielkunst – all das und viel mehr stellt Günther Rühle emphatisch und voll Neugier auf Künstler und Entwicklungen dar. Günther Rühle hat sein Werk nicht vollenden können, er bat den Dramaturgen Hermann Beil (1974-1979 in Stuttgart) und Stephan Dörschel, den Leiter des Archivs Darstellende Kunst der Akademie der Künste Berlin, seinen dritten Band zu ergänzen, zu überprüfen und ausdrücklich als Fragment herauszugeben. Dieses Fragment mit 795 Seiten ist lesbar als Auftrag für die Zukunft. Mit: Hermann Beil, Stephan Dörschel und Marco Massafra
Literatur | Lesung

„Ist das ein Mensch?“

Schauspiel Stuttgart

Eine Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart Es gibt zwar eine offizielle Erinnerungspolitik, es gibt das mahnende „Nie wieder“ - aber es wird leider mehr und mehr zu einem Ritual, ohne konkretes Wissen, ohne Stimmen, die das, was die Shoah tatsächlich bedeutete, vermitteln könnten. Dagegen soll dieser Abend mit Texten von Überlebenden die Vielfalt der Perspektiven aufzeigen, die das Grauen der Lager erlebt und beschrieben haben. Ihre Berichte richten sich an die Nachgeborenen, sie erzählen von der Gewalt und der Tortur, aber auch von Widerstand, Freundschaft und der Ethik des Erinnerns. Im Anschluss an die Lesung gibt es ein Gespräch, in dem auch darüber gesprochen wird, was diese Texte für die Gegenwart bedeuten, welche Kontinuitäten, welche Brüche sich erkennen lassen. Mit Texten von Primo Levi, Jean Améry, Ruth Klüger, Charlotte Delbo, Imre Kertesz, Jorge Semprun u.v.a. Carolin Emcke, vielfach ausgezeichnete Publizistin, Bestseller-Autorin, Reporterin, Friedenspreisträgerin setzt mit „Ist das ein Mensch“? ihr vielseitiges soziales Engagement weiter fort. Dabei reiht sich ihre Bemühung um Aufarbeitung und Erinnerungskultur in ihre Thematisierung von Gewalt und Trauma und ihren Einsatz für einen weitreichenden und zugänglichen gesellschaftlichen Diskurs ein. 21.00 – 21.45 Uhr Gespräch Carolin Emcke, Lena Gorelik und Maryam Zaree diskutieren mit Verena Lueken, Journalistin, Kritikerin und Autorin über die zu Gehör gebrachten Texte. Im Rahmen von 30 Tage im November - Vom Wert der Menschenrechte und in Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart
Literatur | Lesung

Eine runde Sache

Schauspiel Stuttgart

Im ersten Teil seines Romans, den der Autor selbst, auf Deutsch beziehungsweise im „Broken German“ verfasst hat, schickt sich Tomer Gardi selbst als literarische Figur mit dem sprechenden Schäferhund Rex und einem Erlkönig auf eine fantastisch-abenteuerliche Odyssee voller slapstickartigen und aberwitzigen Situationen. Im zweiten Teil, übersetzt aus dem Hebräischen, folgt man dem im 19. Jahrhundert lebenden indonesischen Maler Raden Saleh von Java durch Europa und zurück nach Asien. Gekonnt jongliert Tomer Gardi auf allen Ebenen mit Missverständnissen und Unerwartetem: inhaltlich, dramaturgisch - und nicht zuletzt sprachlich. In Eine runde Sache reisen zwei Künstler aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten durch sprachliche und kulturelle Räume und sind immerzu in Bewegung. Fremdheitserfahrungen, Identität, das Leben als Künstler und jede Menge Politik sind die großen Themen des Romans, in dem sich die beiden Handlungsstränge gegenseitig spiegeln. Für seinen Roman "Eine runde Sache" wurde der israelische Autor Tomer Gardi mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Tomer Gardi, 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa geboren, zog mit zwölf Jahren nach Wien. Er lernte Deutsch über das Hören, gespickt mit spannenden Wortneuschöpfungen. Auch in seinen Büchern bricht er die Regeln der Grammatik und Rechtschreibung - das allerdings sehr treffend und liebenswert waghalsig. Doch man findet sich gut zurecht in dieser Sprache. Eine Erfahrung, die auch der Ich-Erzähler macht, als er sich auf der Flucht mit einem sprechenden Schäferhund anfreundet, dem er sicherheitshalber ein Sexspielzeug aus der Hosentasche als Maulkorb übergestülpt hat - das Tier kann nur noch Ü-Vokale sprechen.
Literatur | Lesung

Katzen auf der Flucht

Schauspiel Stuttgart

Lesung auf Deutsch In dieser schwierigen Zeit, in der ukrainische Bürger:innen gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen und in andere Städte, Länder und sogar Kontinente zu ziehen, bleibt ein wichtiges Problem das Bewusstsein junger Ukrainer:innen, was passiert und warum. Wie kann man einem Kind erklären, warum es nicht mehr die üblichen Dinge tun kann – zum Beispiel seine Freunde im Kindergarten, in der Schule oder auf dem Hof treffen? Veränderte Lebensumstände, selbst wenn sich die Lebensumstände etwas verbessern, sind eine große Belastung für Kinder. Vor allem, da sie diese Belastungssituationen psychisch zusätzlich von Erwachsenen „lesen“. Die Idee von refugee cats („Flüchtlingskatzen“) ist es, Kindern auf verständliche Weise zu erklären, wie man mit atypischen Umständen umgeht, die das Leben auf den Kopf stellen, ohne daran zu verzweifeln. Dazu haben Luda Tymoshenko und Maryna Smilianets überzeugende Alltagsfiguren mit glaubwürdigen Charakteren geschaffen, in denen sich Kinder wiedererkennen können. Regfugee cats basiert auf vier Geschichten über ukrainische Katzen, die aufgrund des Kriegs von ihren Besitzer:innen viele Kilometer aus ihrer Komfortzone heraus transportiert wurden. Szenische Einrichtung: Magdalena Schönfeld Ausstattung: Kim Kristin Gorinski Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger In Kooperation mit der Akademie Schloss Solitude
Literatur

Uwe Tellkamp: Der Schlaf in den Uhren

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August 2015: Fabian Hoffmann, der einstige Dissident, steht als Chronist in Diensten der »Tausendundeinenachtabteilung« von Treva. Hier, in den Labyrinthen eines unterirdischen Reichs, arbeitet die »Sicherheit« an Aktivitäten, zu denen einst auch die Wiedervereinigung zweier geteilter Staaten gehörte. In diese Welt ist Fabian einem ihrer Kapitäne, Deckname »Nemo«, gefolgt, um herauszufinden, wer seine Schwester und seine Eltern verraten hat. Zugleich ist Fabian mit einer Chronik befasst, die zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung erscheinen soll. Doch es kommt anders. Fabian gerät auf eine Reise, die ihn tief in die trevische Gesellschaft und ihre Utopien hineinführt. Er analysiert Ordnungsvorstellungen und Prinzipien der Machtausübung, die Verflechtungen von Politik, Staatsapparat und Medien, beobachtet die Veränderungen im alltäglichen Leben. Immer mehr löst sich dabei seine Chronik von ihrem ursprünglich amtlichen Auftrag, streift zurück bis in das Dresden seiner Kindheit, in die stillstehende Zeit vor zwei Epochenjahren. Auf seiner Suche nach Ordnung und Sinn kämpft Fabian gegen die Windmühlen der Macht, die Fälschungen der Wirklichkeit, den Verlust aller Sicherheiten – und gibt doch den Traum von einer befreiten Zukunft nicht verloren. Roman
Literatur

Clemens J. Setz: Die Bienen und das Unsichtbare

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Georg-Büchner-Preisträger 2021 Pure meaning, pure poetry – diese Idee scheint Menschen in allen Jahrhunderten umzutreiben und anzustacheln. Sie ist der Motor für die Erfindung von Sprachen wie Esperanto, Volapük oder Blissymbolics. Den Anekdoten hinter diesen Plansprachen geht Clemens J. Setz in Die Bienen und das Unsichtbare nach, getreu dem Motto: »Erzähl die beste Geschichte, die du kennst, so wahr wie möglich.« Und diese Geschichte handelt unter anderem von Charles Bliss und seiner Symbolsprache, von Kindern mit Behinderung, die sich mit Blissymbolics zum ersten Mal ausdrücken können. Davon, wie Clemens J. Setz einen Sommer lang Volapük lernt und selbst eine eigene Sprache entwickelt. Es geht um die vermutlich einzige Volapük-Muttersprachlerin, die je gelebt hat, und die Plansprache Talossa für die gleichnamige Mikronation, die ein Teenager 1979 in seinem Schlafzimmer ausrief. Um Klingonisch und High Valyrian, eine Sprache, die für die Fernsehserie Game of Thrones geschaffen wurde. Und um Esperanto, die größte Erfolgsgeschichte in der Welt der Plansprachen, deren Sprecher unter Stalin und Hitler verfolgt wurden und durch die ein junger blinder Russe zum Dichter, Abenteurer und anarchistischen Weltgelehrten wurde. Stets ist es die eigenartige Vermengung von tiefer existenzieller Krise und Sprachenerfindung, die Setz aufspürt und die ihn in ihren Bann schlägt – und so ist dieses Buch auch die persönliche Geschichte des Sprachkünstlers Clemens J. Setz.
Literatur

Juli Zeh: Über Menschen

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Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht. Juli Zehs neuer Roman erzählt von unserer unmittelbaren Gegenwart, von unseren Befangenheiten, Schwächen und Ängsten, und er erzählt von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein. »Ein Buch, das einem die Augen öffnet für unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit.« Denis Scheck / SWR Fernsehen lesenswert (25. März 2021)
Literatur

Ingo Schulze: Die rechtschaffenen Mörder

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Preis der Literaturhäuser 2021 Ingo Schulze erzählt davon, wie wird ein aufrechter Büchermensch zum Reaktionär wird – oder zum Revoluzzer? Norbert Paulini ist ein hochgeachteter Dresdner Antiquar. Lange Jahre finden Bücherliebhaber bei ihm Schätze und Gleichgesinnte zum Gedankenaustausch. Doch mit der Wende bricht das Geschäft ein, die Kunden bleiben weg. Paulini versucht mit aller Kraft, sein Lebenswerk zu retten. Doch er scheint dabei ein anderer zu werden. Er ist aufbrausend und zornig. Er wird beschuldigt, an fremdenfeindlichen Ausschreitungen beteiligt zu sein. Die Geschichte nimmt eine virtuose Volte: Ist Paulini eine tragische Figur oder ein Mörder?
Literatur | Lesung

Wir haben noch das ganze Leben

Schauspiel Stuttgart

Mit David Grossmans neuem Roman Was Nina wusste starteten wir in der verganenen Spielzeit eine Lesereihe, welche sich mit der zeitgenössischen Literatur Israels beschäftigt und die wir nun fortsetzen. Sie zeigt die Vielfalt, Produktivität, Kreativität und Originalität von Autorinnen und Autoren, deren Texte sprachgewaltig-verspielt, poetisch-sinnlich, tiefgründig-aufwühlend und leichtfüßig-beschwingt erzählen: Etgar Keret, Zeruya Shalev, Mira Magen oder Eshkol Nevo – um nur einige zu nennen, Zeuginnen und Zeugen von Höhen und Tiefen des Lebens in einem zerrissenen und konfliktreichen Land. Mit Eshkol Nevos Buch Wir haben noch das ganze Leben geht die Lesereihe in die dritte Runde: WM-Finale 1998. Frankreich – Brasilien. Fiebrige Stimmung vor der Glotze zwischen Churchill, Juval, Amichai und Ofir. Die vier sind um die dreißig, Freunde seit Jugendtagen, sie gucken zusammen Fußball, quatschen, kiffen, sind füreinander da. Da verfällt einer auf die Idee drei Lebenswünsche auf einen Zettel zu schreiben, zu verstecken und die Wünsche beim nächsten Finale preiszugeben ... Wird das Glück auf ihrer Seite sein? Dramaturgie und Einrichtung: Gwendolyne Melchinger Kostüm: Lorna Sherry

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